Autor: Archangel

Woche für Woche marschieren sie in den Innenstädten und posaunen lauthals ihre Forderungen nach mehr Klima-Schutz heraus. Was als Protest von Schülern angefangen hat, scheint sich immer mehr zu einer breit abgestützten Bewegung zu entwickeln.


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Man sagt, es sei das Privileg der Jugend, naiv und idealistisch zu sein – für mich nehmen die Forderungen zunehmend extremistische und militante Formen an. Den “nationalen Klimanotstand” auszurufen, mag ja nur eine plakative Worthülse sein. Die Forderung nach null CO2-Emissionen ab dem Jahre 2030 in der Schweiz bedeutet hingegen aus meiner Sicht den Weg zurück in die Steinzeit einschlagen zu wollen. In dieselbe Richtung zielt auch die so genannte Gletscherinitiative, welche die CO2-Emissionen in der Schweiz bis 2050 auf Null senken will. Die Verbrennung von fossilen Brennstoffen soll dann verboten sein.

Die Forderung der Schüler ist simpel und eingängig, aber sie blendet unsere soziale und wirtschaftliche Realität ganz einfach aus. Und das macht sie auch wiederum so gefährlich, vor allem wenn sie Woche für Woche von mehr Menschen auf der Strasse und im Internet ohne Nachzudenken wiederholt und proklamiert wird.

Null heisst null – und zwar ohne die Ablass-ähnliche Kompensation im Ausland, da sind die Jugendlichen wenigstens konsequent. Die Forderung, würde man sie den umsetzen, zieht nichts geringer nach sich, als dass sich die Schweiz komplett aus dem Netz der globalisierten Wirtschaft mit Produktion und Handel ausklinken würde.

Die Folgen davon während verheerend:

Jobs würden wegfallen, viele aus dem Ausland importierte Waren wären nicht mehr verfügbar, Arbeitslosigkeit und Armut würden massive zunehmen. Gleichzeitig würde sich die Frage stellen, woher nur schon die Waren und Lebensmittel für den täglichen Bedarf kommen sollten. Transport verursacht ja CO2-Ausstoss und dieser wäre ja nicht mehr erlaubt. Pro Kopf importiert die 8.5 Millionen-Schweiz heute jedes Jahr knapp 500 Kilogramm Lebensmittel – es ist eine gefährliche Illusion zu meinen, die gesamte Bevölkerung könne sich mit Produkten aus inländischer und regionaler Produktion versorgen. Dafür existieren weder die notwendigen Anbauflächen und die Preise wäre schlicht so hoch, dass sich die meisten Leute den täglichen Einkauf nicht mehr leisten könnten. Dies würde als Reaktion den Einkaufstourismus weiter fördern, der heute schon vielen ein Dorn im Auge ist. Oder es käme zu einer Abschottung wie in der DDR, auch denkbar wären horrende Import-Zölle um die Einfuhr von Waren zu unterbinden… wenn man dies weiterdenkt, entstehen Horror-Szenarien wie man sie nur aus dystopischen Zukunftsvision kennt. Ganz zu schweigen davon, dass das tägliche Einkaufen auf verschiedenen Bauernhöfen viel mehr Zeit in Anspruch nehmen würde. Und da die meisten Alltags-Gegenstände wie Smartphones, Fernseher, Wasserkocher oder Bügeleisen heute im Ausland hergestellt werden, müssten wir auch auf diese verzichten. Im Inland verfügen wir weder über das Know-How noch die notwendigen Ressourcen diese selber herzustellen.


Kein Shopping mehr wie wir es heute kennen. Quelle: Shutterstock

Unser gegenwärtiges Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist auf Wachstum und auf Mobilität von Menschen und Waren ausgelegt. Bei den Unternehmen soll der Umsatz von Jahr zu Jahr steigen und auch die Bevölkerung nimmt laufend zu. Wirtschaftswachstum bedeutet aber auch, dass der Energieverbrauch steigt. Das tägliche Pendeln zur Arbeit oder Ausflüge in der Freizeit sind ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. Rund vier Millionen der in der Schweiz wohnhaften Personen pendeln täglich zur Arbeit, 800’000 Auszubildende fahren zu ihren Unterrichtsstätten und über 300’000 so genannte Grenzgänger kommen jeden Tag in unser Land um hier zu arbeiten. All das verträgt sich nicht mit einer C02-neutralen Lebensweise – und mit den Auswüchsen der Spassgesellschaft, also beispielsweise Schneekanonen, Kurzstreckenflüge innerhalb Europas oder Grossveranstaltungen, erst recht nicht.

Man könnte diese Aufzählung auf was alles zu verzichten wäre noch beliebig weiterführen. Am stärksten sind es jedoch die sozialen Folgen, die mich die Forderungen der Klima-Kids mehr als nur kritisch hinterfragen lassen: Um diese – und auch wenn nur schrittweise – umzusetzen, wird die Politik die Kosten für Wohnen, Heizen, Einkauf und Zubereitung von Lebensmitteln, Mobilität und Freizeit massiv nach oben schrauben müssen. Dies wird mit so genannten “Lenkungsabgaben” und anderen neuen Gebühren geschehen. Unter Strich heisst das, dass die Grundbedürfnisse systematisch teuer gemacht werden. Die Löhne werden aber nicht im gleichen Ausmass steigen, so dass die ganzen Klima-Abgaben zu einer unerträglichen, zusätzlichen finanziellen Belastung für viele Menschen und Haushalte werden. Dies ist im höchsten Mass unsozial, es kann nicht sein, dass das Erreichen von abstrakten Klimazielen den Alltag von vielen Menschen in der Schweiz zur Hölle macht. Es würde Massenunruhen auslösen, Menschen würden auf die Strasse gehen um für bezahlbare Lebenshaltungskosten zu demonstrieren, ich denke da an die Gelbwesten als Vorbild. Denn schon heute sind die Krankenkassen-Prämien für viele eine Belastung, die sie nicht mehr stemmen können, weitere Gebühren und Abgaben zu Gunsten der Umwelt liegen da einfach nicht mehr drin.


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Dieser gesellschaftliche Aspekt wird meines Erachtens von den Klima-Kids völlig ausser Acht gelassen. Es ist einfach, “null CO2” zu fordern, wenn man die sozialen Folgekosten ausblendet oder sie auch nicht selber bezahlen muss. In Deutschland redet man von 40 Milliarden Euro um nur schon den Ausstieg aus der Braunkohle sozial abzufedern, ich denke, dass ist nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was da auf uns als Gesellschaft zukommt. Oder betrachten wir mal die Welt als ganzes, Klima ist schliesslich keine nationale sondern eine globale Angelegenheit: In Afrika leben aktuell rund 1.26 Milliarden Menschen, in 40 Jahren werden es ungefähr doppelt so viele sein. Woher sollen die Lebensmittel für diese Menschen kommen? Global gilt es heute schon 7.6 Milliarden zu ernähren. Das ist mit lokaler Produktion auf kleinen Bio-Bauernhöfen überhaupt nicht zu bewerkstelligen, dies setzt eine industrialisierte Nahrungsmittelproduktion auf möglichst grossen Flächen voraus. Dazu gehört dann auch, dass Lebensmittel über eine grosse Distanz transportiert werden, um die jeweiligen Verbraucher zu erreichen. Und für diesen Transport braucht es wiederum eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur.


Willkomen in der Steinzeit. Quelle: Shutterstock

Die radikalen und extremistischen Forderungen sind nichts anderes als eine Selbst-Abschaffung auf ganzer Linie, oder wenigstens eine freiwillige Reise zurück in die Steinzeit. Ob die Schulkinder dann immer noch so begeisterte Klima-Aktivisten sind, wenn all ihre Eltern arbeitslos geworden sind, weil ihre Arbeitgeber die Schweiz verlassen haben oder weil es ihre Jobs schlicht nicht mehr braucht? Ich wage das mal sehr zu bezweifeln. China und andere wirtschaftlich aufstrebende Länder werden uns einfach überrollen und links liegen lassen. In der Schweiz und in anderen europäischen Ländern scheinen wir lieber an unseren selbst gesetzten Standards und Richtlinien ersticken und in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit versinken zu wollen. Wir wollen bis heute nicht wahrhaben, dass man in anderen Länder so frei ist, sich nicht an unsere Richtlinien und Werte zu halten und andere Prioritäten setzt. China und andere Staaten werden wirtschaftlich und sozial an uns vorbeiziehen. Darum sage ich, wer sich selber aufs Abstellgleis manövriert, muss auch bereit sein die Konsequenzen zu tragen. Wie diese aus meiner Sicht aussehen, habe ich oben beschrieben. Der Weg zur Hölle mag ja mit guten Vorsätzen gepflastert sein, aber er ist und bleibt der Weg zur Hölle.


Freiwillig aufs Abstellgleis. Quelle: Shutterstock

Welchen Weg wir in der Schweiz als Gesellschaft einschlagen wollen, ist sicher nicht die alleinige Entscheidung von demonstrierenden Kindern. Ich will ja gar nicht bestreiten, dass das Klima sich global und langfristig verändert, so wie es das in der Erdgeschichte schon immer wieder getan hat. Auch mir ist klar, dass die Existenz von über 7 Milliarden Menschen an unserem Planeten nicht spurlos vorbeigeht. Aber ich empfinde es auch immer wieder als arrogant zu denken, der Mensch könne das Klima und insbesondere die globale Temperatur so regeln wie man es beim Thermostat in der Wohnung tut. Warum akzeptieren wir nicht die klimatischen Veränderung als Tatsache und verlagern unsere Anstrengungen darauf Wege zu finden, wie wir damit umgehen können? Genauso als Tatsache sollte man dann akzeptieren, dass die Weltbevölkerung im Schnitt um rund 80 Millionen Menschen pro Jahr anwächst, was ungefähr der gesamten Wohnbevölkerung von Deutschland entspricht. All diese Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf, Lebensmittel, Arbeit und Freizeit-Gestaltung – all dies setzt CO2 frei und daran wird man auch grundsätzlich nichts ändern können, egal wie laut man auf der Strasse herumschreit. Und mit einer reinen Verlagerungspolitik, wenn zum Beispiel alte Diesel-Autos, die in Europa auf Grund von Abgasvorschriften nicht mehr fahren dürfen ausserhalb der EU oder in Afrika weiter herumfahren, ist fürs Klima auch nichts gewonnen. Der Dreck wird einfach wo anders ausgestossen und der Effekt fürs globale Klima ist somit gleich null.

Aktuell muss man nur die gängigen Online-News lesen oder Nachrichten im Fernsehen verfolgen – Forderungen das Klima “zu retten” werden zunehmend extremistisch und radikalisiert gestellt. Und unter dem Dach des “Klimaschutzes” lassen sich auch wunderbar viele Ziele vereinen, die meist aus dem politisch links-grünen Lager stammen. Hier hat man klare Vorstellungen, wie sich der Mensch der nahen Zukunft zu verhalten hat: Die Mobilität soll er primär über öffentliche Verkehrsmittel und das Velo abdecken. Bei der Ernährung verzichtet der neue Mensch bewusst aufs Fleisch oder isst am besten gleich komplett vegan. Generell gibt er sich Mühe, den persönlichen CO2-Fussabdruck so klein wie möglich zu halten und er ermutigt Menschen in seiner Umgebung es ihm gleich zu tun – wer nicht mitziehen mag, darf ruhig auch mit Zwang auf die richtige Richtung eingestellt werden. Projekte “neue Menschen” zu formen gab es in der Menschheitsgeschichte schon mehrere, an Gedenkstätten von Massengräbern kann man sich heute darüber informieren, was damals geschehen ist, falls man in der Schule die entsprechenden Unterrichtsstunden verpasst hat.


Quelle: Shutterstock

Kein Klima-Aktivist oder -Retter zu sein, wird ohne Zweifel in Zukunft eine immer stärkere öffentliche Ächtung bedeuten. Ob dies allerdings auch den mehrheitlichen gesellschaftlichen Konsens darstellt, stelle ich mal in Frage. Vielleicht geht es ja auch nur darum, wer im Moment am lautesten schreien kann und am meisten Medienaufmerksamkeit erzielen kann. Es braucht dabei nur wenige, die vorne weg ziehen und der Rest läuft wie Lemminge hinter her.

Dass es bei der Klima-Debatte schon längst nicht mehr um die Ideen von einigen Weltverbesserern geht, hat mir kürzlich diese Formulierung der Schweizer Tageszeitung Blick vor Augen geführt: “Ein einzelner Ferienflug ist teilweise gleich schlimm wie ein Jahr lang Auto fahren und das Eigenheim heizen zusammen”. Wenn die Erfüllung von Grundbedürfnissen nach Mobilität und Wohnen schon als “schlimm” bezeichnet wird, zeigt dies, wie weit wir schon gekommen sind. Aber wenn es so weiter geht, werden wir uns in der Schweiz vielleicht schon selbst ausgelöscht haben, bevor es eine globale Erwärmung überhaupt kann.


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