Autor: Archangel

Mitte September hatte ich meine Rückkehr in die Windows-Welt angekündigt. Durchgeführt haben Monk-Trader und ich die Migration dann anfangs November. Jetzt ist höchste Zeit, mal einen Rückblick zu halten und die Frage zu beantworten: Wieso wechselt einer von Mac OS X zu Windows?

Aber erst mal der Reihe nach, es war eine lange Reise…

Zu den Zeiten von Windows XP war ich stolzer Besitzer eines Notebooks von Dell aus der „Inspiron“-Reihe. Der Notebook war dick und schwer, die Lüfter dröhnten extrem laut und im Sommer musste ich Kühlpacks aus dem Tiefkühler drunter legen, damit ich überhaupt noch damit arbeiten konnte. Eines Tages bekam das Gerät den Spitznamen „Rotzebüchse“ und den behielt es auch bis zu seinem unrühmlichen Ende im Elektroschrott.

Schon damals – das war so im Jahr 2008 – war ich scharf auf die Notebooks von Apple und schielte neidisch auf diese flachen und eleganten Alu-Wunder. Als dann endlich der Zeitpunkt kam, „Rotzebüchse“ in Rente zu schicken, schlug mir Monk-Trader vor, bei dieser Gelegenheit zu Mac OS X zu wechseln. Ein Apple-Computer sei für meine Tätigkeiten von Fotobearbeitung über Blogging und Office viel besser geeignet. Auf Microsoft-Seite wäre die Alternative Windows Vista gewesen und das wollte ich damals auf keinen Fall.

So kam es, dass ein MacBook Pro der Nachfolger von „Rotzebüchse“ wurde. Mit den Betriebssystemen Leopard und Snow-Leopard (10.5, 10.6) war ich ein begeisterter Mac-User. Features wie Exposé und Spaces machten das Arbeiten spielend leicht. Aber auch unter Alu-Haube war die Welt nicht störungsfrei: Mein MacBook Pro hatte von Anfang an Probleme mit dem internen DVD-Laufwerk. Das Gerät musste mehrmals in Reparatur, die natürlich auf Garantie ausgeführt wurde. Trotzdem bedeutete das jedes Mal einen Unterbruch und zusätzliche Kosten, da ich vom lokalen Apple-Händler jeweils ein Gerät mieten musste für die Dauer der Reparatur. Dass der Akku nach kurzer Zeit bereits nur noch ein Bruchteil seiner ursprünglichen Leistung besass, erstaunte mich ebenfalls. Eine Stunde Zugfahrt von Basel nach Zürich – und das Ding war leer.

Im Grossen und Ganzen waren es aber zwei gute Computerjahre für mich, bis eines Tages mein Logic Board wegen einem bekannten Bug im Nvidia-Grafikchip den Geist aufgab. Wieder musste der MacBook Pro in Reparatur und als er zurück kam, konnte ich OS und Software nicht mehr installieren, da das DVD-Laufwerk wieder mal streikte. In den Pre-Appstore-Zeiten konnte man noch nicht einfach alles so Downloaden.

Also musste eine Alternative her. Bei Apple wollte ich bleiben, aber die Apple-eigene Hardware sah damals punkto Leistung und Preis-Leistungsverhältnis nicht sehr attraktiv aus. Monk-Trader experimentierte zu diesem Zeitpunkt bereits seit längerer Zeit damit, Mac OS X auch auf normaler Desktop-Hardware zum Laufen zu bringen – Anleitungen waren und sind ja genug im Internet zu finden. So kam ich vom Mac zum Hack. Der von Monk-Trader gebaute Computer fühlte sich beim Arbeiten genauso an wie ein Original-Mac, verzichten musste ich lediglich auf den Sleep-Modus, aber damit konnte ich leben. Auch der Hack lief mit Snow-Leopard, für mich das beste Mac OS aus meiner aktiven Apple-Zeit.

Mein MacBook Pro wurde übrigens von Apple nicht mehr repariert, sondern gegen ein neues Gerät ausgetauscht – dem Protection Plan sei Dank.

Mit Lion (Mac OS X 10.7.) kehrte dann langsam die Ernüchterung ein. Apple hatte das Bedienkonzept stark verändert, also Exposé und Spaces abgeschafft – das neue Kind hiess Mission Control. Damit konnte ich mich nie so recht anfreunden. Der Hack lief dank dem guten Support von Monk-Trader immer tadellos, da auch die Hack-Community immer wieder Updates nachlieferte. Und mit der originalen Apple-Tastatur und dem Apple Trackpad fühlten sich auch die Eingabegeräte nach Mac an. Als ich dann begann, meine Fotos in Aperture zu organisieren, war mir eine Logitech-Maus dann doch wieder lieber, weil das Arbeiten mit dem Trackpad nicht so schnell und nicht so präzise möglich ist. Dasselbe gilt auch für Arbeiten in Excel. Auf dem MacBook Pro hingegen liebe ich das Trackpad, es käme mir nie in den Sinn, dort eine externe Maus anzuschliessen.

Ab Sommer 2012 kam mein Hack immer mehr unter Druck. Monk-Trader nahm unter Windows 7 seinen ersten WaKü-PC in Betrieb und im internen Netzwerk gab immer mehr Probleme beim Datenaustausch untereinander. Die Nutzung des Hack als Mediacenter wurde auch immer schwieriger, weil trotz dem Tool SwitchResX das Hin- und Herschalten zwischen TV und PC-Monitor nicht mehr sauber möglich war. Mac OS X auf einem Hack zu fahren, ist auch immer mit ein bisschen Ungewissheit verbunden und wird in Zukunft sicher nicht einfacher. Bei der Anschaffung neuer Hardware hätte das Kriterium „Hack-tauglich“ immer die Auswahl sehr eingeschränkt.

Das gute Gefühl, dass ich vier Jahre lang als Apple-User gehabt hatte, verschwand langsam aber sicher. Ohne hier ins Apple-Bashing zu verfallen, aber aus Cupertino schienen keine Innovationen mehr zu kommen, wie sich mit der Vorstellung des iPhone 5 auch zeigte. Als Aperture-User wartete ich zudem schon lange auf eine neue Version, aber diesen Wunsch hat Apple bis heute nicht erfüllt. Die Tendenz, ihre Pro-Kunden zu vernachlässigen, war ja bei Apple schon länger festzustellen.

Zwar wurde Windows 8 in der Vorberichterstattung meistens zerrissen wegen der Kacheloberfläche. Trotzdem erschien mir Windows 8 das bessere Mac OS X zu sein, vor allem was die Verknüpfung von Desktop und Mobile betraf. Das Nutzen derselben Dateien auf den verschiedenen Geräten von Smartphone bis zum Desktoprechner schien mir unter Windows 8 besser gelöst als bei Apple. Unter iOS und Mac OS X ist es schon schwierig genug, Dateien aufs iPad zu kriegen, da jede App ihre eigene Dateiverwaltung hat und die Dateigrösse auch Probleme verursachen kann. Dieses Versprechen von Microsoft hat mich sehr für Windows 8 eingenommen und stark zu meinem Entscheid beitragen.

Betreffend der Migration hatte ich natürlich auch meine Bedenken, vor allem ob die Übernahme der Daten reibungslos klappen würde. Und ganz grundlos waren die Bedenken auch nicht, wie sich dann am Migrationswochenende zeigte: Das Kopieren von Daten von Mac zu Windows erwies sich dabei fast als aussichtsloses Unterfangen. Direktes Kopieren war auf Grund verschiedener Inkompatibilitäten nicht möglich. Da es sich um mehrere 100 GB Daten handelte, dauerte jeder Versuch schon mehrere Stunden, was den Frustlevel steigen liess – schliesslich mussten wir die Daten über unser Synology-NAS verschieben. Aber auch das nahm über 12 Stunden in Anspruch, da das NAS mit kleinen Files unheimlich Mühe hat und auch der Prozessor nicht grade der schnellste ist.

Aber schlussendlich hat alles geklappt. Im Windows 8 habe ich mich als Anwender schnell zurecht gefunden. Das liegt aber auch daran, dass Monk-Trader mein System sehr gut konfiguriert hat und ich nicht ständig in der Systemsteuerung irgendwelche Einstellungen anpassen muss. Dass das Umgewöhnen so schnell ging, hat mich selber auch erstaunt, denn immer wenn ich früher kurz mal was am Rechner von Monk-Trader machen wollte, fand ich mich im Windows 7 überhaupt nicht zurecht. Windows 8 gefällt mir gut im reinen Desktop-Betrieb, die Metro-Apps sind nicht wirklich brauchbar, da muss Microsoft noch schwer nachbessern. Als Mac-User, der von Windows zuletzt XP genutzt hat, gefallen wir einige für mich neue Features sehr gut. Dazu gehört die Möglichkeit, zwei Fenster nebeneinander anzuordnen, indem man sie an jeweiligen Bildschirmrand zieht oder die kleinen Previews, wenn man mit dem Cursor auf ein Programm-Icon in der Taskleiste fährt. Insgesamt habe ich den Wechsel zu Windows 8 gut überstanden und auch nicht bereut.

Wer jedoch wie ich jahrelang relativ schlanke Programme wie Apple Mail oder Apple Calendar gewöhnt war, kann mit Outlook 2010 so seine Mühe bekommen. Zudem zeigt Outlook 2010 keinen globalen Posteingang mehr an, was es zusätzlich unübersichtlich macht. Ich bin froh, dass Monk-Trader mit dem eM Client eine gute Alternative gefunden hat. Mehr zum eM Client gibt es nächste Woche an dieser Stelle.


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