Seit gestern sitzt Captain James T. Kirk wieder im Kommando-Sessel der U.S.S. Enterprise. Mit „Star Trek Beyond“ ist der dreizehnte Spielfilm in den Kinos gestartet, es ist bereits der dritte Film, der in der so genannten „Kelvin-Timeline“ spielt und von J.J. Abrams produziert wird. Zudem ist seit einiger Zeit bekannt, dass es eine neue TV-Serie geben wird, die anfangs 2017 in den USA auf dem Streaming-Dienst CBS All Access und weltweit auf Netflix laufen wird. Für frisches Star Trek-Futter ist also gesorgt, wobei man im Schatten der grossen Produktionen von CBS und Paramount die zahlreichen Fan-Produktionen nicht vergessen darf, in denen sehr viel Kreativität und Herzblut steckt.

Aber wenn es um die Fan-Produktionen geht, hört für CBS und Paramount die vielbeschworene „Toleranz“ auf. Mit den kürzlich erlassenen Richtlinien für Fan-Produktionen, über die wir bereits geschrieben hatten, wurde den Projekten ziemlich drastisch der Hahn abgedreht. Die Macher der verschiedenen Projekte haben sehr unterschiedlich reagiert.

Für die meisten Produktionen dürften die Regeln früher oder später das Aus bedeuten, denn verboten sind Produktionen, die länger als 30 Minuten dauern und als Serie ausgelegt sind. Untersagt ist auch die Mitwirkung von Personen vor und hinter der Kamera, die schon einmal für eine Star Trek-Produktion von Paramount oder CBS gearbeitet haben.

Die amerikanische Webseite reason.com hat kürzlich ein sehr gutes Video zum Thema Fan-Produktionen gemacht und lässt verschiedene Ansichten zu Wort kommen.

Wir haben in den letzten Wochen in ein paar Projekte hineingeschaut, die oft via Crowdfunding finanziert werden. Manche Gruppen haben innerhalb des Star Trek-Universums ihre eigenen Figuren und Raumschiff-Crews erschaffen, andere haben die bekannten Charaktere wie Kirk, Spock und McCoy einfach neu besetzt und setzen die 5-Jahres Mission der Enterprise fort. Bei manchen Produktionen sind auch Star Trek-Schauspieler wie Tim Russ, Walter Koenig oder J. G. Hertzler mit von der Partie. Wir können hier nicht alle Produktionen einzeln vorstellen, eine gute Übersicht findet ihr hier: Star Trek fan productions (Wikipedia).

Star Trek: Axanar

Story

Unter dem Titel „Axanar“ soll ein Spielfilm entstehen, der während der Zeit des Krieges zwischen Klingonen und der Föderation, also rund 20 Jahre vor den bekannten Abenteuern von Captain Kirk und seiner Crew, spielt. Axanar ist der Ort wo die neuen Constitution-Class Raumschiffe gebaut werden und lange Zeit ist es so, dass die Föderation den Klingonen militärisch kaum etwas entgegenzusetzen hat. Captain Garth hat einen Plan, welcher der Föderation einen taktischen Vorteil bringen soll.

Bis jetzt existiert ein rund 20-minütiger Kurzfilm mit dem Titel „Prelude to Axanar“, der im Stil eines Dokumentarfilms auf die Ereignisse im Krieg zurückblickt. Im Film treten bekannte Schauspieler wie Tony Todd, Richard Hatch und Kate Vernon auf. Zum ersten Mal gezeigt wurde er im Juli 2014 an der Comic Con in San Diego.

Schon dieses „Vorspiel“ lässt schon erahnen, auf welchem Niveau hier gearbeitet wird. Die Story ist jedoch typisch für eine Fanproduktion: sie greift einen Charakter und Ereignisse aus der Original-Serie aus den 60er Jahren auf und verleiht ihnen mehr Tiefe und Substanz. Wenn man „Prelude to Axanar“ als Trailer für den geplanten Spielfilm versteht, macht dieser auf jeden Fall Appetit auf mehr.

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Quelle: axanarproductions.com

Rechtstreit und Konflikte

Leider hat sich über Axanar ein juristisches Unwetter zusammengebraut, dessen Ausgang noch nicht klar ist. Im Dezember 2015, also mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung von „Prelude to Axanar“ verklagten CBS und Paramount die Macher wegen Verstössen gegen das Urheberrecht. Sogar über die Rechte an der Kunstsprache „Klingonisch“ wurde gestritten. Der Rechtsstreit ist bis heute nicht beigelegt und erhielt im Licht der im Juni 2016 publizierten Richtlinien für Fan-Filme eine neue Dimension. Von den Richtlinien ist man natürlich auch bei Axanar nicht begeistert – hat aber immerhin den Mut, auch Artikel auf Facebook zu posten, die sehr sachlich für die Regeln argumentieren [The STAR TREK Fanfilm Guidelines Saved Fanfilms von birthmoviesdeath.com]. 

Axanar und Alec Peters, der kreative Kopf dahinter, sind in der Fanfilm-Community nicht unumstritten. Manche lasten ihm an, mit seiner Produktion und den sehr erfolgreichen Crowfunding-Kampagnen CBS und Paramount erst auf den Plan gerufen zu haben, was unter anderem zur Klage gegen Axanar und den bereits erwähnten Richtlinien für Fan-Produktionen geführt habe. Die Kampagnen auf Kickstarter und Indiegogo haben zusammen rund 1,2 Millionen Dollar ergeben. Die Kritik gipfelte sogar in Morddrohungen, andere werfen ihm vor, mit den Crowdfunding-Kampagnen gleich ein ganzes Filmstudio zu finanzieren. Bei Axanar hat man sich aber davon nicht beirren lassen und arbeitet weiter an der Produktion des eigenen Films. Davon kann man sich der offiziellen Webseite der Produktion und auf der Facebook-Seite selber überzeugen.

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Star Trek Horizon

Während viele Fan-Produktionen direkt oder indirekt auf die Original-Serie setzen, ist „Star Trek: Horizon“ eine der wenigen Produktionen, welche die Prequel-Serie „Star Trek: Enterprise“ aufgreift und dem Zuschauer die Crew der NX-04 Discovery präsentiert. Der Film wurde im Februar 2016 veröffentlicht und ebenfalls via Kickstarter finanziert. Der Trailer gibt einen guten Einblick in Machart und Stil des Films.

Sets und Effekte sind echt gut gemacht und mit dem Schauspieler Paul Lang haben die Macher einen sehr militärisch wirkenden Captain auf den Kommandosessel gesetzt, der jedoch sympatischer rüberkommt als Captain Archer, der Captain aus der Paramount-Serie. Die Geschichte fügt sich nahtlos in das etablierte Star Trek-Setting ein und ist sehr solide erzählt. Der visuelle Stil ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig. Das Team von Produzent Tommy Kraft hatte ursprünglich einen weiteren Film in Planung, hat aber im Zuge des oben erwähnten Rechtsstreits zwischen Paramount und Axanar, davon Abstand genommen. Dem Sci Fi-Universum sind Kraft und sein Team jedoch treu geblieben: Gestern hat sein Produktionsteam eine neue Kickstarter-Kampagne erfolgreich beendet, es geht um den Kurzfilm „Runaway“, der die Geschichte eines Androiden erzählt, der um seine Existenz kämpfen muss.

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Star Trek Enterprise II

Dieses Projekt ist allein schon wegen seiner Machart erwähnenswert. „Star Trek Enterprise II – Der Anfang vom Ende“ ist eine Stop Motion-Produktion, welche die Geschichte von Captain Archer und seiner Crew weitererzählt und eine Fortsetzung von „Der Zeitspiegel“ ist. Unglaubliche acht Jahre haben der Deutsche Jürgen Kaiser und sein 37-köpfiges Team an dem Film gearbeitet – wenn das mal keine totale Hingabe von Fans ist! „Der Zeitspiegel“ wurde 2009 veröffentlicht, für die Fortsetzung standen dem Team nicht nur andere Produktionsmittel zur Verfügung, sondern auch bekannte deutsche Synchronsprecher, wie etwa die deutsche Stimme von T’Pol, die bei den Tonaufnahmen auch Regie führte. Der Prolog wurde von der deutschen Synchronstimme von Scott Bakula gesprochen.

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Captain Archer auf der Brücke. Quelle: enterprise-fanfilm.de

Das nächste Projekt hat Jürgen Kaiser auch schon in Arbeit, nur geht es dabei nicht mehr um Star Trek, sondern um die Ghostbusters.

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Renegades

Der Pilotfilm von „Star Trek: Renegades“ wurde im August 2015 veröffentlicht. Das besondere ist hier das Setting, welches sich nicht an einer etablierten Serie orientiert, sondern die Zeitlinie nach den Ereignissen des Kinofilms „Nemesis“ weiterführt und dabei Charaktere aus verschiedenen Serien zusammen bringt. So sind unter anderem Tim Russ als Tuvok und Walter Koenig als Chekov mit dabei, andere ehemalige Star Trek-Schauspieler wie Terry Farell oder Gary Graham sind in neuen Rollen zu sehen.

Die Produktion ist als Serie angelegt. Die Produzenten haben zwei Tage nach der Veröffentlichung der Richtlinien von CBS und Paramount reagiert und alle Referenzen zu Star Trek aus der laufenden Produktion zur zweiten Episode gestrichen. Wie sich das auf die im Pilotfilm begonnene Story auswirken wird, muss man abwarten, denn „The Requiem“ ist noch nicht veröffentlicht worden. Auch die Reaktion der Fans sowie der Backers auf Kickstarter muss man noch abwarten. Die Macher von Renegades haben sich bei CBS und Paramount bedankt:

We would like to take this time to thank CBS and Paramount for letting us play in their proverbial sandbox for as long as they did. And we’d also like to thank our loyal, creative, and passionate fans for their unending support. We truly appreciate it. (Quelle: renegades.show)

Für sie ist Renegades – der Zusatz „Star Trek“ wurde natürlich auch gestrichen – nun eine komplett unabhängige und eigenständige Serie. Und man scheint fest entschlossen, weiter zu machen. Dieses Video wurde vorgestern veröffentlicht, um die Fundraising-Kampagne zur Post-Production der neuen Episode „The Requiem“ zu unterstützen. Auch wenn es vielleicht noch etwas schwer vorstellbar ist, wie Renegades ohne Referenzen zu Star Trek funktionieren soll, stehen dem Team jetzt aber auch alle kommerziellen Möglichkeiten offen, mit ihrer Serie auch Geld zu verdienen. Wir hoffen, dass die Zuschauer der Neuausrichtung der Serie eine Chance geben und sie sich als eigenständige Produktion etablieren kann.

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Star Trek: New Voyages / Phase II

Die Serie war zeitweise auch als „Star Trek: Phase II“ bekannt, bisher wurden insgesamt 11 Episoden produziert und veröffentlicht. Das Projekt begann im Jahre 2004. Beachtlich sind die Verbindungen zu Star Trek-Grössen wie George Takei, Walter Koenig oder Autorin D.C. Fontana. Sie hat die dritte Episode von Star Trek: New Voyages geschrieben und die beiden Schauspieler hatten bereits Gastauftritte in der Serie.

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Der Hauptcast aus der ersten Episode von Star Trek: New Voyages. Quelle: zvg

Reboot als offizielle Star Trek-Tour

Für Star Trek: New Voyages wird es keine weiteren Dreharbeiten geben, die Macher um James Cawley haben sich entschieden, ihre Sets in einer Halle in der Kleinstadt Ticonderoga im Bundesstaat New York in eine offiziell lizenzierte Star Trek-Tour umzuwandeln. Hier dazu die Bekanntgabe via Facebook. Ob die bereits gedrehten drei weiteren Episoden jemals fertiggestellt und veröffentlicht werden, steht zur Zeit noch in den Sternen.

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Star Trek Continues

Die Serie wird seit Mai 2013 produziert und schafft es eindrücklich, das Gefühl der Original-Serie einzufangen, auch wenn natürlich alle Rollen mit neuen Schauspielern besetzt sind. Die Rolle des Chefingenieuers Scotty wird vom Sohn von James Doohan, Chris Doohan, gespielt. Die Episoden werden sogar im Bildformat 4:3 produziert. Auch Star Trek: Continues wird via Kickstarter- und Indiegogo-Kampagnen finanziert. Im vergangenen Herbst konnten die Macher um Vic Mignogna, der vor der Kamera die Rolle von Captain Kirk spielt, mit dem Maschinenraum ein neues grosses Set eröffnen.

Bis jetzt sind sechs Episoden produziert und wenn auf die letzten Posts auf der Facebook-Seite schaut, scheint man auch nicht die Segel streichen zu wollen. Im Gegenteil: Die siebte Episode soll auf der Salt Lake Comicon am 2. September 2016 Premiere haben und ein Planeten-Set soll auch demnächst fertig gestellt sein. Gedreht wird Star Trek: Continues in Kingsland im Bundestaat Georgia. Die Sets wurden auch von „Starship Farragut“, einer weiteren Fan-Produktion, benutzt.

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Bei den Dreharbeiten auf dem Bridge Set. Quelle: startrekcontinues.com

Wir haben bis jetzt die ersten drei Episoden gesehen und sind von der Serie sehr begeistert. Sets, Kamera, Licht und Musik stimmen – hier wirkt nichts wie ein billiger Nachbau der Originale aus den 1960er Jahren, sondern man hat tatsächlich das Gefühl, wieder auf der guten alten Enterprise zu sein. Das Team wagt sich auch an schwere Themen wie Sklaverei, die ohne Happy End auskommen. Die Geschichten fügen sich nahtlos ins Star Trek-Universum ein. Die Episode im Mirror-Universum geht genau dort weiter, wo die Original-Episode „Mirror, Mirror“ aufgehört hat und zeigt, wie der „Mirror-Spock“ sich gegen seinen Captain auflehnt. Am Ende der Episode kann man sich problemlos vorstellen, wie sich Ereignisse weiter entwickelt haben, bis wir dann bei „Deep Space Nine“ wieder ins Mirror-Universum zurückkehren.

Aber es sind auch die kleinen Dinge, die zur Qualität von Star Trek: Continues beitragen. In einer Szene liest Kirk ein Buch und hat Mühe, den Text zu lesen – eine Referenz zur Brille, die ihm Freund und Schiffsarzt McCoy später im Kinofilm „Star Trek II: The Wrath of Khan“ schenken wird. Die Episoden spielen fast ausschliesslich an Bord der U.S.S. Enterprise, trotzdem funktionieren diese „Bottle Shows“ sehr gut.

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Warum jetzt?

Fan-Produktionen gibt es schon lange, nicht nur bei Star Trek. Und es müssten auch nicht immer Videos sein, es gibt Fan-Art, nachgeschneiderte Kostüme, Make-Up und Props. Sie alle haben eins gemeinsam: Fans setzen sich mit damit auseinander und investieren viel Zeit, Energie und Geld, in etwas das sie lieben und ihnen viel bedeutet. Und auch damit wird viel Geld umgesetzt, wenn man nur an Cosplayer-Veranstaltungen denkt, wo Darsteller und Shops viel Geld umsetzen. 

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Shop an der Fantasy Basel 2016

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Anderes Universum – aber tolle Kostüme (Fantasy Basel 2016)

Daher müssen sich CBS und Paramount schon die Frage gefallen lassen, warum gerade jetzt? Warum Axanar und nicht eine andere Produktion, die es schon länger gibt? Die Studios begründen ihre rechtlichen Schritte mit Urheberrechts-Verletzungen, diese finden jedoch streng genommen jedoch immer statt, wenn Fans etwas eigenes kreieren, was auf Star Trek basiert. Dazu reicht schon dieses einfach Beispiel von deviantart:

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Quelle: JoeJusko / deviantart.com

Natürlich gab es dabei immer der Kriterium der Kommerzialität, wobei dies ja auch mit Axanar nicht verletzt wird. Schlussendlich stellt sich hier die Frage, ob das gesamte Star Trek-Universum nicht schon so etwas wie Allgemeingut geworden ist und jeder etwas zur kreativen Weiterentwicklung beisteuern darf, ohne das er gleich verklagt wird oder mit einseitigen Richtlinien eingeschränkt wird.

Sonst müssen streng genommen ja auch solche Projekte wie dieser PC Casemod im Star Trek-Look schon auf Widerstand von CBS und Paramount stossen:

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Quelle: mnpctech.com

Und auch die „U.S.S. Prodigy“, die wir vor drei Jahren mal als witzige Idee im Rahmen eines Projekts vorgestellt hatten, dürfte es dann gar nicht geben.

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Auch Fans, die sich ein eigenes Kino oder ihre Wohnung im Star Trek-Look eingerichtet haben, könnten Probleme bekommen.

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Quelle: techeblog.com

Der Besitzer dieser Star Treck-Wohnung aus London soll sie sogar gewinnbringend verkauft haben:

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Quelle: techeblog.com

The Needs of the Many…

Die Fan-Produktionen von heute bewegen sich technisch auf einem hohen Niveau, dazu muss man sich nur eines oben aufgeführten Beispiele anschauen. Auch die Schauspieler wirken alles andere als hölzern und je nach Produktion sind es ja auch Profis, die engagiert wurden. Aber eines ist den Produktionen sicher gemeinsam: Da steckt sehr viel Herzblut drin, weil die Macher selber Fans sind, welche anderen wiederum die Möglichkeit geben, sich via Crowdfunding ebenfalls zu engagieren.

Durch die Bank überzeugen die Produktionen die wir gesehen haben mit Kulissen, Effekten, Sound und Make-Up. Das liegt einerseits daran, dass zum Teil erfahrene Leute aus der Film-Industrie an diesen Produktionen mitarbeiten. Anderseits sind auch die Produktionsmittel für Aufnahme und Schnitt erschwinglicher geworden, eine gute Qualität ist nicht mehr den grossen Hollywood-Produktionen vorbehalten.

Dank Crowdfunding-Plattformen im Internet ist es aber auch einfacher geworden, Geld für eine überzeugende Idee auftreiben – gerade bei einem Phänomen wie Star Trek mit einer starken Fanbasis. Und das Internet hilft mit Video- und Streamingwebseiten auch bei der Distribution.

Es ist aber auch interessant, dass sich in den Fan-Produktionen auch viele ehemalige Star Trek-Schauspieler engagieren. Richard Hatch, bekannt als Apollo aus „Battlestar Galactica“ zeigte im Jahre 2001 bereits mit einem eigenen Film, dass noch viel Potential in Battlestar steckte und realisierte „Battlestar Galactica: The Second Coming“ als eine Art Testballon selber, nachdem die Studios seine Idee abgelehnt hatten. Nur wenige Jahre später startete dann „Battlestar Galactica“ als neue Serie auf SyFy-Channel. Noch heute ist Hatch engagiert für die Anliegen von Fan-Produktionen. Er stand bei „Prelude to Axanar“ vor der Kamera und sein Statement auf Facebook zu den neuen Regeln von CBS und Paramount bringt es auf den Punkt:

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Das offizielle Hollywood tut sich jedoch schwer mit neuen Geschäftsmodellen und verschanzt sich lieber hinter Urheberrechten. Dabei zeigen gerade die Fan-Produktionen, dass es nicht 200 Millionen Dollar braucht, um eine spannende Geschichte zu erzählen: Gleichgesinnte tuen sich zusammen um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen und verteilen das finanzielle Risiko auf viele einzelne Personen. Die vielen erfolgreichen Crowdfunding-Kampagnen haben gezeigt, dass hier ein echtes Bedürfnis von Seiten der Fans besteht und dass diese sogar bereit sind, Geld zu investieren – im Zeitalter der Gratiskultur im Internet keine Selbstverständlichkeit.

Fans sind sogar schon zu festen Mitarbeitern bei Star Trek geworden. Bestes Beispiel dafür ist Ronald D. Moore, der es in der dritten Staffel von „Star Trek: The Next Generation“ schaffte, als externer Autor und bekennender Star Trek-Fan ein Drehbuch zu verkaufen. Dies brachte ihm eine Anstellung als Autor und später als Produzent ein. Jahrelang pflegten die damaligen Serien-Produzenten Rick Berman und Michael Piller die Praxis, dass externe Autoren ihre Stories und Drehbücher verkaufen konnten. Über diesen Weg holten sich die Macher zusätzliche Kreativität ins Haus und ein paar der besten Autoren fanden ihren Weg so zu den Serien wie The Next Generation und Deep Space Nine. An diese für Hollywood unübliche Tradition sollten sich die heutigen Verantwortlichen von CBS und Paramount mal zurückerinnern: Kreativität lässt sich nicht einsperren, wer wirklich von etwas begeistert ist, findet immer einen Weg, seine Ideen auch umzusetzen. Und wie der Erfolg von „Runaway“ der ehemaligen Schöpfer von „Star Trek: Horizon“ zeigt, muss es halt nicht unbedingt Star Trek sein, wenn man dort zu viele juristische Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt.

Von den Fan-Produktionen würden wir gerne mehr sehen. Das Star Trek-Universum ist gross genug für Produktionen von CBS und Paramount sowie von anderen. Star Trek feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag und einer der Gründe, warum es überhaupt so weit gekommen ist, liegt bei den Fans. Dabei meinen wir jetzt nicht nur die legendäre Briefkampagne in den 1960er Jahren, sondern die Begeisterung und den Enthusiasmus über die vergangenen fünf Jahrzehnte hinweg, welche Millionen von Menschen für Serien, Kinofilme, Bücher, Spiele und Conventions aufgebracht haben. Vielleicht ist es etwas naiv zu glauben, dass die Rechteinhaber hiervor etwas mehr Respekt haben sollten.

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Oder anders ausgedrückt: es ist einfach eine Tatsache, dass CBS und Paramount nicht alles kontrollieren können, was unter dem Namen „Star Trek“ so alles gemacht und veröffentlicht wird. Dazu ist das Universum zu sehr Allgemeingut geworden. Geschichten von Fans, auch wenn sie über Crowdfunding finanziert werden, sind eine Bereicherung und keine Bedrohung. Sie beschädigen die Marke „Star Trek“ nicht, im Gegenteil sie erweitern den Horizont und können den Zuschauer dorthin bringen, wo noch kein Drehbuchautor zuvor gewesen ist.

 


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