Im Tiefflug gleite ich langsam über die grünen Weiten der Prärie, die Aussicht ist atemberaubend. Von rechts kommt eine Herde wilder Pferde herangerast. Alle Tiere galoppieren in dieselbe Richtung, gelenkt wie eine grosse Einheit von unsichtbarer Hand. Das Getrampel der Hufe ist ohrenbetäubend. Ich bin nun direkt über der Herde.

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Quelle: freeimages.com

Als ich nach rechts schaue, bemerke ich ein Tier, das nicht mehr mit der Herde mithalten kann. Es fällt langsam zurück. Doch ich werde vom Strom der Herde mitgerissen und kann ihm nur noch nachschauen. Es bleibt weiter zurück, bis es meinen Blicken entschwindet… und ein bisschen später sitze ich im Cockpit eines Kampfschiffes im Weltraum und blicke in die unendlichen Weiten des Universums. Ich kann die Schwerelosigkeit regelrecht fühlen, rundherum nur Planeten und Sterne.

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Vor lauter Staunen bemerke ich nicht den riesengrossen Schlachtkreuzer, der plötzlich unter mir auftaucht. Ich muss unbedingt besser aufpassen – und schon bin ich mitten in einer Weltraumschlacht mit Dutzenden von Kampffliegern. Meine Zielerfassung klemmt und ich atme tief durch um mich besser zu konzentrieren. Jetzt bloss keine weiteren Treffer mehr abkriegen…

Ein Klaps auf die Schultern schreckt mich auf. Ich habe nicht geträumt, sondern sass hellwach und sicher im Sessel bei mir zu Hause. Das Erlebte fand nur virtuell statt, mit Hilfe der Samsung Gear VR2 – willkommen in der Virtual Reality.

Der Realität entfliehen

Das Gefühl der Immersion, also des Eintauchens in eine andere Welt, ist einzigartig und beinahe unbeschreiblich. Jeder erlebt und empfindet es anders. Darum könne wir nur sagen: Probiert es selber aus und macht Eure eigenen Erfahrungen!

Der Wunsch in andere Welten abzutauchen, ist schon so alt wie die Menschheit selbst. In unseren Träumen konnten wir schon immer Dinge erleben, die im Alltag undenkbar schienen. Die Dichter der Antike haben von Heldentaten der Krieger erzählt und die Gladiatorenkämpfe haben grausame Schlachten hautnah miterlebbar gemacht – bequem und sicher vom Sitzplatz im Kolosseum. Theater und Literatur haben die Phantasie der Menschen über die Jahrhunderte ebenfalls beflügelt. Später waren es Kino und Fernsehen, welche uns in neue Abenteuer mitgenommen haben. In der Neuzeit sind es Computerspiele, die uns heute durch die Strassenschluchten von Monco genauso flitzen lassen wie über die Oberflächen fremder Planeten. So hat jede Epoche ihre Technologie – der Wunsch nach Unterhaltung, Entspannung und die Lust Neues zu entdecken verbindet sie alle miteinander.

Die virtuelle Realität ist die nächste Stufe in dieser technologischen Evolution. Um sie zu betreten, bedarf es einer speziellen Brille wie etwa der Gear VR2 von Samsung. Das VR steht für Virtual Reality. Mit ihr haben wir unsere ersten Erfahrungen mit dieser Form der Unterhaltung gemacht. Bevor wir Euch weiter davon berichten, möchten wir Euch zuerst die Brille an sich vorstellen.

Hardware

Die Gear VR2 besteht aus einem Set von Riemen und einer Halterung mit zwei eingebauten Linsen. Vorne auf die Halterung wird ein Samsung Galaxy S6 oder Galaxy S6 Edge gesteckt. So gesehen ist die Gear VR2 ein Zubehör zum Smartphone. Auf ihm laufen die entsprechenden Apps und via die Linsen schaut man direkt auf das Display.

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Quelle: Samsung

Mit Hilfe von Klettverschlüssen lassen sich die Riemen anpassen. Die Schärfe der im Gehäuse eingebauten Linsen lässt sich mit einem Drehregler auf der Oberseite regulieren wie man ihn von einer Spiegelreflexkamera oder einem Feldstecher her kennt. Die Halterung verfügt über eingebaute Belüftungsschlitze sowie einen MicroUSB-Anschluss, mit dem die Gear VR2 auch während der Benutzung mit Strom versorgt werden kann. Dies sind beides Neuerung gegenüber dem ersten Modell. Die Gear VR 2 wiegt 170 Gramm. Zusammen mit einem Smartphone (138 Gramm) bringt sie rund 310 Gramm auf die Waage bzw. auf die Nase. Dicke Schaumstoffpolster sorgen dafür, dass man gegen alle Lichteinflüsse von aussen abgeschirmt ist, wenn man die Brille aufsetzt.

Bei längeren Sessions sollte man sicher auf die externe Stromversorgung zurückgreifen. Wie lange der Akku genau hält, können wir nicht sagen, da wir die Gear VR2 nie länger als eine Stunde benutzt haben, aber die Prozente der Akkuladung gehen schon recht schnell runter. Wenn man das Smartphone auf die Gear VR2 aufsteckt, wird die Display-Helligkeit automatisch auf 100 Prozent eingestellt. Zudem wird das Smartphone schon nach relativ kurzer Benutzung sehr warm auf der Rückseite.

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Quelle: Samsung

Auf der rechten Seite verfügt die VR2 über ein kleines Touchpad, wie man es auch von anderen Samsung-Geräten kennt.

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Quelle: Samsung

Sich zurecht finden

Die Gear VR2 verfügt über ein komplett eigenes Ökosystem, welches aus der Oculus App besteht. Die Oculus App startet automatisch, wenn man das Smartphone in die Halterung steckt. Sie sorgt für das Abspielen aller VR-Inhalte und man kann dort auch neuen Content erwerben. Dies funktioniert auch, wenn man das Smartphone normal nutzt. Inhalte vom PC auf die Gear VR2 zu streamen, ist aktuell nicht möglich. Es gibt zwar Apps dafür, nur kann man diese nicht benutzen, weil immer die Oculus App gestartet wird.

Mit dem Touchpad kann man durch Menüs hindurchscrollen, ein Mal antippen entspricht einem Mausklick aus der Desktopwelt. Im Blickfeld zeigt sich in der Mitte ein Punkt, der als eine Art Cursor dient. Wenn man ihn mit einer Kopfbewegung auf einen bestimmten Punkt in einem Menü richtet, kann man diesen aktivieren und einem Klick auf das Touchpad dann auswählen. Ebenfalls auf der rechten Seite sind ein „Zurück“-Button und die Lautstärkeregler angebracht. Die Gear VR2 verfügt über keine eigenen Kopfhörer. Via Bluetooth lässt sich ein Headset mit dem Smartphone verbinden. Als Alternative kann man den Kopfhörerausgang des Galaxy S6 oder die Smartphone-Lautsprecher benutzen.

Den „wow“-Effekt hat man mit der Gear VR2 auf jeden Fall. Das gilt für Spiele und Filmsequenzen. An die Menü-Steuerung gewöhnt man sich sehr schnell. Man kann sich in der virtuellen Rundum-Welt regelrecht verlieren. Man ist komplett von der realen Umgebung abgekapselt. Aber genau das ist ja auch der gewünschte Effekt. In der virtuellen Realität hat man eine 360-Grad Rundumsicht. Man kann nicht eben mal den Blick vom Monitor nehmen und zum Fenster rausschauen.

Dementsprechend ruppig kann dann auch der Wechsel zurück ins Reale sein, wenn man die Brille abzieht. Wenn man wie wir die Gear VR2 zu zweit ausprobiert, ist es für den denjenigen ohne Brille etwas mühsam neben dran zu stehen. Da man von aussen nicht sehen kann, was der andere sieht, ist es auch unmöglich, ihm bei einem Problem zu helfen.

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Einsetzen des S6 in die Halterung. Quelle: Samsung

Tragekomfort

Das Aufsetzen der Gear VR2 ist etwas umständlich. Alle Bändel müssen gut ausgerichtet sein. Die Brille muss sehr satt und gerade auf dem Gesicht sitzen, das kann vom Gefühl her mit der Zeit schon etwas unangenehm oder beklemmend werden. Die Bändel sind sehr hart und steif. Wer wie Archangel aus unserem Team Brillenträger ist, kann die Gear VR2 nur ohne eigene Brille aufsetzen. Dann kommt die Scharfstellung mittels Drehrad zum Zuge. Diese arbeitet nur in einem sehr begrenzten Bereich und ist nicht für jedes Auge separat einstellbar. Monk-Trader musste die Gear VR2 ständig etwas tiefer nach vorne ziehen, um das Bild scharf zu sehen, was wiederum bedeutete, dass ihm die Bändel unangenehm auf die Ohren drückten.

Schweiss, Staub und Dreck sind die grössten Feinde eines ungetrübten Virtual Reality-Genusses. Dass man unter der Gear VR2 schwitzt, lässt sich kaum vermeiden. Deshalb kann es passieren, dass die Gläser anlaufen. Dann bleibt nichts anderes übrig, als die Brille abzuziehen und die Gläser zu reinigen. Genauso störend machen sich auch Flecken auf den Linsen oder auf dem Smartphone-Display bemerkbar. Wenn man beim Aufsetzen nicht aufpasst, kann es passieren dass die Linsen schon schmutzig werden.

Hat man die Gear VR2 länger auf, merkt man wie körperintensiv sie ist. Da das Gesichtsfeld in der Brille enger ist als in der Realität, muss man öfters nach links und rechts schauen um mitzubekommen was rundherum so alles passiert. Das macht sich in der Nackenmuskulatur oder in den Schultern mit der Zeit bemerkbar. Die Gear VR2 reagiert auf jede Kopfbewegung, mit ihr in der Virtual Reality herumgehen kann man nicht. Wir empfehlen sich hinzusetzen, da man wie gesagt den Bezug zur realen Umgebung nicht mehr hat und sich sonst blöd verletzen kann.

Was hingegen das Erlebnis noch etwas trübt, ist die Bildqualität und vor allem die Schärfe der angezeigten Schriften. Aber wenn man ein Smartphone mal mit Abstand von wenigen Zentimetern vor die Augen hält, bekommt man einen Eindruck was die eingebauten Gläser der VR2 leisten müssen, um die Schärfe herzustellen. Von blossem Auge mag man bei den heutigen „Retina-Displays“ mit hoher Pixeldichte den einzelnen Bildpunkt nicht mehr erkennen. Die Linsen in der Gear VR2 machen diese jedoch wieder sichtbar. Zudem kann das Flackern des Bildes unangenehm sein. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist der „Blur“, den manche Buchstaben erzeugen, wenn am den Kopf bewegt.

Fazit

Virtual Reality-Brillen eröffnen ganz neue Möglichkeiten. Spiele, Filme, Reisebereichte oder Produktpräsentationen für das Homeshopping sind erst der Anfang. Hier werden wir in der nahen Zukunft einiges zu sehen bekommen.

Die Gear VR2 ist ein Zubehör zum Galaxy S6 / S6 Edge. Wenn man sie benutzt, ist man von vielen Smartphone-Funktionen abgeschottet. Eingehende Anrufe oder SMS werden zwar angezeigt, aber man kann nicht reagieren. Wer viel via Social Apps mit Freunden kommuniziert, ist dann ziemlich abgekapselt. Die gesellschaftlichen Folgen dieser neuen Form der Unterhaltung sind noch gar nicht abschätzbar, dafür müsste die Verbreitung von VR-Brillen einiges grösser werden. Aber wenn man sich die aktuellen Diskussionen um Smartphones und Tablets anschaut, ist es eigentlich klar, in welche Richtung sich die Kritik entwickeln wird.

Vieles steckt aber auch noch „in der Kinderschuhen“. Dies trifft auch auf die Gear VR2 zu, vor allem bezüglich Bildqualität und Tragekomfort. Das Bild ist noch zu wenig scharf und flackert noch zu häufig, was an einer zu niedrigen Bildwiederholungs-Rate liegt. Aber wenn man schaut, wie schnell sich die Display-Technik bei den Smartphones weiterentwickelt, werden wir auch hier bald Verbesserungen zu spüren bekommen.

Der Tragekomfort ist auch ein Punkt, wo man sich Verbesserungen wünschen kann. Es ist sicher aber auch nicht ganz einfach, eine Brille zu entwickeln, die auf alle Gesichtsformen genau gleich gut passt. Dasselbe gilt auch für die Anpassung an die unterschiedlichen Sehkorrekturen. Vielleicht entsteht hier ein Zusatzgeschäft für Optiker, die auf die Korrektur angepasste Linsen anbieten.

Wir haben unsere Ausflüge in die virtuelle Realität mit der Gear VR2 von Samsung sehr genossen. Die Immersion, also das Gefühl des Eintauchens ist wirklich sehr gut gelungen. Da können wir unsere Aufforderung vom Anfang nur wiederholen: Probiert es selber aus und sammelt Eure eigenen Eindrücke.

Mehr Infos zu technische Details und wo Ihr die Gear VR2 erwerben könnt, findet Ihr auf der Webseite von Samsung.


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