4K-Auflösung und HDR sorgen für eindrückliche Fernseh-Erlebnisse zu Hause. Den Samsung 8QF und damit unseren Einstieg in das UHD-Erlebnis haben wir in unserem ausführlichen Review ins Zentrum gestellt. Ein modernen Fernseher ist heute ein Bildschirm, der aus vielen verschiedenen Quellen Inhalte zugespielt bekommt. In weiteren Beiträgen in unserer 4K-Serie werden wir uns deshalb mit verschiedenen Zuspielgeräten wie dem Apple TV 4K oder der Xbox One X auseinandersetzen.


Quelle: Shutterstock

Um solche Zuspieler und auch zusätzliche Lautsprecher in ein Gesamt-Setup mit einem 4K-Fernseher zu integrieren, gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Wege: Entweder schliesst man alle Zuspieler direkt am Fernseher an oder man benutzt einen AV-Receiver.

Was ist ein Receiver?

Laut Wörterbuch steht “Receiver” ganz allgemein für “Empfänger”. Im Bereich der Unterhaltungselektronik gibt es verschiedene Geräte, die Signale empfangen: Das geht vom Tuner für Radio- und Fernsehsignale über Satellitenempfänger bis hin zu Set-Top-Boxen für den Empfang über Kabel.

In unserem Kontext versteht man unter dem Begriff “Receiver” ein Gerät, an das verschiedene Audio- und Videoquellen angeschlossen werden. Gängige Begriffe für diesen Geräte-Typ sind etwa “AV-Receiver” oder “Home Cinema Receiver”. Er splittet Bild- und Tonsignale und kann sie getrennt verarbeiten und weiterleiten.

Die Anforderungen an einen Receiver sind vielfältiger Natur, nicht zuletzt weil er in seiner Funktion als Schaltzentrale im Zusammenspiel mit einem 4K-Fernseher die verschiedensten Aufgaben erfüllen muss. Dies setzt voraus, dass er bezüglich Video- und Audiosignale bestimmte Standards und Technologien unterstützt, auch wenn ein Receiver in erster Linie für den Ton zuständig ist.

Um die verschiedenen Tonformate zu verarbeiten, verfügen Receiver über einen Digitalprozessor (DSP, Digital Signal Processing) sowie entsprechende Vorverstärker und Endstufen für jeden Audio-Ausgangskanal. Ebenfalls zur Grundausstattung gehören heute LAN / WLAN-Anschluss, Bluetooth, verschiedene Protokolle um Inhalte via den Receiver zu streamen (z.B. Spotify Connect, AirPlay, Miracast, Chromecast), die DLNA-Zertifizierung für die Verbindung mit Zuspielgeräten im Heimnetzzwerk sowie die Unterstützung von Streaming-Diensten (z.B. Spotify, Amazon Music, Tidal, Play Music, Deezer und andere).

Anschlussvielfalt

Eine grosse Auswahl an Anschlussmöglichkeiten ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Receivers. Wir haben hier die Rückseite des Pioneer VSX-LX303 abgebildet und zeigen an ihm exemplarisch, was es für Typen von Schnittstellen gibt.


Quelle: Pioneer

LAN / WLAN / USB / Bluetooth

  • LAN / WLAN: Anschluss ans Netzwerk. Für Nutzung von Streaming-Diensten, aber auch für Smartphone / Tablet-Apps als Fernbedienung oder Protokolle wie AirPlay
  • USB: Anschluss von Geräten um Musik abzuspielen, Chromecast
  • Bluetooth: Geräte verbinden für Streaming

Video-Anschlüsse (HDMI, Composite)

  • HDMI (In): Moderner Standard-Anschluss für Zuspielergeräte (für Video und Audio)
  • HDMI (Out): Videoausgang für Fernseher, manche Receiver verfügen über zwei HDMI-Ausgänge
  • Komposite Video (In): Anschluss von Analog-Geräten (nur Videosignal, für Audio siehe unten)

Audio-Anschlüsse

Für das Audiosignal stehen verschiedene Anschluss-Typen zur Verfügung: Koaxial, optisch, Chinch (weiss/rot)

Lautsprecher

Anschlüsse für Lautsprecher und Subwoofer. Beim hier gezeigten Modell kann man auch Bananen- oder Hohl-Stecker verwenden, um die Kabel anzuschliessen. Dazu muss man die Schutzkappen entfernen.

Antenne

Antennenschluss für Radio-Empfang

Control

Anschluss von Empfangssensoren, wenn Receiver keine Sichtverbindung zur Fernbedienung hat

Lautsprecher

Mit einem Receiver als Zentrale lässt sich zu Hause ein Klangerlebnis aufbauen, dass oft als “Heimkino” oder “Home Cinema” bezeichnet wird. Während der 4K-Fernseher für das optische Erlebnis zuständig ist, sind es die Lautsprecher die zusammen mit dem Receiver für das akustische Erleben zuständig sind.

Ähnlich wie den Receivern gibt es auch bei den Lautsprechern eine grosse Vielfalt an Modellen. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Grösse und Bauart sondern auch in ihrer Funktion. Wir wollen hier gar nicht erst versuchen, eine systematische Übersicht zu bieten, sondern legen im Folgenden unseren Schwerpunkt auf den Aufbau eines Home Cinema-Systems mit Surround Sound.

Wenn man Lautsprecher am Receiver anschliesst, muss man darauf achten, dass sie bezüglich Widerstand bzw. Impedanz (angegeben in Ohm) zueinander passen. Für das Befestigen der Lautsprecher-Kabel empfehlen wir an beiden Enden (Receiver und Lautsprecher-Box) Bananen- oder Hohl-Stecker zu verwenden.

HiFi-Lautsprecher oder Movie-Sets

Um ein Home Cinema-System aufzubauen, gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten. Man kann sich die benötigten Lautsprecher bzw. Lautsprecher-Paare separat erwerben oder greift auf ein Komplett-Set zurück, wie sie von verschiedenen Herstellern angeboten werden. Diese Set haben meist Bezeichnungen wie “Movie Set”, “Surround Set” oder “Home Cinema Set”.


Text. Quelle: Canton

Surround-Aufstellung

Wenn man ein Surround-System zu Hause aufstellt, orientiert man sich am Standort des Fernsehers (Bildquelle) und dem Ort, wo man sitzt (Hör- oder Sitz-Position).

Für ein Surround-System benötigt man im Minimum fünf Lautsprecher und einen speziellen konstruierten Tieftöner, auch Subwoofer genannt. Für ein solches System wird die Bezeichnung 5.1 verwendet. Und um gleich ein Missverständnis zu vermeiden: Angaben wie 5.1 oder 7.1 geben nur die Anzahl Lautsprecher wieder, die zum Einsatz kommen, sie sind keine Bezeichnungen für ein Audio-Format. Auf diese gehen wir in einem separaten Kapitel weiter unten ein.


5.1 Setup. Quelle: Dolby Laboratories


7.1 Setup. Quelle: Dolby Laboratories

Moderne Audio-Formate setzen auch Lautsprecher an der Decke voraus, oder nutzen die Decke um den Ton nach unten zu reflektieren. Um dies auszudrücken, wird eine dritte Ziffer angehängt, zum Beispiel 7.1.4.


7.1.4 Setup. Quelle: Dolby Laboratories

Anstatt Lautsprecher an die Decke zu montieren, gibt es auch die Systeme, welche den Klang an die Decke strahlen um diesen von dort reflektieren zu lassen.


7.1.4 Setup, die Decke wird benutzt um den Klang zu reflektieren. Quelle: Dolby Laboratories

Die Angaben für die Anzahl Lautsprecher sind also wie folgt aufgebaut: Hauptlautsprecher.Subwoofer.Deckenlautsprecher.

Aufgaben der einzelnen Lautsprecher

In einem Sound-System haben die einzelnen Lautsprecher auf ihren Positionen verschiedene Aufgaben. Wir wollen diese hier kurz erläutern und orientieren uns dabei an den Begriffen wie sie vom Unternehmen Dolby Laboratories verwendet werden.

  • Front: Die vorderen linken und rechten Lautsprecher geben die meisten Musik- und Toneffekte in einem Soundtrack wieder. Sie werden aber auch für den Dialog verwendet, wenn sich die Stimmen nach links oder rechts auf dem Bildschirm bewegen.
  • Center-Lautsprecher: Er wird mittig zur Bildquelle aufgestellt und ist vor allem für die Sprachwiedergabe zuständig. Indem auf seinem Kanal gesprochene Dialoge hervorgehoben werden, sind die gesprochenen Worte der Schauspieler besser verständlich gegenüber Geräuschen und Musik.
  • Subwoofer: Diese Lautsprecher-Box ist allein für die tiefen Töne zuständig. Da das menschliche Ohr tiefe Töne nur schwer präzise orten kann, kann man einen Subwoofer recht frei im Raum platzieren.
  • Surround: Sie sind hauptsächlich für die Wiedergabe der Surround-Musik und -Effekte verantwortlich und erzeugen damit ein möglichst natürliches Klanggefühl im Raum. Bei einem 5.1-System werden sie hinter der Sitzposition aufgestellt, bei einem 7.1-System direkt seitlich.
  • Back: Sie verstärken das Raumklang-Erlebnis, indem sie Soundeffekte für den Hörer noch präziser lokalisierbar machen .
  • Overhead: Die Deckenlautsprecher machen das Eintauchen in das Raumklang-Erlebnis noch intensiver, in sie die Surround-Musik und -Effekte wiedergeben, die von oben kommen sollen, zum Beispiel ein Helikopter der auf dem Bildschirm über die Köpfe der Darsteller hinweg fliegt. Auch Deckenlautsprecher werden immer paarweise installiert (links / rechts).

Einmess-Systeme vom Receiver

Wenn man die Lautsprecher für ein Surround-System aufstellt, muss man sich nicht nur mit der Grösse des Raums und der Distanz zur Sitzposition sondern auch mit Möbeln und anderen Einrichtungselementen auseinandersetzen. Sie alle haben eine Auswirkung darauf, wie sich der Schall im Raum ausbreiten kann. Dies wiederum beeinflusst unter Umständen das Klangbild. In einer Wohnung wird man kaum darum herum kommen, Kompromisse bei der Platzierung der Lautsprecher einzugehen.

Deshalb verfügen AV-Receiver über so genannte Einmess-Systeme. Mit ihm analysiert der Receiver die Aufstellung der Lautsprecher und passt die Signalstärke für die einzelnen Lautsprecher darauf an. Damit soll dem Hörer der bestmögliche Klang geboten werden – beispielsweise soll ein Konzert, dass in einem bestimmten Raum aufgenommen wurde, auch mit genau denselben Klangcharakteristiken wiedergegeben werden können.

Mitgeliefert wird dazu je nach Modell ein passendes Mikrofon, das im Raum an der Hörposition platziert wird. Es gibt auch Systeme, die mit mehreren Messpunkten arbeiten. Manche Hersteller liefern einen Aufsteller aus Pappe mit, andere empfehlen ein einfaches Fotostativ zu verwenden. Je nach Hersteller und Modell kann der Prozess des Einmessens etwas anders ablaufen, ein Blick in die Bedienungsanleitung sollte hierzu Klarheit verschaffen.

Wenn der Receiver an einen Fernseher angeschlossen ist, führt er den Anwender mit einer Schritt-für-Schritt Anleitung durch den ganzen Prozess. Während der Messung sollte man sich nicht im Raum befinden, auf gar keinen Fall sollte man zwischen den Lautsprechern und dem Mikrofon stehen, da dies die Raumakustik – und damit die Messung des Receivers – zu sehr verfälschen würde. Es empfiehlt sich, potentielle Störgeräusche wie einen Ventilator auszuschalten. Das Mess-Programm besteht aus einer Reihe von Pfeif- und Rauschtönen aus jedem Lautsprecher, die über das ganze Frequenzspektrum gehen.

Die Messungen verraten dem Receiver, wie weit jeder einzelne Lautsprecher vom Hörplatz entfernt ist und welchen Frequenzbereich er beherrscht.

Audio-Formate

Wenn man sich einen Film oder eine Fernsehserie auf UHD Blu-ray oder Blu-ray Disc kauft, stellt man fest, dass oft Originalton und Synchron-Fassungen in unterschiedlichen Audioformaten verfügbar sind.

Beim unten abgebildeten Beispiel sind dies Dolby Atmos für den Originalton in Englisch und Dolby Digital Plus für die anderen Sprachen.

Ein Receiver muss viele verschiedene Audio-Formate beherrschen – nur dann kann man den vollen Klanggenuss von der Disc auch zu Hause geniessen. Es lohnt sich also beim Receiver immer darauf zu achten, dass er die gängigen Audioformate unterstützt. Das erkennt man schnell an den Logos, die auf der Schachtel aufgedruckt sind, die Details findet man dann in den technischen Spezifikationen. Bei manchen Audioformaten kann es zudem sein, dass man eine gewisse Mindestzahl an Lautsprechern an bestimmten Positionen im Raum benötigt.

Das gilt insbesondere für Formate wie Dolby Atmos und DTS:X, die zu den so genannten “3D-Formaten” gehören. Sie erweitern den Surround Sound um Lautsprecher an der Decke und verstärken damit das räumliche Erleben von Sound-Effekten. Neben Dolby Atmos und DTS:X gehören auch Formate wie Auro-3D und Audyssey DSX zur Gruppe der 3D-Audioformate.

Bei den reinen Surround-Formaten lohnt sich die Unterscheidung zwischen komprimierten und unkomprimierten Audioformaten. Unkomprimierte Formate bieten einen grösseren Umfang an Dynamik, benötigen aber bei der Übertragung auch mehr Bandbreite. Deshalb werden von den Streaming-Diensten die komprimierten Formaten bevorzugt.

Unkomprimierte Surround Sound-Formate:

  • Dolby TrueHD
  • DTS-HD / DTS-HD Master Audio

Komprimierte Surround Sound-Formate:

  • Dolby Digital (AC-3)
  • Dolby Digital Plus
  • DTS

3D-Audioformate:

  • Dolby Atmos
  • DTS:X
  • Auro-3D
  • Audyssey DSX

Video-Formate

Die wichtigste Eigenschaft eines Receivers beim Thema Video ist das so genannte “Pass Through”, also die reine Durch- oder Weiterleitung des Bildsignals. Damit jedoch die 4K-Inhalte – zum Beispiel beim Abspielen einer UHD Blu-ray Disc – in vollem Umfang zum Fernseher gelangen, muss auch der Receiver ein paar Anforderungen erfüllen.

Viel hängt von den HDMI-Schnittstellen ab. Erst ab Version 2.0 kann HDMI die Bildsignale in 4K-Auflösung und 60 Hz übertragen. Bei HDMI 1.4 liegt die Obergrenze bei 30 Hz, was ein weniger ruhiges Bild bedeutet. Aber auch bei den vorherrschenden HDR Standards (HDR10 / HDR10+ / Dolby Vision) muss man aufpassen. HDR10-Signale können erst ab HDMI 2.0a übertragen werden. Bei Dolby Vision muss der Receiver das Format verstehen, um es durchleiten zu können. Hier lohnt es sich also in den technischen Spezifikationen genau hinzuschauen, welche HDR-Formate ein Receiver unterstützt. Und was für die Schnittstellen gilt, trifft auch auf die verwendeten HDMI-Kabel zu. Auch sie müssen für den 2.0-Standard erfüllen.

Für die Wiedergabe von HRD-Effekten gibt es aktuell keinen einheitlichen Standard, die Formate sind untereinander auch nicht kompatibel.

System zusammenstellen

Bei Receivern gibt es eine sehr breite Modell-Palette von günstigen Einsteiger-Modellen bis hin zu High End-Fabrikaten. Zudem hat jeder Hersteller seine eigene Klangcharakteristik, wobei es auch hier je nach Modell-Linie oder Geräte-Klasse Unterschiede gibt. Für das Klangbild spielen natürlich auch die Lautsprecher eine Rolle.

Es lohnt sich also vor der Anschaffung eines Receivers sich sehr gut zu informieren und zu wissen, was man sich zu Hause aufbauen will. Denn zu einem kompletten 4K Home Cinema gehören ausser dem Receiver so einige Elemente, die am Schluss zusammenpassen müssen:

  • Receiver
  • Fernseher
  • Lautsprecher
  • Zuspielgeräte

Beim Fernseher sollte man beachten, dass er die gängigen HDR-Formate beherrscht. Beim Budgetieren darf man die Kabel für die Lautsprecher und die HDMI-Kabel für das Anschliessen von Geräten am Receiver nicht vergessen. Auch das Aufstellen der Lautsprecher kann Kosten für beispielsweise Ständer, Wandmontage und Kabelführungen nach sich ziehen. Eine Faustregel, die man in Foren immer wieder liest, sieht 30 Prozent eines Budgets für den Receiver und 70 Prozent für die Lautsprecher vor. Die Regel bringt zum Ausdruck, dass Lautsprecher eine längere Lebensdauer haben als ein Receiver und sie massgeblich für den Klang verantwortlich sind.

Ausblick

In den nächsten Beiträgen in unserer 4K-Serie gehen wir auf das Zusammenspiel mit verschiedene Zuspielergeräten und Inhalte-Quellen ein.


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