Autor: Archangel

Wer diese Kolumne regelmässig liest, weiss dass ich dem linearen Fernsehen sehr kritisch gegenüberstehe. Und ich bin damit auch nicht alleine, immer mehr Leute schauen ihre Serien und Filme lieber via Streaming- und OnDemand-Dienste. Aber manchmal kommt auch einer wie ich nicht um das Programm der “linearen” herum – gerade wenn es um News geht. Immerhin schaue dann bevorzugt via die App von Teleboy auf dem Apple TV. Der grosse Vorteil: da kann man direkt in die gewünschte Sendung reinspringen, auch wenn diese schon angefangen hat und die lästige Werbung muss man auch nicht über sich ergehen lassen.


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Doch mit dieser Herrlichkeit soll nun auch in der Schweiz bald Schluss sein, wie der Stiftung für Konsumentenschutz heute in einer Mitteilung schreibt.

Nun sind im Parlament Bestrebungen im Gange, diese bei der Bevölkerung sehr beliebte Art des zeitversetzten TV-Konsums grundlegend zu verändern und für den Konsumenten zu verteuern… Seit Jahren gehört die Möglichkeit, sich Fernsehprogramme zu einem späteren Zeitpunkt anzuschauen, zum standardmässigen TV-Konsumverhalten. Klammheimlich sind parlamentarische Bemühungen im Gange, dem beliebten Replay-TV auf Gesetzebene einen Riegel zu schieben. Im Rahmen der Revision Fernmeldegesetz (FMG) berät die zuständige Kommission des Nationalrats in diesen Tagen über eine entsprechende Gesetzesänderung: Zeitversetztes Fernsehen mit Spulfunktionen für Werbeblöcke soll nur noch mit Zustimmung des Veranstalters (beispielsweise der SRG oder einem Regionalfernsehen) möglich sein. (Quelle: Medienmitteilung Konsumentenschutz)

Das Hauptargument der Gegner der Replay-Möglichkeit sind die angeblich einbrechenden Werbeeinnahmen, wenn immer mehr Zuschauer die Werbung bewusst überspringen. Die Stiftung für Konsumentenschutz sieht zwei Probleme auf den Schweizer Fernsehmarkt zukommen: Da die Konditionen für Replay direkt mit Veranstaltern wie der SRG ausgehandelt werden müssten, ist zu befürchten, dass nur die grossen Telekommunikations-Unternehmen die finanziellen Mittel dafür aufbringen um sich von den Sendern die Rechte zu erkaufen. Anbieter wie Zattoo, Wilmaa oder Teleboy würden vermutlich vom Markt verschwinden. Zudem wird ein Preisanstieg befürchtet, da die Zusatzkosten für das Replay dem Zuschauer überwälzt würden.


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Wie in der Schweizer “Medienpolitik” in letzter Zeit üblich, will die Politik per Gesetz den Zuschauern ein bestimmtes Seh-Verhalten aufdrücken, dass sich primär an den Bedürfnissen der Lobby der Programm-Veranstalter orientiert und nicht an den modernen Gewohnheiten der Konsumenten. Dieses Vorgehen mag über Jahrzehnte funktioniert haben, nur ist heute das mediale Angebot so gross, dass man Zuschauer immer weniger zwingend auf die linearen Programme angewiesen ist.

Wenn man so will, forciert die Politik mit solchen gesetzlichen Vorhaben geradezu eine Abwanderung der Zuschauer. Und damit befeuert sie auch den weiteren Untergang des linearen Fernsehens und der SRG, welche doch angeblich so wichtig ist für den Landeszusammenhalt und das Bestehen der Schweiz überhaupt.

Zurück in die Steinzeit scheint hier also das Motto zu sein. Wer jetzt noch einen guten alten VHS-Rekorder stehen hat, könnte bald im Vorteil sein, falls dieser noch einsatzbereit ist. Mit ihm wäre das Vorspulen bei aufgezeichneten Sendungen ohne Probleme möglich.


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