Autor: Archangel

Der dunkle Ritter ist wieder da. Viele Leute – inklusive Monk-Trader aus unserem Team – haben sich auf den dritten und letzten Teil der Trilogie gefreut. Die Story ist typisch Rocksteady und geht nahtlos vom letzten Teil weiter. Doch anstatt die Flügel auszubreiten und durch Gotham zu segeln, kann die Fledermaus nur krampfhaft flattern und wurde –zumindest für den PC – erstmal zurück in den Batcave beordert.

Kein grosser Spiele-Launch kommt ganz ohne Störgeräusche aus, aber was sich Rocksteady als Studio und Warner Bros. Interactive als verantwortlicher Publisher mit „Batman Arkham Knight“ leisten, ist schon etwas ganz besonders – im negativen Sinne. Am 23. Juni kam das Spiel für Xbox One, PS4 und Windows den PC in Handel. Es ging genau zwei Tage, bis der Verkauf der digitalen Version des Spiels für den PC auf Steam eingestellt wurde. Aktuell können auch im Handel gekaufte Spiele nicht via Steam aktiviert werden.

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Quelle: Steam

Für einen grossen Titel wie Batman Arkham ist das ein komplettes Desaster – Rocksteady hat es tatsächlich geschafft, innert weniger Tage viele seiner Kunden zu enttäuschen und einen medialen Shitstorm in Online-Medien und Foren auszulösen, wie man es bei einem Spielelaunch nur selten gesehen hat. Klar bemüht sich das Studio die technischen Probleme rund um die PC Edition so schnell wie möglich zu lösen, aber auch damit schafft er es nicht wirklich, die erhitzen Gemüter zu besänftigen. Und die ganzen Probleme rund um die PC-Edition überschatten natürlich auch die allgemeine Berichterstattung über das Spiel an sich – Reviews zum Gameplay und Story gehen in Diskussionen um Frameraten und fehlende Texturen beinahe unter.

Probleme schon beim Start

Schon unmittelbar beim Launch wusste Rocksteady, dass es Performance-Probleme mit Batman Arkham Knight gab und veröffentlichte ein Statement im Forum von Steam, in dem angepasste Minimalanforderungen an die Hardware bekannt gegeben wurden.

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Quelle: Screenshot steamcommunity.com

Für AMD wie auch NVIDIA-Grafikkarten gab es noch am ersten Tag Treiber-Updates um einige der Performance-Probleme zu lösen.

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Quelle: Screenshot steamcommunity.com

Von Seiten der Spieler gibt es ein paar Hauptkritikpunkte, die golem.de so zusammengefasst hat:

Arkham Knight hat selbst auf leistungsstarken PCs mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Und zwar weitgehend unabhängig davon, ob die mit einer Grafikkarte von AMD oder von Nvidia ausgestattet sind, und trotz neuer Treiber speziell für den Titel. Viele PC-Spieler sind zudem sauer, dass die Bildrate nur mit einem Trick über die vom Programm festgesetzte Beschränkung von 30 fps erhöht werden kann – die Entwickler raten ausdrücklich davon ab. Außerdem fehlen einige Grafikeffekte aus den Konsolenversionen und wird GPU-PhysX aktiviert, läuft das Spiel unter D3D10 statt mit der D3D11-Grafikschnittstelle. (Quelle: golem.de)

Die massive Performance-Einbrüche, Abstürze und Standbilder beim Spielen könnten unter anderem auch damit zu tun haben, dass das Studio Rocksteady für die Portierung des Spiels auf die PC-Version gar nicht zuständig war, sondern an ein anderes Studio ausgelagert wurde, bei dem angeblich nur 12 Leute mit Arkham Knight beschäftigt waren. In einem Statement auf WB Play hat Rocksteady dies auch offiziell bestätigt.

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Quelle: Screenhot community.wbgames.com

Der verständliche Frust der Spieler trifft aber auch weitere Firmen. So holt sich NVIDIA, die auch ihren Grafikkarten GeForce GTX 970 und GTX 980 einen Gutschein-Code für das Spiel beilegten, für einen Promo-Trailer eine blutige Nase.

Der Shitstorm um die PC-Version von Batman: Arkham Knight tobt derweil weiter. Einige Spieler bezichtigen nun Chip-Hesteller Nvidia der Lüge. Grund hierfür ist ein Promo-Video zum Action-Adventure, das die GameWorks-Features verdeutlicht. Im besagten Clip sind Spielszenen in 60 fps und Texturen in Ultra-Qualität zu sehen. In der fertigen Verkaufsversion ist die Framerate jedoch auf 30 festgezurrt. (Quelle: pcgames.de)

Ebenfalls viel zu reden geben die fehlenden optischen Effekte in der PC-Version im Vergleich zu den Konsolen-Versionen. Im Internet kursieren zahlreiche Vergleichs-Videos und Bilder. Hier ein Screenshot, der PC und PS4 gegenüberstellt.

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Wer will kann auf diesen Foren Diskussionen, Kritik und Statements der Macher mitverfolgen:

Rückzug der PC-Version

Angesichts all der Probleme und der massiven Kritik, die dem Spiel in der Medienberichterstattung und in zahlreichen Communities entgegenschlug, zog man zwei Tage nach der Veröffentlichung den Stecker und stellte den Vertrieb via Steam per sofort ein. Kunden wurden auf die Refund-Möglichkeiten via Steam hingewiesen. Auch im Handel gekaufte Spiele könnten zurück gegeben werden.

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Quelle: Screenshot steamcommunity.com

Bei Steam ist das Spiel immer noch im Store, kann aber nicht heruntergeladen werden:

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Quelle: Screenshot Steam

Weitere Kreise

Auch auf metacritic.com ist Batman Arkham Knight buchstäblich abgestürzt. Klar unterschieden wird hier zwischen der PC-Version und den beiden Konsolen-Versionen. Am höchsten liegt der „Metascore“ für die PS4 Edition und es gibt rund drei Mal mehr positive Userreviews (166) als negative (53).

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Quelle: Screenshot metacritic.com (30.06.2015)

Bei den Wertungen für die Xbox One-Edition sieht es sehr ähnlich aus:

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Quelle: Screenshot metacritic.com (30.06.2015)

Wenn man dann die PC-Version anschaut, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Der „Metascore“ liegt nur bei 62 und es gibt fast acht Mal so viel negative Userreviews (347) wie positive (45).

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Quelle: Screenshot metacritic.com (30.06.2015)

Probleme gibt es aber nicht nur mit der Programmierung des Spiels, sondern auch ganz real: Ein paar Tage vor der Spielveröffentlichung wurde bekannt, dass die sogenannte „Batmobil Edition“ nicht erscheinen wird. Sie hätte unter anderem eine „transformierbare Batmobil-Statue“ enthalten sollen, der Preis war bei rund 199 Euro angesetzt. Mit dem Hinweis auf Qualitätsprobleme als Begründung wurde jedoch noch vor der Auslieferung ein Schlussstrich gezogen. Vor allem diejenige, welche die Edition bereits vorbestellt hatten, waren bitter enttäuscht.

Die Berichte über die Probleme mit Batman Arkham Knight und den Rückzug haben unterdessen die Spieler-Foren und -Newsseiten schon längst verlassen. Damit wird natürlich der Schaden für Rocksteady und auch für die gesamte Batman Arkham-Reihe natürlich noch ein Stück grösser.

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Quelle: Screenshot spiegel.de

Der Handel hat sehr unterschiedlich reagiert auf die Einstellung des Vertriebs via Steam. Bei Amazon kann man aktuell das Spiel in der PC-Version nicht kaufen, bei anderen Händlern wie dem Schweizer WoG.ch ist es weiterhin im Handel. Auf Anfrage hat man uns mitgeteilt, unzufriedene Kunden könnten Spiele, auch wenn sie geöffnet sind, retournieren. Allerdings halten sich die Kundenreklamationen wegen Batman Arkham Knight sehr im Rahmen.

Wie weiter?

Am 27. Juni wurde ein erster Patch veröffentlicht, wobei böse Zungen behaupten, die PC-Edition von Batman Arkham Knight wird nie wirklich spielbar sein, da die Probleme zu tiefgründig seien.

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Quelle: Screenshot steamcommunity.com

Auch der neue Patch wird rege diskutiert, hat aber auch offensichtlich ein paar erste Verbesserungen gebracht. Auch die Frage einer möglichen Kompensation ist noch nicht abschliessend geklärt.

In den Foren melden einige User bereits Verbesserungen bei Batman Arkham Knight. Allerdings dürfte klar sein, dass das Action-Spiel noch einige Patches benötigt, bis die ganzen Probleme ausgemerzt wurden. (Quelle: pcgameshardware.de)

Schaut man via Google, erscheinen immer noch fast stündlich neue Beiträge zum Thema. Für Rocksteady und Warner Bros. Interactive wird der Alltag so schnell nicht wieder einkehren. Es wird schwer bis unmöglich sein, den schlechten Ruf den Batman Arkham Knight sich mit diesem Start eingefahren hat, wieder vergessen zu machen. Klar muss der Publisher nachbessern, da geht es schlussendlich auch um juristische Fragen. Aber das Ansehen der Batman Arkham-Reihe hat eine Dämpfer erhalten – und dabei sind wir auf Gameplay oder Storyelemente gar nicht eingegangen.

Die Entwickler, die jetzt Nachbesserungen liefern müssen, können einem nur leidtun. Warum die PC-Edition von Batman Arkham Knight mit derartigen Mängeln auf den Markt gekommen ist, ist von aussen nur schwer zu beurteilen. Deadlines werden sicher eine Rolle gespielt haben – versagt hat aber auch eine interne Qualitätskontrolle während der gesamten Entwicklung. Sonst bleibt wirklich der schale Eindruck vom Kunden als Beta-Tester zurück, wobei das für Rocksteady und Warner Bros. Interactive ein ziemliches Eigentor ist.


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