Smartwatches sind keine Erfindung der letzten paar Jahre. Programmierbare Uhren gab es schon seit den 1980er Jahren und in der Pop-Kultur sind den Fähigkeiten von tragbaren Gadgets aller Art sowieso keine Grenzen gesetzt. Schauen wir uns also hier die fiktiven und realen Vorläufer der modernen Smartwatches an.

Vorbilder Pop-Kultur

Im vorangegangen Artikel haben wir die erste Armbanduhr mit digitaler Anzeige erwähnt, die von Roger Moore im Bond-Film „Live and Let Die“ getragen wurde. Der britische Geheimagent James Bond 007 ist ja für seine trickreichen technischen Gadgets bekannt. Schon der Romanautor und Bond-Schöpfer Ian Fleming beschrieb seinen Agenten als einen Mann mit Uhr, genauer mit einer Rolex Oyster Perpetual. Im ersten Kino-Film trug Bond – damals gespielt von Sean Connery – dann auch eine Rolex.

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Sean Connery mit Rolex und Ursula Andress im Film Dr. No. Quelle: watchtime.net

Bond kann man durchaus als markentreuen Kunden bezeichnen, blieb der doch über 30 Jahre bis auf wenige Ausnahmen der Marke Rolex treu. Seit 1995 ist sein Handgelenk fest in der Hand von Omega. Bei den Autos waren Aston Martin, Lotus und BMW die wichtigsten Marken in der über 50jährigen Geschichte von Bond. Nur bei den Frauen ist Bond noch wechselfreudiger…  Die erste Armbanduhr mit bondmässigen Zusatzfunktionen tauchte übrigens im Film „Thunderball“ aus dem Jahre 1965 auf. Sie verfügte über einen Geigerzähler, mit dem Bond die Radioaktivität der Umgebung messen konnte.

Die Bond-Filme sind für die Uhrenhersteller eine geschätzte Werbeplattform. Denn meistens wurden reale Uhren verwendet, die dann von den Drehbuchautoren zusätzliche Funktionen angedichtet bekamen. Im Film wurde es dann jeweils so dargestellt, dass diese vom Waffenmeister Q entwickelt worden waren, ohne dessen Erfindungen Bond wohl kaum so lange am Leben geblieben wäre. Zum aktuellen Film „Spectre“ hat Omega eine James Bond Limited Edition herausgebracht, die Seamaster Aqua Terra 150M.

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Omega Seamaster Aqua Terra 150. Quelle: watchtime.net

Die Uhren der Bond-Filme besassen unter anderem eine Motorsäge, einen Fernzünder für Bomben oder eine Laserstrahl – alles was man als Geheimagent halt so braucht. Nur eine Funktion tauchte nie auf – nämlich die Uhr wie ein Telefon oder Funkgerät auch zum Sprechen zu benutzen. Dafür gibt es genügend andere Vorbilder: Der aus einem Comic-Strip bekannte Detektiv Dick Tracy verwendete seit den 1940er Jahren eine Armbanduhr, die auch gleichzeitig ein Funkgerät war.

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Quelle: uswitch.com

Ebenfalls mit seiner Uhr sprechen konnte Micheal Knight aus der TV-Serie „Knight Rider“, die mit dem Darsteller David Hasselhoff in der 1980er Jahren populär war. Das ist aber nicht weiter erstaunlich, schliesslich verfügte er mit KITT auch über ein Auto, das sich selber ohne Lenker im Verkehr bewegen konnte und mit dem Bordcomputer eine eigene Persönlichkeit und Intelligenz besass. So gesehen, hat die Serie auch gleich den Smartcar vorweggenommen. Das autonome Fahren wird heute ja bereits erprobt.

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Michael Knight in Action. Quelle: wearabletechnolo.gy

Auch eine andere Fernsehserie hat für die Art und Weise wie wir kommunizieren, die Grundsteine gelegt. Ihr erinnert Euch sicher noch an die Klapp-Handys wie etwa das Star Tac von Motorola?

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Motorola StarTAC. Quelle: retrofones.com

Aufklappen und Sprechen konnte schon Captain Kirk mit seinem Kommunikator in den sechsziger Jahren als Kommandant der USS Enterprise in „Star Trek“.

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Quelle: filmscoremonthly.com

Einen kompletten Computer am Handgelenk oder besser am Unterarm hat man in der Spielserie „Fallout“. Der so genannte „Pip-Boy“ kann unter anderem Karten und Objekteigenschaften anzeigen, Notizen speichern und hat einen eingebauten Geigerzähler.

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Der Pipboy 3000. Quelle: de.fallout.wikia.com

In der Special Edition von Fallout 4 war eine Replik eines Pip-Boy dabei. Als Bildschirm konnte man – je nach Grösse – das eigene Smartphone in die Halterung einschieben. Via App kann man dann Daten aus dem eigenen Spiel anzeigen, was einer netten Verschmelzung von Fiktion und Realität gleichkommt.

Diese kleine Aufzählung von Beispielen aus der Pop-Kultur könnte man noch eine ganze Weile fortsetzen, allein schon wenn man sich die Menge an Science Fiction-Filmen und -Literatur vor Augen führt. Die Vorstellung, dass man mit einem Gerät am Handgelenk mehr anzeigen kann als nur die Zeit, ist natürlich nicht Fiktion geblieben. Manche imaginären Funktionen sind heute mit Smartwatches Wirklichkeit, wobei die Annäherung von Computer und Uhr schon viel früher angefangen hat. Werfen wir im nächsten Kapitel einen Blick auf die Vorläufer der Smartwatch.

Pre-Smartwatches

Im vorangegangen Beitrag haben wir die Pulsar von der Hamilton Watch Company erwähnt. Sie war anfangs 1970er Jahre die erste Uhr mit digitaler Anzeige. Das Unternehmen wurde später von Seiko gekauft. Die Seiko Pulsar NL C01, welche 1982 auf den Markt kam, enthielt einen kleinen programmierbaren internen Speicher und war damit die erste Uhr, die von ihrem Besitzer programmiert werden konnte. Ein Jahr später lancierte Seiko die Data 2000, die sich via eine externe Tastatur programmieren liess und 2000 Zeichen speichern konnte. Unter anderem war es die Erfindung des Mikroprozessors anfangs der 70er Jahre, welche den Bau solcher Uhren möglich machte.

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Seiko Data 2000. Quelle: research.microsoft.com

Weiter ist Seiko auch bekannt für das RC-1000 Wrist Terminal, eine Uhr die mit aktuellen Computern verbunden werden konnte, wie etwa dem Apple II oder einem IBM PC. Der RC-20 Wrist Computer besass sogar die Fähigkeiten Notizen und Termine zu speichern, das Display war berührungsempfindlich. Ebenfalls berühmt wurde Casio in den 1980er Jahren für seine Taschenrechner-Uhren.

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Quelle: de.casio-shop.eu

Die Timex Datalink stellt ebenfalls einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der frühen Smartwatches dar. Auch sie konnte Informationen von einem Computer übernehmen und wurde von Microsoft miteinwickelt. Sie wurde als Alternative zu den PDA’s der 1990er Jahre positioniert.

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Quelle: cnet.com

Die Entwicklung schritt auf diesen Grundlagen immer schneller voran. Sogar Linux wurde als Betriebssystem auf einer Uhr eingesetzt: Der kanadische Forscher und Entwickler Steve Mann, der von Manchen als “ father of wearable computing“ bezeichnet wird, stellte 1998 die erste Linux-betriebene Armbanduhr vor.

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Quelle: linuxjournal.com

Diese Idee wurde von anderen aufgegriffen, so folgte IBM zwei Jahre später mit einem eigenen Modell. Auch die Idee, direkt am Handgelenk telefonieren zu können, wurde in die Tat umgesetzt. Im Jahre 1999 stellte Samsung das unten abgebildete Modell vor. Es kombinierte eine elektronische Uhr mit einem Mobiltelefon. Das SPH-WP10 wog rund 50 Gramm und war etwa zwei Zentimeter dick. Samsung war damit jedoch der Zeit voraus.

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Samsung SPH-WP10. Quelle: theverge.com

Wenn wir die oben gezeigten Modelle zusammenfassen, waren eigentlich schon Ende der 1990er Jahre alle grundlegenden Funktionen einer heutigen Smartwatch vom einen oder anderen Hersteller schon einmal gebaut worden: Programmierbarkeit, Speicherung von Informationen wie Kalender oder Notizen oder eben das Telefonieren. Trotzdem kam der Markt für Smartwatches erst Jahre später so richtig in die Gänge.

Machen wir einen kleinen Schritt nach vorne ins Jahr 2013: Einige Unternehmen hatten bereits eine Smartwatch auf den Markt gebracht oder befanden sich in der Entwicklungsphase eigener Produkte: Die Pebble Smartwatch war als ehemaliges Kickstarter-Projekt bereits im Verkauf und im Herbst stellte Samsung seine Galaxy Gear vor, die wir auch hier im Blog vorgestellt haben.

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Pebble Classic. Quelle: pebble.com

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Samsung Galaxy Gear

Kurz nach Jahresende versuchte Google mit Android Wear einen Standard für die neue Geräte-Kategorie zu etablieren. Das Betriebssystem war eine angepasste Variante von Android. Aktuell setzen unter anderem Asus, Sony, LG und Huawei auf Android Wear für ihre Smartwatch-Modelle. Auch im folgenden Jahr gab es einiges an Bewegung im wachsenden Smartphone-Markt. Mit der Moto 360 stellte Motorola die erste runde Smartwatch vor und im September desselben Jahres präsentierte Apple die iWatch.

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Quelle: Shutterstock

In unserer Serie zur Geschichte der Uhren haben wir den Bogen von den Sonnenuhren aus dem alten Ägypten bis hin zu den Quarz- und Digital-Uhren sowie den Smartwatches der Gegenwart geschlagen. Uhren sind dabei immer ein faszinierendes Wunderwerk der Technik auf engstem Raum, unabhängig von der Zeitepoche in der sie gebaut wurden.

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Aber Uhren üben nicht nur eine Faszination aus, sie sind auch hochemotional und strahlen viel Individualität aus. Eine Uhr sagt viel über den Charakter ihres Besitzers aus. In einer Uhr treffen Emotionen auf technische Präzision und Faszination für Technik auf Funktionalität. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Uhren – für manche sind sie bloss nützliche Geräte um die Zeit abzulesen, andere sind von der Mechanik der Zahnräder fasziniert oder finden es spannend alle Funktionen einer digitalen Smartwatch durchzuprobieren.

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Quelle: Shutterstock

An einer Uhr gibt es viele Elemente, die einen in den Bann ziehen können: Der bekannte Name des Herstellers oder Uhrmachers, das Zifferblatt, die Verzierungen am Gehäuse oder die verschiedenen Antriebstechniken. Bei einem Uhrwerk ist es faszinierend zu sehen, wie viele kleine Einzelteile präzise einander greifen und das leblose Metall scheinbar zum Leben erwecken. Nicht von ungefähr gibt es die Redewendung „wie ein Uhrwerk“ um präzises und reibungsloses Funktionieren zu beschreiben.

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Quelle: Shutterstock

Was das Design einer Uhr angeht, sind den Herstellern kaum Grenzen gesetzt. Es gibt prunkvoll verzierte Grossuhren zum Aufstellen oder diamantbesetzte Armbanduhren, die man besser im Tresor lagert. Hochwertige Uhren werden vom Uhrmacher in Handarbeit buchstäblich unter dem Vergrösserungsglas gefertigt. Objekte wie etwa die „Starfleet Machine“ aus der M.A.D.Gallery  von MB&F zeigen was entstehen kann, wenn man Leidenschaft und Kunsthandwerk miteinander verbindet.

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Die Uhr ist der Raumstation „Deep Space Nine“ aus Star Trek nachempfunden. Quelle: MB&F

Hier geht es um mehr, als einfach nur die Zeit anzuzeigen. Die „Starfleet Machine“ ist der Raumstation „Deep Space Nine“ aus der Fernsehserie „Star Trek: Deep Space Nine“ nachempfunden. Für Fans der Serie ist dies ein absoluter Hochgenuss: In der Mitte, wo die Kommandozentrale angesiedelt ist, sitzt hier ein mechanisches Uhrwerk mit vielen Feinheiten und Details wie der kleinen Parabolantenne. Wer möchte hier nicht mit der Lupe alles genau untersuchen und entdecken?

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Das Uhrwerk der „Starfleet Machine“. Quelle: MB&F

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Armbanduhr Modell „Horological Machine Nr.3 Megawind“. Quelle: MB&F

Aus allen Elementen die eine Uhr ausmachen, entsteht etwas das Sammler, Liebhaber und Investoren begeistert. Hochwertige Uhren sind auch eine Wertanlage und stehen für Langlebigkeit. Eine Uhr kann aber auch einen persönlichen Wert haben, zum Beispiel wenn sie in einer Familie über mehrere Generationen hinweg vererbt wird.

Auf der jährlichen Messe „Basel World“, der international grössten Veranstaltung der Uhren- und Schmuckhersteller, treffen sich alle Anbieter und Händler mit Rang und Namen.

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Impression von der Basel World 2015. Quelle: baselworld.com

Auch bei den zahllosen Uhrenmodellen lässt sich über Geschmack sicher streiten, was Kitsch oder Kunst ist, liegt immer im Auge des Betrachters. Eines tut eine Uhr jedoch immer – Emotionen wecken.

 

Inhaltsverzeichnis über alle Artikel

Zeitmesser und ihre Geschichte (1): Zeit wird weltlich
Zeitmesser und ihre Geschichte (2): Durchbruch der Armbanduhr
Zeitmesser und ihre Geschichte (3): Faszination der Uhr


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