Autor: Archangel

Nein, keine Sorge, nicht unseren Blog. „Wir machen dicht!“, oder im Basler Dialekt „Mer mache dicht!“, ist das Motto der diesjährigen Basler Fasnacht, die heute noch durch die Strassen der Innerstadt tobt. Anspielt wird damit auf das Ladensterben in der Stadt, das seit einiger Zeit um sich greift. Das vermehrte Einkaufen im nahen Ausland, der so genannte „Einkaufstourismus“ wird dafür von vielen verantwortlich gemacht.

hitzestau-mirmachedicht2
Quelle: Shutterstock

Ich gehe täglich einkaufen und wenn ich mal vor meinem geistigen Auge so Revue passieren lasse, was man da so alles erlebt, könnte man meinen, das Motto „Wir machen dicht!“ bezieht sich auch auf die Läden die normal geöffnet haben. Vor allem bei den Filialen der grossen Lebensmittelhändler stelle ich seit längerem einen stetigen Serviceabbau fest. Da werden Produkte im Regal wochenlang nicht mehr aufgefüllt oder frisches Brot und Brötchen sind manchmal schon zur Mittagszeit Mangelware. Der Wochenendzopf wird nur noch in der Filiale aufgebacken und schmeckt dementsprechend.

Auch personalintensive Dienstleistungen werden Schritt für Schritt abgebaut. Eine Bedientheke für Wurstwaren? – Nein, findet man in meinem Quartier keine mehr, es gibt nur die abgepackte Ware. Und von einer gewissen Produktevielfalt können wir in der Schweiz sowieso nur träumen. Frisch geschnittene Schnitzel? – Warte fünf Minuten an der Theke, bis jemand zum Bedienen kommt. Zudem wird immer mehr an den Kunden ausgelagert. Zuerst war es nur das Self-Scanning, jetzt kann man sogar schon den gesamten Kassenvorgang am Automaten erledigen. Personal braucht es dafür keins mehr. Und das Beste ist: Es sind weniger normale Kassen geöffnet, um die Leute die neuen Systeme schmackhaft zu machen. Wer wie ich „traditionell“ bezahlen will, muss länger warten.

hitzestau-mirmachedicht1
Quelle: Shutterstock

Migros und Coop, um jetzt die Übeltäter mal beim Namen zu nennen, tun wirklich alles, um ihren Kunden den Spass am Einkaufen zu verderben. Die von Ihnen beworbenen Werte wie Frische und Nähe zum Kunden existieren vielleicht als Konzept auf den Festplatten der Marketingabteilung – in den Filialen werden sie nicht mehr gelebt. Sparen und Serviceabbau sind da die Werte, die man als Kunde tagtäglich erlebt.

Und das frechste an der ganzen Geschichte ist ja noch, es sind oft die Chefs von Migros und Coop, die am lautesten Wimmern, wenn es um den eingangs erwähnten „Einkaufstourismus“ geht. Klar verlieren die Schweizer Läden Kunden, aber das liegt nicht nur am günstigen Euro, sondern auch daran, dass man jenseits der Grenze halt eine grosse Produktvielfalt, freundliches Personal und gerade im Frischebereich bediente Theken mit einer gewaltigen Auswahl findet. Also genau die Dinge, die in der Schweiz systematisch abgebaut werden.

Europa lebt (noch) vom freien Verkehr von Waren und Personen. Da ist es auch meine Freiheit als Konsument dorthin zu gehen, wo ich das qualitativ beste Angebot habe. Und sorry, Basler Läden: das seit nicht mehr ihr – und dafür könnt ihr niemandem die Schuld in die Schuhe schieben ausser Euch selber.


Veröffentlicht in Kolumne, Teaser, Themen, Wirtschaft
<5 id="reply-title" class="comment-reply-title">Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.