Autor: Archangel

Was war das für eine monatelange Diskussion – brauchen Uber-Fahrer in Schweizer Städten eine Taxilizenz? Sind sie Angestellte des Unternehmens oder selbständig Erwerbende? Und wie sieht es mit der Versicherung für die Fahrgäste aus? Unterdessen hat Uber sich mit dem einfachen Fahrdienst UberPop vom Schweizer Markt zurückgezogen und die lokalen Taxi-Dienste triumphieren. Das Monopol ist erstmal gerettet, man muss bei sich selber nichts ändern und Sozialversicherungen sowie die Gewerkschaften sind auch zufrieden. Hiess da nicht mal etwas „Industrie 4.0“? – Nein, nicht bei uns, jedes Unternehmen muss die Sozialbeiträge bezahlen, niemand soll sich als “Plattformbetreiber” oder “Vermittler” tarnen können und Schein-Selbständige zu Hungerlöhnen arbeiten lassen.


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So weit also das Thema Uber. Nun hat diese Woche das Schweizer Unternehmen Mobility ein neues Angebot lanciert. Es heisst Mobility Carpool, basiert auf einer App und will private Fahrer und potentielle Mitfahrer zusammenbringen. Tönt das nicht irgendwie bekannt? Während man Uber vorwarf, die Fahrer würden eigentlich gewerbliche Transportdienste leisten und müssten daher die gleichen Bestimmungen einhalten wie das Taxigewerbe, ist davon bei Mobility Carpool nichts zu hören.

Auch von den anderen Kritikpunkten, die gegen Uber vorgebracht wurden, ist jetzt nichts zu hören. Wer über Mobility Carpool seinen Beifahrersitz anbietet, wird damit kein Angestellter von Mobility. Woran das liegt, kann ich natürlich nur vermuten: Mit Mobility steht ein bekanntes Schweizer Unternehmen hinter dem Angebot und kein US-amerikanisches Technologieunternehmen. Diesen schlägt in der Schweiz sowieso viel Ablehnung entgegen.

Und Mobility vermarktet sich selber und den neuen Dienst geschickt: Man will etwas dagegen tun, dass in jedem Auto nur eine Person sitzt und damit zu viel Platz auf der Strasse verbraucht. Mobility greift damit die laufende Diskussion um die motorisierte Mobilität, die zunehmenden Staus sowie die generelle Auto-Feindlichkeit in Schweizer Städten und Agglomerationen auf – wenn schon mit dem Auto, dann soll es wenigstens voll besetzt sein.


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Mit Aussagen wie “…die Umwelt wird geschont, weil weniger Verkehr über die Strassen rollt…” muss man ja als Autofahrer schon fast ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man nicht Zukunft im eigenen Auto wildfremde Menschen mitnimmt. Aber vielleicht gehört das ja auch mit zu den Zielen des Dienstes und der ganzen Berichterstattung. Als Autofahrer sollte man sich jedoch nicht unter Druck setzen lassen – das eigene Auto ist immerhin ein privater Raum, und ob man da Fremden den Zutritt gewährt, sollte noch jeder frei entscheiden können und auch in Zukunft dürfen.


Quelle: Mobilty

Merkwürdigerweise ist auch die Frage nach dem Datenschutz ein Nicht-Thema wenn es um Mobility Carpool geht. Vorname des Fahrers, Profilbild und die Autonummer sind in der App jederzeit sichtbar. Auch daran stört sich öffentlich niemand, während mit der europäischen DSGVO schon die IP-Adresse eines Computers zu den personenbezogen Daten gezählt wird.

Wie rege der Dienst von Mobility tatsächlich benutzt werden wird, kann ich natürlich auch nicht voraussagen, und die Vermittlung von Mitfahr-Gelegenheiten ist ja auch nichts grundlegend neues. Es mutet nur seltsam an, das Mobility Carpool als Teil einer zukunftsorientiert Mobilität zelebriert wird, währenddem anderen Anbietern von neuen Mobilitäts- und Sharing-Diensten und damit auch Verdienst-Möglichkeiten in der Schweiz nur Steine und Fahrverbote in den Weg gelegt werden.


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