Was Netflix schon länger angedroht hatte, scheint jetzt umgesetzt zu werden. VPN-Dienste und andere Techniken um auf Netflix-Inhalte aus anderen Ländern zuzugreifen, werden jetzt verstärkt gesperrt. Dies berichten verschiedene deutsche Newsseiten wie etwa golem.de unter Verweis auf Meldungen ihrer Leser. Auch die Schweiz scheint davon betroffen zu sein, wie etwa die Werbewoche in einer Newsmeldung schreibt.

Dies ist die nächste Runde in einem schon länger andauernden Katz- und Maus-Spiel: Netflix beruft sich auf Druck aus der Filmindustrie und von Seiten der Rechteinhaber. Auf anderen Seiten stehen die Kunden, welche nicht mehr nachvollziehen können, warum in einem Land eine Serie oder Film zu sehen ist, und im anderen nicht. VPN- und DNS Unblocker-Dienste sind gängige Mittel, um das von Netflix (und anderen Plattformen) praktizierte „Geoblocking“ zu umgehen.

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Quelle: Shutterstock

Aber auch diese Dienstleister spüren den Druck aus Hollywood. So kann zum Beispiel UnoTelly, dessen Services wir hier vom kurzem vorgestellt haben, seinen Kunden nicht mehr PayPal als Zahlungsmethode anbieten, weil PayPal gemäss seinen AGB die Nutzung seiner Dienste für Urheberechtsverletzungen nicht erlaubt. Auch positioniert sich UnoTelly nicht mehr als Dienstleister um Geoblocking zu umgehen, sondern nur als „Schützer der Privatsphäre“ gegen Webseiten-Tracking. Die Nutzung für andere Zweck sei nicht erlaubt, wie UnoTelly neu auf seiner Frontseite schreibt.

Rechtlich bewegt man sich hier in einer Grauzone. Netflix-Kunden, die sich Inhalte aus anderen Ländern ansehen, verstossen zwar gegen die AGB von Netflix, aber sie sind zahlende Kunden. Und Geld einzunehmen sollte doch das oberste Ziel der Filmindustrie sein? Ist es aber scheinbar nicht, das Festhalten an einem veralteten Vertriebsmodell ist ihnen wichtiger, als die Erfüllung der Bedürfnisse ihrer Kunden. Und diesen Ball geben sie an Content-Verbreiter wie Netflix weiter, die dann ihrerseits dafür sorgen müssen, ihren eigenen Kunden den Zugang auf den geografisch erwünschten Raum zu beschränken. Netflix macht sich ein Stück weit damit zum Erfüllungsgehilfen der Content-Industrie.

Diese Argumentation habt Ihr schon oft auf unserem Blog gelesen, aber wie wir frustriert feststellen, hat sich bisher nichts zum besseren geändert.

Oft ist es das mangelnde Angebot im eigenen Land, welches Netflix-User wie uns ins digitale Ausland treibt. Neu gibt es dazu sogar Zahlen schwarz auf weiss: Wie die Streaming-Newsseiten exstreamist.com untersucht hat, ist in den USA das Netflix-Angebot am umfangreichsten: 5750 TV-Serien und Filme sind hier im Katalog. Im globalen Vergleich landet die Schweiz auf Platz 68 (1814 Titel) und liegt damit hinter Ländern wie Tansania (2410 Titel) oder Grönland (1999 Titel).

Was soll man also tun, wenn man nicht mehr auf ausländische Netflix-Kataloge zugreifen kann? Wir überlegen uns die Kündigung des Netflix-Abo, weil das Schweizer Angebot alleine lohnt sich nicht. Aber das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen. Sicher kann man auch zuerst probieren, einen anderen VPN- oder DNS-Unblocker-Dienst zu verwenden. Die meisten bieten eine Trial-Zeit an. Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen mit UnoTelly gemacht, und bisher funktioniert unser Zugriff auf den US-Katalog von Netflix aus der Schweiz noch (Stand: 28. Februar 2016).

Wer seinem Unmut über die Steinpraktiken der Filmindustrie eine Stimme geben will, kann sich zum Beispiel auch an der Unterschriftensammlung My Netflix, My Privacy beteiligen.

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Auch hier geht es darum, dass Netflix nicht länger VPN- und Unblocker-Dienste aussperren sollen. Schlussendlich dränge Netflix damit die Kunden nur zurück zu „illegalen“ Downloads, an denen die Filmindustrie gar nichts verdiene.

Damit stellt sich für uns die Frage: Wenn es darum geht, TV-Serien und Filme auf einem „offiziellen“ Kanal zu schauen, ist Netflix dabei Teil der Lösung oder doch nur ein Teil des Problems?


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