Klassisches Fernsehen ist bei uns out – ein Media-Center ist das, was uns interessiert. Das Angebot an Media Center-Lösungen ist so vielfältig wie die Definitionen des Begriff selbst. Angesehen haben wir uns unter anderem Chromecast von Google, die Möglichkeiten der Xbox One sowie zwei verschiedene Installationen auf Basis der ZBOX von Zotac (OpenELEC / Windows 8.1 mit Plex-Client).

Die kleine Box „Apple-TV“ wird unserer Meinung nach zu Unrecht als Gerät bezeichnet, dass nur dazu da sei, bei iTunes gekaufte Inhalte auf dem Fernseher im Wohnzimmer abzuspielen. Wir haben seit einiger Zeit ein Apple TV bei uns stehen und haben zwei Dinge festgestellt: Erstens, diese Behauptung greift zu kurz und wird der Box nicht gerecht. Zweitens, und da waren wir selber ein bisschen erstaunt, kommt Apple-TV unseren Konsumgewohnheiten sehr entgegen. Wie sich unsere Fernseh-Gewohnheiten in den letzten Jahren verändert haben, könnt Ihr ausführlich in unserem Beitrag zu Netflix in der Schweiz nachlesen. Aber kurz gesagt möchten wir nochmals festhalten: Bei uns stehen Streamingdienste ganz hoch im Kurs, einzelne Nachrichtensendungen holen wir uns via Mediathek des jeweiligen Senders.

Schauen wir uns nun im Folgenden die Apple TV-Box und wie wir sie nutzen, näher an.

Die Box

Apple TV ist eine kleine schwarze Box mit einem LAN- und einem HDMI-Anschluss auf der Rückseite. Sie wird ins Netzwerk integriert und für die Bild- und Tonausgabe an einen Receiver angeschlossen. Sie besitzt auch ein WLAN-Modul, aber es empfielt sich, ein LAN-Kabel zu verwenden, um mögliche WLAN-Störungen auszuschliessen. Bedienen lässt sie sich via die Apple Fernbedienung. Zudem kann man via Bluetooth eine Tastatur verbinden. Dies macht die Eingabe von Usernamen und Passwörtern beim Einrichten von Accounts oder sonstigen Einstellungen wie DNS oder WLAN um einiges einfacher.

hitzestau-appletv-box22
Quelle: Apple

Im Gegensatz zu anderen Apple-Geräten lassen sich für sie keine Apps herunterladen und installieren. So sieht das Hauptmenü für Apple TV auf dem Fernseher aus:

hitzestau-appletv-menu
Quelle: Apple

Man kann mit ihr alle iTunes-Inhalte, aber auch die eigenen Fotos und Videos aus der iCloud auf den Fernseher bringen. Zudem verfügt sie über vorinstallierte Channels wie ABC News, Wall Street Journal Live oder verschiedene amerikanische Sportkanäle. Apps für Netflix, YouTube, flickr oder vimeo sind ebenfalls vorhanden. Wenn man mehr Apps installieren möchte, muss man die Box hacken. Das ist natürlich auf eigenes Risiko und von Apple auch nicht vorgesehen.

Der Zugriff auf die Channels ist sehr unterschiedlich geregelt. Die amerikanischen Sportkanäle erfordern ein kostenpflichtiges Abonnement, welches jedoch aus der Schweiz gar nicht erst gelöst werden kann. Die Angebote der Sender wie ABC News oder Wall Street Journal sind frei zugänglich.

Netflix

Wir haben Netflix schon über die unterschiedlichsten Plattformen genutzt. Das praktische an Netflix ist ja unter anderem, dass eine breite Palette von Devices wie Desktop-Rechner, Smartphones und Tablets oder Spielkonsolen unterstützt werden. Aber der einfachste und komfortabelste Weg auf Netflix zuzugreifen ist Apple TV. Die Box ist auch was den Umgang mit den Tonformaten angeht am unkompliziertesten: Sie macht keine Transkodierung, wie es zum Beispiel die Xbox One tut und sie unterstützt 5.1. Für Mac-User ist Apple TV die beste Möglichkeit für Netflix, da es keine Mac OS X-App gibt und man im Browser generell nur Stereo-Ton bekommt.

hitzestau-appletv-netflix
Quelle: Netflix

AirPlay

Die Verbindung vom Apple-eigenen Streamingprotokoll AirPlay und Apple TV eröffnet für uns die zweite wichtige Art und Weise, wie wir Apple TV nutzen.

Was ist AirPlay?

Offizielles Apple AirPlay LogoAirPlay ist eine Schnittstelle zur kabellosen Übertragung von Inhalten auf AirPlay-fähige Empfängergeräte wie Lautsprecher, Receiver oder Fernseher. Das AirPlay-Protokoll wurde von Apple entwickelt und kann von anderen Herstellern für den Einbau in Empfangsgeräte lizenziert werden. So beherrscht beispielsweise unser Receiver von Pioneer (VSX-923 K) AirPlay. Von einem iOS- oder Mac OS X-Gerät aus lassen sich via AirPlay Videos an Apple TV oder Songs direkt an den Receiver schicken. Für Android-Geräte gibt es Apps von Drittanbietern, die jedoch unterschiedlich gut funktionieren.

Praxis-Beispiel

Kommen wir nun zu unserem praktischen Beispiel: Um zeitversetzt die Tagesschau-Hauptausgabe des Schweizer Fernsehens zu schauen, rufen wir auf dem iPad die App „SRF Player“ auf. Mit ihr hat man Zugang zur Mediathek des Schweizer Fernsehens.

hitzestau-appletv-srfplayer
Quelle: SRF

Mit AirPlay lässt sich die ganze Sendung via Apple TV bequem auf den Fernseher streamen. Der Vorteil für uns ist, dass wir die Sendung zeitversetzt sehen können, auch ohne eine Set-Top Box von einem Kabel-TV-Anbieter oder ein kostenpflichtiges Abo bei Zattoo zu haben. Da wir sehr selten eine „klassische Fernsehsendung“ schauen, ist dieser Weg für uns eine gute Alternative. Das Display des iPad muss hierbei nicht aktiv sein, und man kann sogar die Apple Fernbedienung verwenden, um Start oder Stop zu drücken.

Hohe Flexibilität

Das Duo Apple TV und Airplay kann aber noch viel mehr: Mit „AirPlay Mirroring“ lässt sich alles, was man auf einem iOS- oder Mac OS X-Gerät anzeigt, zu einem Fernseher streamen: Das geht weit über unser oben erklärtes Beispiel hinaus und ist nicht nur für die private Unterhalthaltung geeignet, sondern kann auch für Unternehmen interessant sein: Via Airplay Mirroring kann man beispielsweise auch Präsentationen, Grafiken, Software-Mockups oder Webseiten für ein grösseres Publikum auf einem Fernseher anzeigen. Unter gewissen Hardware-Voraussetzungen lässt sich AirPlay Mirroring auch von Mac OS X-Geräten aus verwenden (Link zu Apple Support für Details).

hitzestau-airparrot2AirPlay ist aber nicht auf Apple-Geräte als Quellen beschränkt. Die Software AirParrot 2 macht aus jedem Windows- oder Google Chrome-Rechner ein AirPlay-fähiges Gerät, mit dem man Inhalte via das AirPlay-Protokoll an den gewünschten Zielort senden kann.

Rechts seht ihr einen Screenshot vom Konfigurations-Menü von AirParrot 2. Bei der Auswahl der Quelle ist es unter anderem möglich, den gesamten Bildschirminhalt via AirPlay zu streamen oder nur den Ton. Als Zielort lassen sich mehrere Empfänger gleichzeitig auswählen.

Da ältere Mac OS X-Geräte AirPlay Mirroring nicht unterstützen, ist AirParrot2 auch für sie eine interessante Alternative.

Quelle: Screenshot airsquirrels.com

Fazit

Apple TV kommt unseren Konsumgewohnheit sehr entgegen: Netflix ist als App vorinstalliert und gibt uns Zugang zu TV-Serien, Spielfilmen oder Dokumentationen. Die Box ist sehr gut in die Apple-Dienste und Technologien integriert. Mit AirPlay wird sie sozusagen zur universellen Streaming-Zentrale und kann auch für Unternehmen interessant sein. Damit ist eigentlich auch widerlegt, Apple TV sei nur ein Abspielgerät für gekaufte iTunes-Inhalte. Natürlich wäre es wünschenswert, mehr Apps direkt auf der Box zu haben, aber ein Stück weit macht AirPlay dies auch überflüssig.

„Wenn man das Konzept zu Nutzen weiss, macht AirPlay die Apple TV-Box zu einem extrem vielseitigen Gerät. Deshalb wäre es sehr wünschenswert, wenn mehr Hersteller das AirPlay-Protokoll zum Streamen von Inhalten in ihren Geräten implementieren würden.“ (Monk-Trader von hitzestau.com)

Dank ihren kleinen Abmessungen kann man sie überall gut aufstellen. Mit einem 6 Watt-Netzteil ist sie alles andere als stromhungrig und sie macht keinen Lärm, da sie keine eingebauten Lüfter hat. Die aktuelle Version stammt aus dem Jahre 2012 und bringt viele der Multimedia-Features mit, die dem Mac OS X unterdessen fehlen. Vom Konzept her ist sie typisch Apple – einfach an Netzwerk und Receiver anschliessen und es funktioniert. 

Für kommende Versionen wünschen wir uns, dass Apple die Box betreffend Tonformate, unterstützte Auflösungen, Schnittstellen und internen Speicher für das Caching auf den neusten Stand bringt. Aktuell beherrscht Apple TV für die Ton-Wiedergabe bei Filmen und Serien Dolby 5.1 und 1080p als maximale Auflösung. Mehr Apps – zum Beispiel Plex – oder ein Appstore würden Apple TV zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. Auch im Bereich Bedienung lässt sich sicher noch einiges machen – beispielsweise mit einer iOS-App, in der man alle Einstellungen (Einrichten, aber auch Umstellen von Tonspur oder Untertiteln) machen kann und die auch gleich bereits vorhandene Accounts wie zum Beispiel Netflix übernimmt

Apple TV ist eine kleine Box, in der viel mehr steckt, als man ihr auf den ersten Blick zutraut. Sie hat uns im täglichen Einsatz überzeugt – erst recht, wenn man den Preis bedenkt, der an der Apple-Keynote vom 9. März auf 79 Schweizer Franken / EURO gesenkt wurde.

hitzestau-appletv-box1
Quelle: Apple

hitzestau-appletv-box3
Quelle: Apple

Alle technischen Details wie unterstützte Video-, Audio- und Bildformate findet Ihr auf der Webseite von Apple.


Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.