Kennt Ihr Watson? Klar, der Assistent von Sherlock Holmes… nein der ist hier nicht gemeint, wobei es schon mit dem Auffinden und Zusammensetzen von einzelnen Hinweisen zu tun hat. „Watson“ ist ein digitaler Angestellter von IBM, genauer gesagt eine künstliche Intelligenz. Zuhause ist Watson auf dieser Webseite, wo man gleich ein paar grundlegende Informationen über ihn bekommt. Etwas nüchterner ist seine Selbstdarstellung: Watson eine Technologieplattform, die natürliche Sprachverarbeitung und maschinelles Lernen verwendet, um Erkenntnisse aus grossen Mengen unstrukturierten Daten zu erhalten.

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Quelle: Screenshot ibm.com

„Natürliche Sprachverarbeitung“ bedeutet in diesem Zusammenhang die Fähigkeit eines Computers, menschliche Sprache so zu verstehen, wie sie gesprochen oder geschrieben wird. Und da sind wir auch schon direkt im Thema: Vor ein paar Tagen war ich zu Gast bei einer Veranstaltung der Networking Gruppe „Internet Briefing“, wo Watson näher vorgestellt wurde. Auf der Grundlage einer Kundenliste eines kalifornischen Surfer-Camps konnte Watson nicht nur ein paar statistische Zusammenhänge ermitteln, sondern auch die Grundlage für weitere Business-Entscheidungen wie das Anbieten von zusätzlichen Kursen oder Rabatten liefern. Alles was Watson dafür benötigte, war die Liste der aktuellen Buchungen als Excel-Datei.

Was Watson alles kann, erklärt er Euch am besten direkt auf seiner Webseite. Die anschliessende Diskussion beim Internet Briefing ging dann schnell von den technischen Aspekten hin zu eher philosophischen Fragen. Was ist künstliche Intelligenz überhaupt? Was bedeutet es für uns als einzelne Individuen und als Gesellschaft, wenn Computer nicht nur Unmengen von Daten blitzschnell überblicken und auswerten, sondern auch gleich die gezogenen Schlussfolgerungen selbständig umsetzen? Der Mensch wird dann nur noch zum Zuschauer. Bei einem simplen Verkaufs-Chat, bei dem der künstliche Chat-Bot entscheidet, dem Interessenten einen Rabatt anzubieten, damit er sich für den Kauf entscheidet, mag das ja noch recht harmlos aussehen. Aber was ist mit anderen Lebensbereichen wie autonomes Fahren oder Behandlungsentscheidungen einer Krankenversicherung?

Ich kann hier nur Fragen aufwerfen und keine Antworten liefern. Bei der Frage nach einer Definition von künstlicher Intelligenz war schnell klar, dass ein Computer zwar auf Grund von Daten Analysen und Entscheidungen treffen kann, „Bauchgefühl“ sich aber nicht in Algorithmen und Programmcode verpacken lässt. Auch die Wikipedia bleibt hier für einmal sehr wage:

Der Begriff ist insofern nicht eindeutig abgrenzbar, da es bereits an einer genauen Definition von Intelligenz mangelt. (Quelle: Wikipedia)

Interessanter ist dann schon diese Feststellung:

Im Allgemeinen bezeichnet künstliche Intelligenz oder KI den Versuch, eine menschenähnliche Intelligenz nachzubilden, d. h., einen Computer zu bauen oder so zu programmieren, dass dieser eigenständig Probleme bearbeiten kann. Oftmals wird damit aber auch eine effektvoll nachgeahmte, vorgetäuschte Intelligenz bezeichnet, insbesondere bei Computerspielen, die durch meist einfache Algorithmen ein intelligentes Verhalten simulieren soll. (Quelle: Wikipedia)

Und damit sind wir auch schon bei der nächsten interessanten Frage, die ebenfalls im Raum stand: Ist Watson von IBM wirklich eine „künstliche Intelligenz“, oder einfach nur eine weitere Business Intelligence Software? Beide liefern Ergebnisse, auf deren Basis in Unternehmen bessere operative und strategische Entscheidungen getroffen werden können. Watson kann sicher durch die untechnische Art, Fragen zu stellen, punkten. SQL Statements zur Datenbankabfrage muss hier kein Anwender mehr können. Und Watson macht auch Vorschläge für Fragen, an die man als Anwender selber noch gar nicht gedacht hat.

Daten-Analyse, Auswertungen, Entscheidungsgrundlagen… das tönt ja alles sehr gut und konstruktiv. Das eigentliche Futter für künstliche Intelligenzen ist aber mehr als nur eine harmlose Excel-Tabelle mit Kundendaten – Watson & Co. ernähren sich am liebsten von „Big Data“, also von allem, was wir täglich an digitalen Spuren hinterlassen. Ein Beispiel: Die Daten von unseren Lebensmitteleinkäufen und unseren Arztbesuchen sind heute noch getrennt gespeichert. Warum nicht kombinieren und Erkenntnisse daraus ableiten? Hier spielt nicht nur eine Rolle, wer auf diese Informationen Zugriff hat, sondern hier fängt es für viele Leute an, ungemütlich zu werden. Wenn Computer und Maschinen über Menschen bestimmten können, wird eine Grenze überschritten. Der „Terminator“, ein Cyborg aus der Zukunft der aussieht wie Arnold Schwarzenegger, ist eine der bekanntesten Personifizierungen einer Welt, wo Menschen nichts mehr zu melden haben und Maschinen die Herrschaft übernommen haben.

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Künstliche Intelligenz oder reine Maschine? Der Terminator aus dem gleichnamigen Kinofilm. Quelle: ZVG

„Gläserner Mensch“ und Computer, die über unser Leben bestimmen, sind nur zwei der Horrorszenarien, die oft genannt werden. In diesem Zusammenhang – und das ist mir auch erst seit der Veranstaltung vom Internet Briefing bekannt – darf man nicht vergessen, dass militärische Organisationen ein grosser Treiber im Bereich der Forschung bezüglich künstlicher Intelligenz sind. Wer dazu mehr wissen will, findet auf der Webseite von DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency), einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums, einen guten Einstieg.

Ach ja, und was hat das alles mit Fussball zu tun? Das Unternehmen Bisnode, welches im Bereich Datenanalyse tätig ist, hat sich mit der Frage beschäftigt, wer an der Fussball-Europameisterschaft in Frankreich als Sieger vom Platz geht. Das Bisnode Big Data Analytics Lab nutzt für seine Vorhersagen unstrukturierte Daten aus dem Internet und kombiniert sie mit analytischen Modellen. Indem die Torgefährlichkeit, die Angriffs- und Abwehrstärke, Ergebnisse aus vergangenen Spielen und andere Informationen analysiert werden, können Vorhersagen für den Ausgang der einzelnen Spiele, die Gruppenergebnisse und der Finalrunden getroffen und nicht zuletzt der Sieger des Tourniers prognostiziert werden. Bisnode hat dazu ein allgemein zugängliches Dashboard ins Web gestellt, welches während der EM laufend mit allen Ergebnisse aktualisiert wird, welche dann wiederum Einfluss auf die Prognosen haben.

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Quelle: Screenshot footballcup2016.bisnode.com

Das ist sicher ein Beispiel, dass „Big Data“ auch Spass machen kann. Für mich war die Veranstaltung des Internet Briefing und jetzt das Dashboard von Bisnode ein inspirierender Einstieg in ein wichtiges Thema, das unser alltägliches Leben in den kommenden Jahren sicher sehr stark beeinflussen wird.


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