Autor: Archangel

Das ist vielleicht unser persönlichstes Review bisher überhaupt: Es geht um die „Volkskrankheit“ Bluthochdruck. Meine Diagnose habe ich vom Hausarzt schon vor mehreren Jahren bekommen und seitdem nehme ich auch täglich Tabletten. Das geeignete Gerät zu finden um selbständig den eigenen Blutdruck zu messen, ist jedoch oft schwerer als man denkt.

Seit ein paar Wochen nutze ich das Blutdruckmessgerät EVOLV von Omron. Wie ich zu dem Gerät gekommen bin und welche Erfahrungen ich mit ihm bisher gemacht habe, möchte ich Euch in diesem Beitrag schildern.

Messen mit Hindernissen

Zu Anfang habe ich ein klassisches Messgerät mit Schläuchen und Manschette für den Oberarm von jemandem aus der Familie ausgeliehen bekommen. Das war ein M6 Comfort, ebenfalls vom Hersteller Omron.


Omron M6 Comfort. Quelle: White Medical

Im Alltag bin ich nie richtig damit zu recht gekommen. Ich konnte die Manschette kaum ohne fremde Hilfe richtig anziehen, sie war ziemlich breit und die Schläuche waren auch ständig im Weg. Oft sass die Manschette schräge, was dann zu Fehlmessungen führte. Ohne fremde Hilfe konnte also nicht Blutdruck messen. Ich will hier nicht die Messgenauigkeit oder die Verarbeitung des Geräts kritisieren – es war für mich einfach nicht das richtige.

Die Folge war, dass ich meinen Blutdruck über Jahre nie gemessen habe, ausser den vereinzelten Besuchen beim Hausarzt. Das war natürlich alles andere als gut, denn Blutdruck sollte man regelmässig messen, am besten mehrmals täglich. Es kann immer zu Veränderungen kommen, so dass eine Medikamentendosis eventuell angepasst werden muss.

Anforderungen an ein neues Gerät

Aber Blutdruck messen ist nicht nur eine Frage des geeigneten Geräts, es gehört auch eine Portion Selbstdisziplin und Motivation dazu. Da wir für unseren Blog hier das Motto „Leben mit Technik“ haben, habe ich mich letzten Dezember auf die Suche nach einem neuem Blutdruckmessgerät gemacht.

Es sollte smart sein, also die Messdaten ans Smartphone übertragen können. Die Apple Watch in Verbindung mit der Health App unter iOS waren unsere ersten Berührungspunkte mit dem Thema E-Health. Es war für mich deshalb nur logisch, nach einem entsprechenden Blutdruckmessgerät Ausschau zu halten. Denn ausser den Problemen mit dem Anziehen der Manschette habe ich mir auch immer die Frage gestellt, wie ich die Messdaten protokollieren soll. Man kann die Werte manuell nach jeder Messung in einer Liste auf Papier aufzuschreiben oder sie in eine Excel-Tabelle zu übertragen. Beides ist mühsam und fehlerbehaftet.

Ein neues Gerät sollte also zwei Probleme zu lösen: das selbständige Anziehen der Manschette und das einfache Protokollieren der Werte. Ich habe mir online die Geräte verschiedener Hersteller angeschaut und mich dann für das EVOLV von Omron entschieden.

Das Gerät

Das Omron EVOLV ist ein reines Oberarm-Gerät ohne Schläuche. Gemessen werden Blutdruck (systolischer und diastolischer Wert) und der Puls. Es sieht recht schlank und futuristisch aus. Zudem ist es stabil und gut verarbeitet. Im wesentlichen besteht es zwei Teilen: Im Gehäuse aus Kunststoff sind Display, Batterien und die Mechanik zum Aufpumpen der Manschette untergebracht. Dieses sitzt direkt auf der Manschette, die wie man auf dem Bild gut sieht, schon vorgeformt ist, so dass man sie einfach über den Arm streifen kann. Der lose Teil der Manschette ist einem Klettverschluss versehen, mit ihm kann man das Gerät gut am Oberarm befestigen. Sie fühlt sich angenehm an auf der Haut und ist sehr robust. Die Manschette ist für einen Oberarmumfang von 22 bis 44 cm geeignet.


Omron EVOLV. Quelle: Omron

Das Gerät wiegt mit Batterien nur rund 290 Gramm. Für die gesamte Bedienung kommt das EVOLV mit zwei Knöpfen aus: Dem Ein-/Ausschalt-Kopf um eine Messung zu starten und der Verbindungs-Taste, um das Gerät via Bluetooth mit einem Smartphone oder Tablet zu koppeln. Es gibt Apps für Android und iOS. Ich benutze das EVOLV in Verbindung mit dem Apple iPhone 8 Plus, eine Liste aller kompatiblen Betriebssystem-Versionen und Geräte findet Ihr auf der Webseite von Omron.


Omron EVOLV. Quelle: Omron

In der Manschette selbst verwendet Omron die so genannte „Intelli Wrap-Technologie“. Diese führt an mehreren Punkten Messungen durch und sorgt so für genaue Werte, auch wenn das Gerät nicht ganz optimal am Oberarm sitzt. Als Messmethode wird die oszillometrische Messung verwendet. Wenn die Manschette die Arterien zusammendrückt, werden die Signale nicht akustisch aufgezeichnet, sondern es werden die Schwingungen der Blutgefässe gemessen und ausgewertet. Ein Algorithmus berechnet nach einer Formel daraus den oberen und unteren Blutdruckwert.

Das EVOLV benötigt vier AAA-Batterien, natürlich kann man auch wiederaufladebare AAA-Akkus verwenden.

Handhabung und Messen

Das EVOLV wird betriebsbereit geliefert, im Lieferumfang gehört eine praktische Schutzhülle mit dazu, wenn man das Gerät mitnehmen will. Um Blutdruck zu messen, muss man nur die Batterien einsetzen und schon kann man loslegen. Omron empfiehlt natürlich, vorher die Bedienungsanleitung durchzulesen.

Wenn man wie ich die Messwerte auf dem Smartphone protokollieren will, muss sich die Omron Connect App herunterladen und installieren. Um das Blutdruckmessgerät via Bluetooth zu koppeln muss man die Verbindungstaste drücken und dann den Anweisungen auf dem Smartphone-Display folgen. In der gesamten Zeit seitdem ich das Gerät benutze, war nie eine Neu-Koppelung notwendig.


Omron EVOLV. Quelle: Omron

Anziehen lässt sich das EVOLV sehr einfach und umkompliziert, ich führe meine Messungen immer am linken Oberarm durch. Die ersten Male habe ich es immer mit der Hilfe einer Drittperson angezogen, wohl auf Grund der schlechten Erfahrungen von früher. Aber ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass das überhaupt nicht notwendig war und ich das EVOLV sehr gut alleine anziehen kann.

Mit dem Klettverschluss lässt sich die Manschette gut schliessen, so dass das Gerät gut sitzt. Die Manschette hat einen Markierungspunkt der als Orientierungshilfe dient. Wenn er auf die Mitte der Armbeuge ausgerichtet ist, sitzt das Gerät richtig. Um eine Messung zu starten, muss man nur den Startknopf drücken.

Die Durchführung einer Messung dauert rund 45 Sekunden und ist überraschend angenehm. Das Gerät misst den Blutdruck währenddem es die Manschette aufpumpt. So ist der maximale Druck niemals so stark, wie ich es bisher von anderen Geräten her kannte. Die Werte werden dann dann umgehend auf dem gut leserlichen Display angezeigt. Wenn das Gerät während dem Messvorgang ein Problem festgestellt hat, wird dies ebenfalls auf dem Display angezeigt. Probleme können beispielsweise sein, dass die Manschette zu locker sitzt oder man sich während der Messung zu stark bewegt hat. Auch ein unregelmässiger Herzschlag wird angezeigt. Alle Symbole sind in der Bedienungsanleitung gut erklärt. Bei einer Fehlmessung habe ich den Sitz des Geräts am Arm überprüft und dann eine neue Messung durchgeführt. Probleme wie eine zu locker sitzende Manschette werden nur auf dem Display des Geräts angezeigt, aber nicht auf Startseite der App. Darum lohnt es immer, nach der Messung zuerst einen Blick aufs Display am Oberarm zu werfen.

Daten mit der App auswerten

Die Omron-eigene Connect App ist die Basis für den Datenaustausch und Auswertung mit dem Smartphone. Sie ist auf einen Benutzer ausgelegt. Um nach einer Messung Daten zu synchronisieren, muss man nur den Startscreen der App nach unten ziehen und schon werden die neusten Werte angezeigt. Das Blutdruckmessgerät selbst kann bis zu 100 Messungen speichern und diese dann gesammelt übertragen. Ich habe mir angewöhnt, die Werte nach jeder Messung sofort zu übertragen.

So zeigt die App die aktuellste Messung an, wenn man die Daten übertragen hat:

Die grafische Auswertung stellt immer den Tagesdurchschnitt aller Messungen Blutdruck- und Pulsmessungen dar.

Die Anzeige kann man auf eine wochen- oder monatsweise Darstellung einstellen. Es lässt sich aber auch jede Messung einzeln aufrufen. Dann werden das genau Messdatum Datum und die Uhrzeit anzeigt, sowie die Zusatzinformationen zum korrekten Sitz der Manschette, dem Herzschlag sowie Körperbewegungen, welche die Messungen eventuell beeinträchtigt haben. Wie man im Screenshot unten sieht, gab es einen Hinweis auf zu viel Körperbewegung während der Messung. Jede einzelne Messung kann auch aus der Statistik löschen.

Die Connect App kann die Daten – wenn man das Einverständnis dazu gibt – auch an Apple Health weiterleiten. Hier werden sie ebenfalls grafisch aufbereitet. Die App stellt für den jeden Tag die Bandbreite der oberen und unteren Blutdruckwerte getrennt dar.

In Apple Health kann man die Messwerten von anderen Geräten und manuell erfassten Daten kombinieren. Bei mir misst die Apple Watch, welche wir bereits in einem Review vorgestellt haben, selbständig und regelmässig den Puls und erfasst damit natürlich mehr Messwerte als das Blutdruckmessgerät. Damit bekomme ich einen guten Überblick über den Tagesverlauf meiner Herzfrequenz und kann gut Spitzen erkennen.

Mit dem EVOLV alleine wäre das natürlich nie möglich, da man es nur gezielt zum Blutdruck messen anzieht.

Ausblick

Unterdessen habe ich während mehreren Wochen regelmässig, also 3-4 Mal pro Tag, meinen Blutdruck gemessen. Alle Daten sind in der App gespeichert und geben mir einen guten Überblick über den Tages- und Wochendurchschnitt. Damit habe ich jetzt eine guten Datenbasis für den kommenden Besuch beim Hausarzt.

Seine Beurteilung der Werte, die weitere Behandlung und seine Meinung zum Gerät selbst werde ich in einem nächsten Blogpost aufgreifen.

Mehr Informationen zum Omron EVOLV findet Ihr auch auf dem Produkte-Webseite.


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