Mit der Smartwatch Gear S3 hat Samsung das mit der S2 eingeführte Konzept weitergeführt und verbessert. Die aktuelle Gear S3 ist in der Schweiz seit Dezember vergangenen Jahres erhältlich und seit dem Januar sogar mit iOS kompatibel.

Im Handel ist die Samsung Gear S3 in zwei Modellen erhältlich, als „Frontier“ und als „Classic“. Die beiden Modelle unterscheiden sich nur im Design, das sich für beide Ausführungen an klassischen Armbanduhren orientiert.


Samsung Gear S3 Classic. Quelle: Samsung


Samsung Gear S3 Frontier. Quelle: Samsung

Archangel aus unserem Team hat die Gear S3 in der „Frontier“-Ausführung in Verbindung mit dem Samsung Galaxy S7 sowie dem iPhone 7 Plus getestet. Zudem haben wir schon seit längerem die Vorgängerin – also die Gear S2 – im Einsatz. Diese Erfahrungen fliessen also auch mit in den Text ein.

Die Samsung Gear S3

Das Gehäuse der Gear S3 ist aus Edelstahl gefertigt und hat einen Durchmesser von 46mm, das runde Display misst 1,3 Zoll in der Diagonale. Die Gear S3 ist damit gegenüber ihrer Vorgängerin nicht nur grösser geworden, sondern auch rund 15 Gramm schwerer. Bei der „Classic“ besteht das Armband aus Leder, bei der „Frontier“ aus Silikon. Es ist weich und biegsam sowie angenehm zu tragen. Die Haut schwitzt nicht darunter. Zudem ist es sehr pflegeleicht.


Samsung Gear S3 Frontier. Quelle: Samsung

Bei beiden Modellen kann das Armband gegen Standard-Armbänder (22mm) ausgetauscht werden. Das ist bei der S2 nicht möglich, weil sie über einen eigenen Mechanismus zur Befestigung der Armbänder verfügt. Deshalb kann man nur andere Samsung-Armbänder befestigen. Allerdings erlaubt dies auch ein Design mit einer Optik aus einem Guss, Gehäuse und Armband gehen bei der „S2 Sport“ fliessend ineinander über.


Samsung Gear S2 Sport. Quelle: Samsung

Das Design der aktuellen Gear S3 erinnert eher an die Classic-Version der Gear S2, die hier abgebildet ist:


Samsung Gear S2 Classic. Quelle: Samsung

Wie schon bei der Gear S2 verfügt auch die Gear S3 über 2 Tasten an der rechten Gehäuseseite. Die so genannte Lünette, also die Umrandung des Glases ist drehbar und das zentrale Bedienungselement für die Uhr. Eine klassische Krone gibt es nicht. Bei der Classic-Version ähneln die beiden Tasten den Drucktasten einer klassischen Sportuhr, bei der Frontier-Version sind sie flacher gestaltet und somit schöner in die Rundung des Gehäuses integriert. Ihre Oberfläche ist zudem leicht geriffelt, so dass man sie problemlos mit den Fingerspitzen ertasten kann.


Samsung Gear S3 Frontier. Quelle: Samsung

Technik und Neuerungen

Die Details zu Grösse und der verbauten Technik findet Ihr unten zusammengefasst in der Liste. Als Weiterentwicklung zur Gear S2 hat Samsung ein härteres Gorilla Glass (SR+) verbaut, was die Uhr noch kratzfester machen soll. Das Display selber ist hell und die Farben sind kräftig. Wie die Gear S2, ist auch die Gear 3 wasserdicht (IP68).

Neu bei Gear S3 ist das so genannte „Always-on“ Display – das Display ist immer eingeschaltet, wenn man die Uhr am Handgelenk hat. Damit fällt es weg, dass man die Uhr immer erst mit einer Bewegung des Handgelenks oder des Unterarms aktivieren muss, wenn man die Zeit ablesen will. Nach einer gewissen Zeit, dunkelt das Display ab, um den Stromverbrauch zu senken, auch die Details des Zifferblatts werden nur noch reduziert dargestellt. Um schnell die Zeit abzulesen, reicht es aber aus. Dieses Feature wurde mit einem Update für die Gear S2 nachgereicht. 


Samsung Gear S3 Frontier. Quelle: Samsung

Ebenfalls neu ist ein integriertes GPS-Modul, welches die Uhr etwas unabhängiger vom Smartphone macht, mit dem sie gekoppelt ist. Zudem verfügt sie über einen integrierten Höhenmesser, ein Barometer und eine Freisprechfunktion.

  • Prozessor: Dual Core (1,0 GHz)
  • Display: rund / 1.3 Zoll Durchmesser / 360×360 Pixel / Super AMOLED
  • Abmessungen: 46,1 x 49,1 x 12,9 mm
  • Gewicht: 62 g ohne Armband
  • Konnektivität: Bluetooth 4.2, WLAN (802.11 b/g/n), A-GPS/Glonass, NFC
  • Speicher: 768 MB (RAM), 4 GB interner Speicher (davon sind 2 GB frei verfügbar)
  • Akku: 380 mAh
  • Betriebssystem: Tizen OS
  • Sensoren: Beschleunigungssensor, Lagesensor, Höhenmesser, Barometer, Pulsmesser, Umgebungslichtsensor
  • Sonstiges: Kompatibel mit Standard 22 mm-Armbändern, integrierter Lautsprecher, induktives Laden

Einfach drehen

Was uns an den beiden Gear-Modellen gut gefällt, ist das Bedienungskonzept mit der drehbaren Lünette. Samsung hatte diese bereits mit der S2 eingeführt. Mit der Lünette kann man sehr einfach durch Funktionen, Widgets und Apps durchscrollen ohne das Touch-Display berühren zu müssen.


Drehen an der Lünette. Gear S3 Classic. Quelle: Samsung

Die gesamte Bedienung ist sehr einfach und logisch aufgebaut. Mit einem Klick auf den unteren Button hat man Zugriff auf alle Apps, und wenn man direkt an der Lünette dreht, kann sich durch eine Reihe von Widgets wählen.

Die Drehbewegung ist auch ganz natürlich um Musik lauter oder leiser zu machen, zum nächsten Track zu springen oder das Display heller oder dunkler einzustellen. Wenn man die Uhr am Handgelenk trägt, ist das zudem viel praktischer als ständig Knöpfe an der Seite zu drücken.

„Die Bedienung mit der drehbaren Lünette ist wirklich einzigartig, sie ist praktisch und schnell zu verstehen.“ (Monk-Trader von hitzestau.com)

Betriebssystem und Einstellungen

Wie schon die Gear S2, läuft auch die Gear S3 mit dem Samsung-eigenen Betriebssystem Tizen. Sie läuft sehr flüssig, die Apps starten schnell und auf Eingaben reagiert sie ohne Verzögerungen. Einzig Updates und das Herunterladen und Installieren von Apps dauern eine gefühlte Ewigkeit.

Wenn man seine Gear in Betrieb nimmt und mit dem Smartphone gekoppelt hat, ist sicher etwas vom ersten was man tun möchte, das Anpassen des Zifferblatts. Hier bietet die Uhr umfangreiche Möglichkeiten, die Zifferblätter in der Farbe anzupassen oder so genannte Komplikationen – also kleine Anzeigen von Wetter, Puls oder Akkuladung – zu integrieren. Je nach Zifferblatt sind die Möglichkeiten sehr unterschiedlich. Hier nur ein Beispiel:

Das Standardzifferblatt der S3 Frontier hingegen ist erstens nur für dieses Modell verfügbar und lässt sich nicht anpassen.

„Die Zifferblätter der Gear Smartwatches von Samsung lassen sich sehr individuell gestalten. Es gibt analoge wie auch digitale Anzeigen.“ (Archangel von hitzestau.com)

Wer bei den vorhandenen Zifferblättern nicht fündig wird, kann sich im Store, der in der Gear App integriert ist, zusätzliche Zifferblätter kaufen und herunterladen. Dort gibt eine eigene Kategorie für Zifferblätter von Drittanbietern, sogar die berühmte Schweizer Bahnhofsuhr ist vertreten.

Was die Konfiguration der Uhr angeht, hat Samsung die Aufgaben zwischen dem gekoppelten Smartphone und der Uhr verteilt. Auf der Uhr gibt es eine Einstellung-App wo man beispielsweise die oben beschriebene „Always On“-Funktion des Displays aktivieren kann. Wischt man auf dem Display von oben nach unten, hat man ähnlich wie bei Android schnell den Zugriff auf Dinge wie Lautstärke, Helligkeit oder Flugzeugmodus (Screenshots unten links). Das ist sehr praktisch, weil man sich nicht lange durch Menüs durchwählen muss. Auch die Wigets lassen sich direkt auf der Uhr editieren (Screenshots unten rechts): einfach länger auf ein Widget drücken und schon kann einzelne Widgets löschen oder die Reihenfolge ändern.

Die Gear App auf dem Smartphone gibt auf der Startseite die wichtigsten Status-Infos zur verbundenen Uhr.

Unter Einstellungen kann man Sachen wie Benachrichtigungen und Verbindungen konfigurieren und Einstellungen zu einzelnen Apps vornehmen. Auch die Apps selber lassen sich neu sortieren.

Jenachdem wie viele Apps man installiert hat, verteilen sich diese auf der Uhr auf mehrere Screens.

Im Alltag

Die Gear S3 wie auch die S2 sind praktische Begleiter im Alltag. Ihr Vorteil ist, dass sie nicht mit Funktionen überladen sind, sondern sich aufs Wesentliche beschränken. Zudem sind sie universeller ausgerichtet, so kann man mit dem Musikplayer auf der Uhr verschiedene Musik-Apps wie beispielsweise Spotify oder Google Play Music auf dem Smartphone steuern. Die Uhr wird dann zu einer Fernbedienung, das Smartphone kann in der Tasche bleiben.

Das Display gehört zu den Stärken der beider Gear-Modelle. Es ist nicht nur gestochen scharf, sondern auch draussen bei Sonnenschein gut ablesbar. Auch das Lesen von kurzen Texten, seien es SMS oder News via Flipboard, ist gut machbar.

Für die S3 hat Samsung das Zusammenspiel von Uhr und Smartphone um neue Funktionen erweitert: Man kann einen Anruf auf der Uhr annehmen und dann später ans Smartphone weiterreichen. Die Tonqualität des Gesprächs ist mehr als ausreichend. Generell ist die Verknüpfung von Uhr und Smartphone recht stabil und auch funktionell gut gemacht: So lassen sich zum Beispiel News von Flipboard mit einem Klick direkt auf dem Telefon öffnen. Auf dem linken Screenshot seht Ihr die Anzeige der Schlagzeile einer Newsmeldung. Wenn man nach unten scrollt, wird der Link anzeigt, mit dem sich der Artikel direkt auf dem Smartphone öffnen lässt.

Für die Gear S3 hat Samsung neu ein praktisches Feature eingeführt: Um Nachrichten direkt auf der Uhr zu schreiben, kann man die einzelnen Buchstaben direkt mit dem Finger auf dem Display „zeichnen“. Die Erkennung der einzelnen Zeichen klappt sehr gut, so dass man kurze Texte verfassen und versenden kann, ohne das Smartphone bemühen zu müssen. Damit dies funktioniert, muss die Sprache auf Englisch eingestellt sein.

Nicht für alles braucht die Uhr das gekoppelte Smartphone. Das neu integrierte GPS gibt dem Anwender mehr Freiheit, wenn man etwa als Jogger zurückgelegte Strecken erfassen will. Und um dann unterwegs Musik zu hören, braucht es ebenfalls nicht zwingend das Smartphone. Auf der Uhr lassen sich Songs speichern, die sich via Bluetooth-Kopfhörer abspielen lassen.

Der digitale Assistent S Voice kann zwar auf verschiedenen Sprachen wie Deutsch oder Englisch eingestellt werden, hat aber bei uns im Test nie richtig funktioniert.

Laden und Stromverbrauch

Die Gear S3 wird zusammen mit einer Ladestation geliefert, in der sie via Induktion aufgeladen wird. Eine volle Ladung reicht aus unserer Erfahrung für rund zwei Tage. Das hängt natürlich auch davon ab, was man mit der Gear S3 alles macht und welche Funktionen ständig im Hintergrund aktiv sind und ebenfalls Strom verbrauchen. Dazu gehören Dinge wie Pulsmesser oder Schrittzähler. Die „Always-on“-Funktion des Displays führte aber nie dazu, dass der Akku zu schnell leer wurde. Zum Aufladen braucht die S3 zwischen zwei bis drei Stunden. Bei der Gear S2 wird der Akku mit der „Always-on“-Funktion stärker beansprucht, sie muss dann jeden Tag aufgeladen werden.

Vielfalt oder einfach eine Uhr?

Mit den vorinstallierten Apps hat man eigentlich schon alle wichtigen Funktionen, die zu einer Smartwatch gehören. Im Store stehen weitere Apps wie beispielsweisse Uber oder ein Auswahl von Spielen zur Verfügung.

„Genauso wie mit einem Smartphone probiert man an Anfang viele Funktionen und Einstellungen aus. Im Alltag reduziert sich dann die normale Nutzung auf wenige Funktionen, wo die Uhr einem persönlich einen Mehrwert bieten kann. Abgesehen vom Anzeigen der Zeit waren das bei mir die Benachrichtigungen sowie die Fernbedienung von Spotify zum Musikhören. Zudem war es manchmal praktisch, SMS direkt auf der Uhr zu beantworten.“ (Archangel von hitzestau.com)

Zusammenspiel mit anderen Smartphones

Mit anderen Android-Geräten

Die Gear App steht unter Android auch für Smartphones anderer Hersteller zum Download zur Verfügung. Wir haben die Gear S2 in Verbindung mit einem HTC 10 und die S3 zusammen mit dem Acer Liquid Z6 Plus getestet und keine Probleme gehabt. Wer Wert auf die Fitness-Funktionen legt, kann die S Health-App ebenfalls auf seinem Smartphone installieren.

Mit iOS

Seit Januar 2017 steht die Gear App auch für iOS-Geräte im App Store von Apple zur Verfügung. Koppeln mit der iPhone funktioniert genauso reibungslos wie mit einem Samsung Smartphone. Zudem sind unter iOS die Funktionen von S Health direkt in die Gear App integriert.

Wer die Gear S3 in Verbindung mit einem iOS-Gerät nutzt, muss bei den Funktionalitäten ein paar Abstriche machen. Dies betrifft nicht nur die Einstellungs-Möglichkeiten in der App, sondern auch das Zusammenspiel zwischen Uhr und Smartphone. Ein einfaches Beispiel sind eingehende SMS. Man kann sie zwar auf der Uhr ohne Probleme lesen, jedoch nicht drauf antworten. Dafür muss man wieder zum iPhone greifen. Dasselbe gilt auch für das Annehmen von Anrufen. Man kann zwar einen Anruf annehmen, aber dann doch nur auf dem Smartphone telefonieren. Auch das Schreiben von Buchstaben auf dem Display der Uhr funktioniert nicht, wenn sie mit einem iPhone gekoppelt ist.

„Es ist sicher gut, wenn Samsung es auch iPhone-Nutzern ermöglicht, die Gear S3 zu benutzen. Es ist jedoch klar, dass man den kompletten Feature-Umfang der Uhr nur in Verbindung mit einem Android-Gerät nutzen kann.“ (Archangel von hitzestau.com)

Modelle, Zubehör und Preise

Die Samsung Gear S3 ist in zwei Design-Varianten erhältlich, die sich an unterschiedlichen Lebensstilen orientieren: „Frontier“ und „Classic“. Die Gear S3 ist zudem mit gängigen 22-mm-Armbändern kompatibel, so dass Träger die Uhr nach ihren persönlichen Vorlieben Anlässen anpassen können. In der Schweiz ist sie zu einem Preis von 449.00 Schweizer Franken (UVP) erhältlich. Zudem ist die Gear S2 weiterhin erhältlich, in der Sport-Version kann man sie ab rund 230.00 Franken erwerben.

Fazit

Die Samsung Gear S3 überzeugt mit ihrem Design, das an klassische Uhren angelehnt ist, wobei die „Frontier“ unser klarer Favorit ist. Sie ist rund – das ist zwar eine banale Feststellung, trägt aber viel zum Gefühl bei, in erster Linie eine Uhr und nicht einen Mini-Computer am Handgelenk zu haben.

Auch Verarbeitung und Materialen gefallen uns. Auch wenn Design schlussendlich immer auch Geschmackssache ist, hat Samsung bei der Gear S3 (und auch schon bei der S2) eine gute Verbindung zwischen dem analogen Element der Lünette und ihren digitalen Funktionen geschaffen. Damit bieten die Gear-Uhren ein durchdachtes und zugleich einfaches Bedienungskonzept. Mit der Möglichkeit, das Display immer aktiv zu haben, kommt die Uhr dem Gefühl einer herkömmlichen Armbanduhr sogar noch näher.

Als Smartwatch bietet sie einiges an Funktionen, sei es alleine oder im Kombination mit dem Smartphone. Schlussendlich ist es so, dass man sich als Benutzer diejenigen Anwendungen raussucht, die einen am nützlichsten sind im Alltag – und das können auch nur zwei oder drei Funktionen sein.

Der Tragekomfort ist beiden von uns getesteten Modellen sehr gut – wobei die S3 Frontier eher maskulin und schwerer wirkt und die S2 Sport filigraner und schlanker daherkommt. Auch wenn wir das Armband nicht gewechselt haben, ist eine gute Entscheidung von Samsung gewesen, die Gear S3 kompatibel zu handelsüblichen Standard-Armbändern zu machen.

Ihr Betriebssystem Tizen läuft stabil, dasselbe gilt für die Verbindung zum gekoppelten Smartphone. Die Gear App für iOS sicher ein lobenswerter Schritt in die richtige Richtung, aber die Implementation lässt aus Anwendersicht noch zu wünschen übrig.

Auch wenn in diesem Text unser Fokus auf dem neueren Modell der Gear S3 lag, ist auch die Vorgängerin S2 immer noch eine solide Smartwatch. Die Stärken von Gear S3 und S2 liegen im Design das einer analogen nachempfunden ist und dem Bedienungskonzept mit der drehbaren Lünette. Zudem sind sie nicht mit Features überladen, sondern fokussieren sich auf die grundlegenden Funktionen – und das machen sie richtig gut.


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