Nachdem wir im ersten Teil die Hardware, Ausstattung und Kamera des Samsung Galaxy Note 8 unter die Lupe genommen haben, gehen nun auf verschiedene Design-Aspekte ein. Im Gegensatz zum normalen Stil unserer Reviews widmen wir diesen einen ganzen Artikel, da sie die Erfahrung mit dem Gerät im Alltag sehr stark beeinflussen. Wie in der Einleitung angekündigt, stellen wir diese unter das Motto „Funktionalität über Design?“

Als erstes schauen wir uns das Thema Biometrie näher an.

Biometrie

Wenn man mit dem Smartphone irgendetwas machen will, ist der erste Kontakte mit dem Gerät üblicherweise das Entsperren. Der Fingerprintscanner befindet sich auf der Rückseite neben der Kamera und damit an einer denkbar schlecht zu erreichenden Stelle. Nimmt man das Note 8 in die Hand, ist es fasst nicht möglich, es zügig zu entsperren, auch wenn man nicht den Daumen sondern beispielsweise den Zeigefinger eingescannt hat.


Fingerprint-Scanner auf der Rückseite. Quelle: Samsung

„Um das Note 8 mit dem Finger zu entsperren, musste ich mir eine völlig neue Handhabung überlegen. Ich habe das Gerät in die linke Hand genommen, es gedreht, den Zeigefinger der rechten Hand auf den Scanner gehalten und dann wieder umgedreht. Das ist sehr umständlich, das Entsperren muss eigentlich einhändig funktionieren.“ (Monk-Trader von hitzestau.com)

Das Fehlen des Homebutton auf der Frontseite hat aber noch einen anderen Effekt. Es fehlt ein Orientierungspunkt, so dass man nicht mehr so schnell sieht wo oben und unten ist, wenn das Display ausgeschaltet ist.

Das eigene Gerät zu entsperren, ist mit dem Note 8 gar nicht so einfach, denn auch die beiden anderen biometrischen Möglichkeiten sind nach unserer Erfahrung für den Alltag zu wenig ausgereift, da sie nicht schnell und präzise genug funktionieren. Es geht um die Gesichtserkennung und den Iris-Scanner.

Die Gesichtserkennung arbeitet mit zwei unterschiedlichen Präzisions-Stufen, die so genannte „schnellere Erkennung“ wird standardmässig benutzt, wenn man die Gesichtserkennung aktiviert. Sie lässt sich laut Testberichten sogar mit Fotos von Gesichtern austricksen. Bei unserem Test hat die Gesichtserkennung in beiden Modi oft nicht funktioniert und die Eingabe des PIN’s verlangt. Eine mögliche Ursache kann das Umgebungslicht sein, auch mit Brillenträgern scheint die Gesichtserkennung Mühe zu haben.

Auch der Iris-Scanner ist alles andere als einfach in der Handhabung: Damit er funktioniert, muss man das Gerät sehr genau in einem bestimmten Abstand und Winkel vor dem Gesicht halten. Das ist sehr unnatürlich und führte bei uns zu vielen Fehl-Einlesungen und damit zur PIN-Eingabe. Die grösste Herausforderung beim Iris-Scanner ist, dass er viel Zeit braucht und oft auch ein zweiter Anlauf nötig ist. Mit Brille funktioniert er überhaupt nicht.


Iris-Scanner. Quelle: Samsung

„Um das Note 8 schnell und ohne Umwege zu entsperren, sind wir dann wieder wie im Jahre 2007 beim PIN gelandet. Da ist die Gefahr gross, dass man aus Gründen der Bequemlichkeit diese auch weglässt.“ (Monk-Trader von hitzestau.com)

Displaygrösse und Gehäuse-Proportionen

Wie wir im ersten Teil schon beschrieben haben, hat Samsung beim Note 8 – wie schon beim Galaxy S8 und S8+ – die Proportionen vom Gehäuse verändert. Das Gerät, und damit das Display, sind weniger breit, dafür länglicher.

„Und mit dem 6.3 Zoll Display ist da eine gewisse Grenze überschritten. Mit einem kleineren Display funktioniert das Seitenverhältnis sehr gut, aber das Note 8 ist für mich einfach zu gross.“ (Archangel von hitezstau.com)

Damit bekommt das Gerät eine Tendenz, eine gewisse Hebelwirkung zu entfalten, wenn man es in einer Hand hält. Diesen Effekt haben wir schon beim Galaxy S8+ festgestellt, wobei er beim Note 8 nicht mehr ganz so stark ausgeprägt ist.

Zum Infinity-Design gehört auch der nach unten abgerundete Display-Rand. Es ist nicht gerade angenehmer oder leichter, Texte zu lesen, die ganz an den linken oder rechten Rand hinaus gehen. Die Abrundungen machen es aber auch schwerer, mit dem S Pen etwas bis ganz an den Rand hinaus zu markieren. Und sie bedeuten in der Praxis, dass der nutzbare Platz auf dem Display für den S Pen nochmals schmaler wird.


Arbeiten mit dem S Pen. Quelle: Samsung

„Abgerundete Displayränder und das schmale 2:1-Format sind keine gute Kombination für den S Pen. Mit dem Stift braucht man auch Platz in der Breite, und der fehlt beim Note 8 explizit. Die alten 16:9-Proportionen der Vorgängermodelle haben besser zur Stifteingabe gepasst.“ (Monk-Trader von hitzestau.com)

Akku

Auf das Laden des Akku sind wir bereits im ersten Teil eingegangen. Bei uns hat sich die Lebensdauer einer Akkuladung immer als ausreichend erwiesen und explizite Probleme nach einer Tiefentladung des Akku hatten wir auch nie.

Trotzdem fragen wir uns, ob das Konzept Business-Smartphone und ein fest verbauter Akku wirklich zusammenpassen. Wäre das Note 7 mit einem Wechselakku ausgestattet gewesen, hätten sich die Probleme vielleicht leichter lösen lassen. Aber es ist unterdessen branchenüblich, Smartphones mit fest verbautem Akku zu designen. Es ist aber auch eine technische Tatsache, dass ein Akku mit einer gewissen Lebensdauer auch an Leistung verliert. Wer sein teuer bezahltes Smartphone länger ein Jahr benutzen möchte, sollte eigentlich erwarten dürfen, das auch im zweiten und dritten Lebensjahr ohne Leistungseinbussen zu tun können. Ein selber durchgeführter Akkuwechsel, wie er noch beim Note 4 möglich war, würde einerseits die Lebensdauer des gesamten Geräts verlängern und vielleicht auch mal den Nutzer über einen extra-langen Tag hinweg „retten“. So gut die modernen Akkus auch sind, eine gewisse „Achillesferse“ sind sie bis heute für Smartphones geblieben.

Die Ereignisse um das Note 7 herum hätten für Samsung ein Anlass sein können, das Konzept der fest verbauten Akkus nochmals zu überdenken. Ein Business-Smartphone mit Wechselakku würde nicht nur die Langlebigkeit des Geräts unterstreichen, es würde auch das Note-Konzept stärker von den Galaxy S-Smartphones abgrenzen. Das ist ein Thema, auf das wir im nächsten Kapitel näher eingehen werden.

Kannibalisierung

Den S Pen als Alleinstellungsmerkmal haben wir bereits im ersten Teil angesprochen. Aber abgesehen davon sind in den letzen Jahren die Unterschiede zwischen den Modellen der Note-Reihe und den Galaxy-S Smartphones von Samsung kleiner geworden, oder um es anders ausdrücken, hat eine gewisse Kannibalisierung stattgefunden. Immer mehr Funktionen und Features sind vom Note zu den Galaxy S Modellen abgewandert, so dass dem Note eigentlich nur noch der S Pen als Besonderheit geblieben ist.

Schauen wir ein paar Jahre zurück ins Jahr 2014: Da waren die Verhältnisse noch klar. Das Galaxy S5 war ein handliches Smartphone mit einem 5.1 Zoll Display und das Note 4 war mit dem 5.7 Zoll Display deutlich grösser und hatte als zusätzliche Eingabemöglichkeit den S Pen. In demselben Jahr führte Samsung mit einer Sonderedition, dem „Note Edge“ zum ersten Mal den abgerundeten Displayrand ein. Der Rand auf der rechten Seite war abgerundet, und zwar viel stärker, als es bei späteren Modellen der Fall war. Mit ihm verbunden waren das Aufrufen von speziellen Funktionen und das Anzeigen von zusätzlichen Informationen.


Das allererste Samsung Note Edge. Quelle: Samsung

Im 2015 übernahm das Galaxy S6 Edge dieses Konzept in einer beidseitigen, leicht schmaleren Variante. Das Note 5 aus demselben Jahr – welches gar nicht oder erst viel später in manchen europäischen Ländern in den Handel kam – war hingegen noch flach und mit Gehäuse-Rand. Erst das Note 7, ein Note 6 gab es nie, übernahm dann als erstes Modell der Note-Reihe den beidseitig abgerundeten Displayrand. Es wurde jedoch wegen Akkuproblemen kurz nach der Einführung vom Markt genommen und verkaufte Geräte wurden zurückgerufen. Unterdessen sind die „Edge-Funktionen“ sowohl bei den Note-Geräten wie auch auf den Galaxy-S Smartphones zu finden. Die Idee vom Anzeigen zusätzlicher Informationen ist jedoch verschwunden, die abgerundeten Displaykanten sind geblieben.


„Edge Apps“ auf dem Note 8. Quelle: Samsung

Und wer ein Smartphone mit grossem Bildschirm möchte, muss auch nicht mehr unbedingt zu einem Note greifen: Das S7 Edge hatte mit 5.5 Zoll Diagonale bereits ein ähnlich grosses Display wie das Note 7 mit 5.7 Zoll. Und die 2017er-Modelle haben miteinander gleich gezogen: Note 8 und Galaxy S8+ sind beide mit einem 6.3 Zoll Display ausgestattet.

Fazit

Am Anfang unseres Reviews haben wir die Frage gestellt, ob beim Galaxy Note 8 das Design über die Funktionalität gestellt wurde. Für uns lautet die Antwort: Ja. Ganz nüchtern betrachtet ist es ein Top-Smartphone. Weder an der Verarbeitung noch an der Rechenleistung oder der Sprach- und Displayqualität gibt es etwas auszusetzen. Die Bilder der Kamera sind von der Qualität auf der Höhe der Zeit, einzig die Bedienung der Kamera-App ist zu sehr mit Fehleingaben behaftet.

Es sind jedoch die verschiedenen Designentscheidungen, die Samsung getroffen hat, welche uns nicht zusagen und daher unser persönliches Fazit zum Gerät stark beeinflussen. Die Note-Reihe von Samsung hat sich nach dem Note 4, welches aus unserer Sicht auch heute noch eine hohe Wertigkeit besitzt, nicht unbedingt positiv weiterentwickelt. Die Position des Fingerprints auf der Rückseite ist der grösste „Sündenfall“ des Infinity-Designs, da ist es unverständlich wie das bei der Entwicklung scheinbar alle internen Tests bestanden hat. Und die anderen biometrischen Möglichkeiten zur Entsperrung sind aktuell in unserer Erfahrung noch nicht alltagstauglich.

„Für mich stellt sich die Frage, ob es ein Smartphone mit Stift überhaupt noch braucht. Für die Stifteingabe ist aus meiner Erfahrung ein Tablet wie das  Galaxy Tab S3 besser geeignet, weil das Display grösser ist.“ (Archangel von hitzestau.com)

„Das Konzept vom Note hat für mich immer noch eine Daseinsberechtigung. Ich würde jedoch ein Gerät mit den 16:9-Displayproportionen und flachem Rand bevorzugen, da es mir für produktive Anwendungen beim Note 8 einfach am notwendigen Platz in der Breite fehlt. Und auf Grund der reinen Grösse des Note 8 empfehle ich für längere Telefongespräche dringend ein Headset, da es nicht bequem ist, das Gerät länger ans Ohr zu halten.“ (Monk-Trader von hitzestau.com)

Das Thema Updates haben wir im Artikel nicht speziell angesprochen: In der Zeit wo wir das Gerät getestet haben (Ende September bis Dezember 2017) ist nur ein einziges Update (anfangs Dezember) erschienen. Was es endlich braucht, ist eine bessere Updatepolitik, welche die Sicherheits-Patches wirklich zeitnah auf die Geräte bringt. Das ist allerdings kein reines Samsung- oder Note-Problem, sondern ein Thema, mit dem alle Android-Geräte zu kämpfen haben.

Inhaltsverzeichnis

Samsung Galaxy Note 8: Hardware-Vorstellung
Samsung Galaxy Note 8: Funktionalität über Design?


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