Ein Blogbeitrag mit den Begriffen „Donald Trump“, „Fake“ und „Twitter“ muss fast unweigerlich aufs Glatteis führen – wir versuchen es trotzdem. Twitter als beliebtes Social Network von Politikern muss man dieser Stelle nicht vorstellen, das Konzept von „Fake-“ oder „alternativen“ News und Fakten wohl ebenso wenig.

Den Tweets des neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump wird nachgesagt, sie könnten Börsenkurse beeinflussen oder internationale Konzerne so unter Druck setzen, dass sie ihre Entscheidungen überdenken. Der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen dürfte schwer bis unmöglich zu überprüfen sein. Und dabei hat @realDonaldTrump zwar mit aktuell über 23 Millionen Followern auf Twitter sicher eine respektable Anzahl, liegt aber weiter hinter Barack Obama (@BarackObama / 83,9 Millionen) oder Sängerin Taylor Swift (@taylorswift13 / 83,93 Millionen). Auch dem angeblichen „Fake News“-Sender CNN (@cnnbrk) folgen mehr als 45 Millionen. Der beliebteste Twitteraccount ist derjenige von Katy Perry (@katyperry) mit 95,6 Millionen.

Wen man sich über das tägliche Geschehen auf den Newsseiten oder via Fernsehnachrichten informiert, fällt auf, das Twitter immer häufiger als Quelle für ein Statement oder eine Ankündigung eines Politikers genannt wird. Was früher per Pressemitteilung über die Ticker der Redaktionen lief, wird heute einfach an die eigenen Follower geschickt – eine bunte Mischung aus Journalisten, Wählern und politischen Gegnern. Viele Medien nehmen die kleinen Info-Häppchen dankbar auf. Twitter kann aber auch als Plattform für Bürgerprotest dienen. So sammelt der Account @Trump_Regrets alle Tweets von Personen die Trump gewählt haben, aber nun von ihm enttäuscht sind.

Für die Verbreitung von politischen Botschaften via Twitter haben sich Begriffe wie „Twitter Diplomacy“ oder „Twiplomacy“ eingebürgert. Die internationale Beratungsagentur Burson-Marsteller hat dazu im vergangenen Jahr sogar eine Studie verfasst. Demnach ist Twitter der beliebteste Social Media-Kanal bei Regierungschefs und Aussenministern. Vertreter von 173 Staaten sind auf Twitter präsent und erreichen damit ein Publikum von über 320 Millionen Menschen. Die meisten Staaten ohne offiziellen Twitter-Account kommen aus dem pazifischen und asiatischen Raum. Facebook ist ebenfalls sehr beliebt in Regierungskreisen, alle anderen Social Networks liegen bezüglich Anzahl Accounts und Follower weit dahinter.


Quelle: twiplomacy.com

Wenn man über die Anzahl Follower spricht, kommt man um den Begriff „Fake Follower“ nicht herum. Darunter fallen alle Accounts, hinter denen keine reale Person oder eine Institution steht, sondern Bots. Solche Accounts werden unter anderem betrieben, um einzelnen Meldungen mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, indem sie Tweets automatisch weiterverbreiten und liken. Dass man Follower für Facebook oder Twitter kaufen kann, ist eine alte Geschichte. Wer für seinen lokalen Fussballverein 1000 chinesische Follower kauft, wird damit allerdings schnell auf die Nase fallen. Mit Hilfe der Seite von twitteraudit.com lassen sich Fake-Follower entlarven und die vielleicht sehr hohen Zahlen etwas relativieren. Mit @realDonaldTrump haben wir die Probe aufs Exempel gemacht:


Quelle: Screenshot twitteraudit.com

Natürlich darf man die Zahlen nicht für absolut bare Münze nehmen, denn sie sind nur eine Hochrechnung basierend auf den Analyse-Kriterien von twitteraudit.com: Jeder Audit basiert auf einer zufälligen Auswahl von 5000 Followern, die nach der Anzahl Tweets, dem Datum des letzten Tweets sowie dem Verhältnis von Followern zu Freunden analysiert und bewertet werden.

Am besten ist es immer noch, man macht sich ein eigenes Bild der Politiker und Behörden auf Twitter. Um den Einstieg etwas zu erleichtern haben wir angefangen, die Twitter-Liste „twitter_diplomacy“ (Link kann auf Mobilgeräten ohne Twitter-App Probleme verursachen) zusammenzustellen. Hier findet Ihr die Twitter-Accounts von internationalen, europäischen und Schweizer Politikern, Regierungsbehörden und politischen Parteien. Wir ergänzen die Liste laufend, wenn Ihr euren Lieblings-Politiker oder eine wichtige Behörde vermisst, hinterlasst doch einfach einen Hinweis in den Kommentaren.


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2 Antworten : “Politik auf Twitter: 140 Zeichen Glatteis”

  1. Danke für den text, kann aber auf die Liste auf meinem iPad nicht zugreifen, es kommt nur die Meldung, die Seite existiere nicht.

    • hitzestau sagt:

      hab ich auch eben gemerkt, danke für den Hinweis. Auf Mobilgeräten will Twitter den Link in die Twitter-App umlenken. Wenn man die nicht drauf hat, kann es zu Fehlermeldungen kommen.

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