Autor: Archangel

Die Grüne Partei der Schweiz hat am Montag ihre Forderungen für fair produzierte, langlebige und energiesparende Computer, Smartphones, Tablets und Serverzentren vorgestellt. Zur Umsetzung soll die Schweizerische Regierung mit allen grossen Herstellern so genannten Branchenvereinbarungen schliessen, um dafür zu sorgen, dass in der Schweiz vermehrt Computer, Tablets und Smartphones gekauft werden, die möglichst lange halten und günstig repariert werden können.

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Alle Geräte sollen einfach zu reparieren sein.

Eine konkrete Vorstellung wie das in der Praxis aussehen soll bleiben die Grünen – wie so oft – allerdings schuldig. Hier wird wieder einmal die bei Politikern so beliebte Rhetorik von der „Vorreiterrolle“ der Schweiz propagiert. Es ist eine Illusion zu glauben, dass Konzerne wie Apple, Samsung oder Sony, die für eine globalen Markt produzieren, sich von der Schweiz vorschreiben lassen, wie ihre Produkte in Zukunft auszusehen hätten.

Und auch der in der aktuellen Medienberichterstattung wieder beschworene Druck der Konsumenten, mit dem sie angeblich die Hersteller zu Veränderungen bewegen können, ist nur ein Luftschloss. Über sogenannt „faire“ oder „ökologische“ Produkte wird seit Jahren viel geredet und geschrieben – nur der Trend der Hersteller geht in die andere Richtung: Im Jahreszyklus oder kürzer werden neue Produkte auf den Markt geworfen. Ob sie markante technische Weiterentwicklungen darstellen oder nicht, spielt keine Rolle. Wer heute ein Smartphone kauft, erwirbt nicht nur ein Stück Technik, er taucht in eine Erlebnis- und Gefühlswelt ein – so ist beispielsweise das Samsung Galaxy S4 der „Life Companion“, ein Lebensbegleiter. Egal ob Smartphones, Tablets oder Notebooks – anstatt Schrauben wird in der Produktion heute lieber auf Klebstoff und andere Techniken gesetzt. Nur so lassen sich wirklich dünne und leichte Geräte bauen. Die von den Grünen geplanten Vorschriften würden hier aber das Rad zurückdrehen – eine Richtung, welche die Konzerne wegen den Schweizer Gesetzen natürlich sehr gerne einschlagen werden.

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Die Menge an Elektroschrott steigt von Jahr zu Jahr.

Mich wundert, dass von Seiten der Grünen noch keine Öko-Steuern auf Mobilgeräte und Computer eingeführt wurde. Geräte, die nicht ihrer Ideologie entsprechen, würden entsprechend mit einer Strafsteuer beim Import belegt. Dies getreu dem Prinzip, das auch bei den Zigarettenpreisen angewandt wird: Wenn weniger geraucht werden soll, erhöht man die Preise. Die Grünen würden sicher gerne sagen können: Um die Menge an Elektroschrott zu senken, müssen die Preise für Smartphones und Tablets regelmässig erhöht werden. So können wir den Schweizer Konsumenten sanft in Richtung von fair und ökologisch verträglichen Produkten umerziehen, bis er keine anderen Produkte mehr kaufen will. Oder kann.


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