Wir wollen Euch hier die Neuerungen der Apple Watch Series 2 vorstellen und auf unsere Langzeiterfahrungen mit der Smartwatch von Apple eingehen. Unser Beitrag basiert auf unserem Review zur ersten Apple Watch, hier wollen wir uns auf das konzentrieren, was Apple gegenüber dem Vorgänger verändert und weiterentwickelt hat.

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Unser Test-Watch: Apple Watch Edelstahl 42mm, Sportarmband, weiss. Quelle: Apple

Hardware-Neuerungen

Die neue Apple Watch ist wasserdicht bis 50 Meter und enthält ein eigenständiges GPS-Modul, welches unabhängig vom iPhone funktioniert, mit dem sie gekoppelt ist. Dieses ergänzt die bisherigen vier Sensoren (Herzfrequenz, Beschleunigung, Gyroskop, Umgebungslicht).

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Rückseite mit dem Sensorlicht für die Herzfrequenz. Quelle: Apple

Am Design der Apple Watch hat sich gegenüber der Watch Series 1 nichts Grundlegendes verändert. Die Abmessungen sind gleich geblieben, das Gehäuse ist jedoch rund 1mm dicker und ein paar Gramm schwerer geworden. Im Inneren arbeitet ein neuer Dual Core-Prozessor, eine verbesserte Grafikeinheit und das Display ist um einiges heller geworden als beim Vorgänger-Modell. Für die Display-Abdeckung kommen weiterhin zwei unterschiedliche Materialen zum Einsatz: Bei den Gehäusen aus Edelstahl wird Saphirglas verwendet, bei den Aluminium-Gehäusen ist es Ion‑X Glas, welches weniger kratzfest ist.

Aufgeräumtes watchOS 3

watchOS 3, das Betriebssystem der Apple Watch, wurde stark überarbeitet. Apps starten schneller und das gesamte Erlebnis mit der Watch wirkt flüssiger. Beliebte Funktionen wie beispielsweise Time Travel sind nicht mehr standardmässig aktiv, was bei manchen Usern zur Verwirrung geführt hat. Time Travel kann in der Watch-App auf dem iPhone in den Einstellungen unter dem Menüpunkt „Uhr“ aktiviert werden und funktioniert dann wie gewohnt.

Zudem bringt watchOS 3 im Vergleich zum Vorgänger ein verbessertes Bedienungskonzept. Zentral dabei sind das sogenannte Dock sowie das Kontrollzentrum. Wir wollen hier beide kurz erklären.

Dock

Die Dock-Anzeige funktioniert ähnlich wie der Taskmanager auf einem Smartphone. Man öffnet sie mit einem Klick auf die Seitentaste der Apple Watch – vergleichbar mit dem Doppelklick auf die Home-Taste beim iPhone. Um durch die zuletzt geöffneten Apps zu blättern, kann man mit dem Finger hin- und herwischen oder an der Krone drehen. Zudem lassen sich Apps auch direkt ans Dock anheften, so dass man von hier aus auf seine wichtigsten Apps zugreifen kann. Das Dock löst das Konzept der „Checks“ von watchOS 2 ab, welche jedoch nur eine Zusammenfassung der wichtigsten Daten einer App darstellten. Via Dock kann man nun direkt auf die App selber zugreifen. Dies ist nicht nur einfacher und sinnvoller, sondern geht auch schneller.

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Screenshot Dock von watchOS 3. Quelle: Apple

Kontrollzentrum

Mit dem Finger von unten hoch wischen öffnet das Kontrollzentrum. Hier hat Apple neu die Steuerung für die wichtigsten Einstellungen zusammengefasst. So lassen sich der Ladestand der Batterie ablesen, der Flugzeugmodus aktivieren oder die Watch stumm schalten.

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Screenshot Kontrollzentrum watchOS 3. Quelle: Apple

Neue Positionierung

Neben der oben beschriebenen Weiterentwicklung bei der Hardware hat Apple auch bei der Vermarktung einen neuen Weg eingeschlagen. Als die erste Apple Watch vor über zwei Jahren im September 2014 zum ersten Mal vorgestellt wurde, positionierte Apple sie primär als Lifestyle-Accessoire. Neben den Edelstahl- und Aluminiumgehäusen wurde eine spezielle „Watch Edition“-Linie mit Gehäusen aus Gold und entsprechenden Preisen lanciert. Für die Neuauflage der Apple Watch präsentiert Apple nun ein Gehäuse aus weisser Keramik. Die Modelle aus Gold werden nicht mehr weitergeführt.

„Wir haben uns die Watch aus Keramik im Apple Store angeschaut. Der Übergang zwischen Glas und Keramik ist leider nicht ganz so fliessend wie bei unserem Modell aus Edelstahl, aber Keramik als Material fühlt sich sehr angenehm an. Sogar Krone und Seitentaste sind aus Keramik. Das Armband ist leicht angegraut – ein ganz weisses Armband würde meiner Meinung nach noch besser dazu passen.“ (Monk-Trader von hitzestau.com)

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Apple Watch Edition, Keramikgehäuse. Quelle: Apple

Fokus auf Gesundheit und Fitness

Die Apple Watch Series 2 wird von Apple als ein „umfassendes Gesundheitstool“ positioniert. Aus unserer Sicht ist es jedoch wichtig, eine klare Grenze zwischen einem Fitness-Tracker und einem medizinischen Messgerät für Prävention, Diagnose und Behandlung zu ziehen. Die Apple Watch bewegt sich irgendwo dazwischen, wobei man klar sagen muss, dass die Apple Watch keine Zertifizierung der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) als medizinisches Gerät hat. Apple sollte in der Kommunikation sehr sorgfältig auf diese Unterscheidung achten und nicht bei Kunden Erwartungen wecken, welche die Apple Watch und die Health-Apps nicht erfüllen können. Eine FDA-Zertifizierung wird auch nicht angestrebt, wie Tim Cook schon im vergangenen Jahr in einem Interview gesagt hat. Der Hauptgrund ist die Dauer des Zertifizierungs-Prozesses:

„We don’t want to put the watch through the Food and Drug Administration process. I wouldn’t mind putting something adjacent to the watch through it, but not the watch, because it would hold us back from innovating too much, the cycles are too long.“ (Quelle: telegraph.co.uk)

Im Kern geht es um die Genauigkeit der gemessenen Daten und wie diese von den verschiedenen Apps auf Basis von Algorithmen aufbereitet werden. Die Fachzeitschrift JAMA Cardiology hat die Messgenauigkeit der Apple Watch und von Fitness-Trackern für die Herz-Frequenz diesen Herbst genauer untersucht. Die Apple Watch hat zwar mit einer Genauigkeit von 91 % sehr gut abgeschnitten – für ambitionierte Athleten und Patienten, die ihre Herzfrequenz auf einem gewissen Niveau halten wollen oder müssen, empfehlen die Autoren weiterhin Geräte, wie sie von Ärzten und Spitälern verwendet werden.

Unsere Erfahrungen

Das Hardware-Upgrade hat der Apple Watch Series 2 gut getan. Die Watch läuft deutlich schneller, Verzögerungen beim Starten von Apps oder dem Laden von Inhalten sind seltener geworden. Auch das kräftigere Display macht sich gerade draussen positiv bemerkbar.

„Die Kombination von watchOS 3 und der neuen Hardware sorgt für ein flüssigeres Nutzungs-Erlebnis.“ (Archangel von hitzestau.com)

Das überarbeitete Bedienungskonzept des Betriebssystems ist für Umsteiger vom Vorgänger watchOS 2 zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber schlussendlich ist es logischer und ist an Elemente angelehnt, die man auch vom iPhone her kennt – wie zum Beispiel das Dock (angelehnt an den Taskmanager von iOS) oder das Kontrollzentrum mit den wichtigsten Einstellungen, welches unter iOS genau gleich heisst.

Bezüglich Stromverbrauch haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Watch Series 2 etwa jeden zweiten Tag aufgeladen werden sollte.

Im Folgenden ein paar Erfahrungen zusammenfassen, wie die wir beide – Archangel und Monk-Trader – mit der Apple Watch gemacht haben.

Mehr Eigenständigkeit: GPS

Das eingebaute GPS ist ein Schritt in Richtung mehr Selbständigkeit bzw. Unabhängigkeit vom iPhone, mit dem die Watch gekoppelt ist. Die Apple Watch Series 2 kann die genaue Distanz, Strecke und Geschwindigkeit bei Trainings im Freien aufzeichnen, ohne dass man das iPhone dabei haben muss. Wenn Watch und iPhone dann wieder Daten austauschen können, kann man die zurückgelegte Strecke in der Aktivitätsapp auf dem iPhone auf einer Karte anschauen.

Scribble – Schreiben auf dem Display

Wie schreibt man auf einem kleinen Display einen Text? Für eine Tastatur ist kein Platz – mit Scribble liefert Apple die Lösung und zugleich auch ein Highligt von watchOS 3. Mit der Funktion Scribble kann man Buchstabe für Buchstabe mit dem Finger auf dem Display schreiben, um eine SMS oder Nachricht in iMessage zu beantworten. Hier wird die Watch sehr effektiv und sinnvoll genutzt, denn man muss nicht das iPhone in Hand nehmen, um eine Nachricht zu schreiben. Die Schrifterkennung bei der Eingabe funktioniert sehr gut und zuverlässig. Die Zeiten, als man auf vorgefertigte Standard-Texte zurückgreifen musste, sind also vorbei.

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Screenshot Scribble von watchOS 3. Quelle: Apple

Die Funktion ist bei uns jedoch nicht standardmässig aktiv, wer in einer Konversation auf der Watch ganz nach unten scrollt, findet den „Scribble“-Button erstmal nicht. Um Scribble trotzdem nutzen zu können, muss man die Sprache der Konversation auf Englisch umstellen: einfach mit dem Finger auf einen Text der jeweiligen Konversation drücken und dann die Sprache entsprechend ändern. Und schon kann man Scribble benutzen, alle Datums- und Zeitangaben innerhalb des Verlaufs bleiben aber in Deutsch erhalten. Umlaute beherrscht Scribble allerdings nicht.

Neben Scribble gibt es auch die Möglichkeit mit dem Finger kleine Zeichnungen zu machen und diese als Nachricht zu verschicken. Aber Vorsicht, das Gezeichnete wird verschickt, ohne dass man Senden drücken muss!

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Screenshot Digital Touch von watchOS 3. Quelle: Apple

„Scribble ist wirklich sehr praktisch. Gerade an einem Ort, wo man das Smartphone nicht in die Hand nehmen will oder darf, kann man trotzdem Antworten auf der Uhr schreiben.“ (Archangel von hitzestau.com)

Ungenutztes Potential

Apple liefert mit der Watch eine breite Palette an Apps, die sehr viele Funktionen abdecken und gut mit anderen Apps und dem iPhone integriert sind. Obwohl viele weitere Verwendungen für die Apple Watch denkbar wären, kommt man immer wieder an Grenzen, weil es keine passenden Apps gibt.

„Bei der Apple Watch habe ich eine universelle Fernsteuerung für Musikplayer vermisst. Die Watch verfügt zwar über eine Fernsteuerungs-App, diese funktioniert jedoch nicht mit Spotify. Auch für Authentifizierungs-Funktionen wäre die Watch prädestiniert. Die iPhone-App für den Login für Office 365 hat leider keine Watch-Erweiterung. Dabei wäre es viel praktischer, am Handgelenk den Login zu bestätigen als das Smartphone hervor zunehmen.“ (Monk-Trader von hitzestau.com)

Persönlich: 1 Jahr Apple Watch

Zählt man die Erfahrung mit dem ersten Modell dazu, haben wir seit über einem Jahr Erfahrung mit der Apple Watch.

„Die wichtigste Funktion der Apple Watch ist für mich immer noch das Anzeigen der Uhrzeit. Dazu kommen Benachrichtigungen empfangen, den Timer mit Siri stellen und neu das Schreiben von Nachrichten mit Scribble. Die Funktionen um Gesundheit und Fitness sind für mich nie so relevant gewesen.“ (Archangel von hitzestau.com)

Etabliertes Zubehör

Apple hat von Anfang an die Armbänder als Möglichkeit genutzt, um den Style der Uhr die man trägt zu variieren. So ist über die vergangenen anderthalb Jahre eine breite Kollektion an Armbändern in den verschiedensten Farben und Materialien entstanden.

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Quelle: Apple

Alle Armbänder, die Apple bisher in den Verkauf gebracht hat, sind kompatibel zur neuen Watch Series 2, da der Mechanismus für das Befestigen der Armbänder am Gehäuse unverändert geblieben ist. Anderes Zubehör, wie zum Beispiel das Ladedock, können ebenfalls mit der Watch Series 2 verwendet werden.

Line-Up

Die Apple Watch Series 2 ist in zwei verschiedenen Grössen (38 oder 42 mm Gehäusehöhe) und mit zwei verschiedenen Materialen (Aluminium oder Edelstahl) erhältlich. Die Aluminium-Gehäuse gibt es in den Farben Gold, Roségold, Silber und Space Grau. Die Edelstahl-Variante kann in Silber und Space Schwarz gekauft werden.

Zudem gibt es mehrere Sonder-Editionen: die Apple Watch Nike+, die Apple Watch Hermès und die Apple Watch Edition mit einem Gehäuse aus Keramik.

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Apple Watch Nike+. Quelle: Apple

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Apple Watch Hermès. Quelle: Apple

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Apple Watch Edition, Keramikgehäuse. Quelle: Apple

Weiterhin im Verkauf ist die erste Apple Watch. Sie enthält ebenfalls den leistungsstärkeren Prozessor und hat die Bezeichnung „Apple Watch Series 1“ bekommen.

Fazit

Die Apple Watch Series 2 und watchOS 3 machen das Watch-Erlebnis flüssiger, wobei man sagen muss, dass auch die erste Apple Watch nach dem Update auf watchOS 3 einiges zügiger lief als vorher.

In unserem Review zur ersten Apple Watch haben wir die Frage nach dem Produkte-Zyklus gestellt. Mit der Lancierung der Watch Series 2 ist diese Frage nun beantwortet: rund 18 Monate liegen zwischen den beiden Modellen. Im Smartphone-Zeitalter mag das eine halbe Ewigkeit sein, für eine Uhr jedoch ein zu kurzer Zeitraum. Der kurze Produkte-Zyklus mag ein Grund sein, warum Smartwatches nach wie vor mit Akzeptanz-Problemen bei den Kunden kämpfen. Ein anderer Grund mag die Situation bei den Apps sein. Als iPhone-User ist man gewohnt, beinahe jede erdenkliche App im App Store zu finden – bei der Watch ist das leider nicht so komfortabel. Prominente Abwesende sind beispielsweise Spotify und WhatsApp.

Unterm Strich ist die Apple Watch Series 2 eine gute Modell-Pflege. Die grössten Veränderungen liefert watchOS 3, welches auch auf den Vorgänger-Modellen ohne Probleme läuft. Gerade die Überarbeitung des Bedienungskonzepts hat dem OS gut getan. Das Konzept mit dem Dock, wo Apps direkt aufgerufen werden können, ist viel logischer als die alten „Checks“ in watchOS 2. Das grösste Highlight ist Scribble, das direkte Schreiben von Texten auf dem Display.

Für Umsteiger von einer älteren watchOS-Version oder neue Besitzer einer Apple Watch empfehlen wir das online verfügbare Benutzerhandbuch von Apple, hier werden alle Funktionen und Einstellungen sehr anschaulich erklärt.


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