Autor: Archangel

Als Menschen schätzen wir unsere Unabhängigkeit – unter anderem unsere Tagesabläufe und Aktivitäten möglichst spontan zu gestalten und nicht lange im Voraus zu planen oder mit anderen abzusprechen. Zur Unabhängigkeit gehört auch nicht mehr alles, was wir für unser Alltagsleben brauchen, selber besitzen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Mobilität. Wozu ein Auto besitzen, wenn es doch die meiste Zeit nur herumsteht? Klar, man kann jederzeit einstiegen und fahren, aber auch die laufenden Fixkosten wie Steuern und Parkplatzmiete oder Anschaffung und Unterhalt sind nicht immer eine Kleinigkeit.


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Die Möglichkeit Autos zu mieten ist natürlich alles andere als neu. Das geht in der Regel nur mit mehreren Tagen Vorlaufzeit – was eine gewisse Menge Planung bedeutet, aber auch eine Verbindlichkeit mit sich bringt. Wenn man zu einem bestimmten Datum ein Fahrzeug gemietet hat, kann man nicht kurzfristig die Pläne ändern. Hier haben Digitalisierung und Sharing Economy neue Geschäftsmodelle entstehen lassen. Es gibt Plattformen, welche Autobesitzer und andere Personen, welche dasselbe Reiseziel haben, zusammenbringen.

Aber auch die klassische Autovermietung hat sich weiterentwickelt. Bei uns in Basel gibt es den Dienst Catch a Car. Die Fahrzeuge stehen über die ganze Stadt verteilt auf öffentlichen Parkplätzen. Als Catch a Car-Kunde kann man jederzeit via App oder Web eines der Autos reservieren, sofort einsteigen und losfahren. Am Ziel angekommen, kann man das Auto einfach „ausbuchen“ und schon ist es wieder frei für den nächsten – sofern man sich innerhalb der defininierten Catch a Car-Zone befindet. Aktuell gibt es solche Zonen in Basel und in Genf. Das ist kurz zusammengefasst, die Idee hinter Catch a Car.


Spontan einsteigen und losfahren. Catch a Car in Basel

Und das bringt mich zurück zum eingangs erwähnten Gedanken der Unabhängigkeit. Catch a Car ermöglicht es ein Auto zu benutzen ohne lange im Voraus zu planen. Auch wir von hitzestau nutzen den Dienst ab und zu, sei es für den Transport eines Wakü-PC oder einen Grosseinkauf. Unabhängigkeit und Spontanität sind dabei aber nur so gross, wie weit die Technik im Hintergrund mitspielt. Catch a Car und andere Angebote der Sharing Economy sind extrem davon abhängig, dass Server und alle Services, welche es für die komplette Abwicklung der Dienstleistung braucht, ohne Unterbruch und ohne Pannen laufen. Wo früher noch ein Mitarbeiter vor Ort nach dem Rechten sehen konnte, ist man heute schnell aufgeschmissen, wenn etwas nicht funktioniert. Das ist nicht nur aus Sicht des betroffenen Kunden ärgerlich, sondern auch für den Anbieter, weil sein Geschäftsmodell voraussetzt, dass die Technik reibungslos funktioniert.


Direkt via QR-Code das Auto reservieren

Wenn es für den Kunden immer wieder zu Probleme kommt, sinkt natürlich die Zufriedenheit mit der Dienstleistung rapide. So hat Catch a Car seit über einem Monat mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen, die es uns manchmal verunmöglichen den Dienst in Anspruch zu nehmen oder einen Anruf beim Kundendienst erforderlich machen: Reservierte Autos lassen sich nicht öffnen oder stehen gar nicht erst am auf der Karte angezeigten Standort. Oder der traurige Höhepunkt: Da „behauptete“ unser Catch a Car auf einem Parkplatz mitten in Basel, das Fahrzeug könnte nicht ausgebucht werden, weil wir uns ausserhalb der Catch a Car-Zone – also irgendwo ausserhalb von Basel – befinden würden. Was vielleicht noch lustig tönt, ist ärgerlich und schnell mit zusätzlichen Kosten verbunden, weil der Dienst nach Minuten abgerechnet wird. Erst nach einem mühsamen Telefon mit dem Kundendienst war es dann möglich, die Fahrt zu beenden.

Aber auch wenn es ohne technische Probleme abgeht, bei einem Carsharing-Dienst wie Catch a Car gibt es noch einen anderen Faktor, der entscheidend ist: Und das ist die Verfügbarkeit von Fahrzeugen. Dabei geht es nicht um die Anzahl, sondern die Verteilung über das Stadtgebiet. Wenn man öfters auf die Karte von Catch a Car schaut, wo alle verfügbaren Autos eingezeichnet sind, sieht man, dass es Ballungspunkte gibt, wo sich Autos sammeln und ganze Quartiere, in denen so gut wie nie ein Fahrzeug steht. Was nutzt mir ein Carsharing-Dient, wenn ich erst mit Bus oder Tram mehrere Haltestellen weit fahren muss, um zu einem freien Fahrzeug zu gelangen? Da geht aus meiner Sicht die Idee des Dienstes verloren. Catch a Car sollte die Verteilung der Fahrzeuge über das gesamte Stadtgebiet besser beobachten und wenn nötig, schneller mit Umplatzierungen reagieren.


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Klar, die Abhängigkeit von Servern und digitalen Services ist bei vielen Dingen, die wir im Alltag tun, gross. Da ist ein Dienst wie Catch a Car nur ein Beispiel unter vielen. Aber es sind so Momente wie der oben geschilderte, als das Auto den eigenen Standort nicht richtig erkannte, wo ich mich schon selber dabei ertappt habe, die „guten alten Zeiten“ wieder herbeizuwünschen.


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