Mit diesem Beitrag wollen wir unsere Serie zum Thema Mobile Working zum Abschluss bringen. Unser Ziel war es, die oft gehörte Aussage „mit einem Tablet kann man alles machen, was man mit einem Computer auch kann“ genauer unter die Lupe zu nehmen.

In fünf Artikeln sind wir auf unterschiedliche Aspekte eingegangen und haben basierend auf unserer Erfahrung die Unterschiede zwischen Tablets, Convertibles, Notebooks und „klassischen“ Desktop-Rechnern bei der alltäglichen Arbeit sichtbar gemacht. Zudem haben wir Geräte von mehreren Herstellern vorgestellt. Beim Schreiben der Artikel mussten wir unsere ursprüngliche Planung mehrfach anpassen: Am Ende dieses Beitrags findet Ihr dazu das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Artikeln. Zudem sprechen wir in diesem Artikel ein paar Aspekte an, die wir bisher noch nicht berücksichtigt haben.

Im Einstiegsbeitrag hatten wir diese Frage gestellt: „Als Zweitgeräte im Alltag sind uns Tablets, Convertibles, Detachables und Notebooks vertraut – doch was ist genau anders als bei der klassischen Arbeit an einem Desktop-Rechner? Ist es möglich, dieselben Aufgaben zu erledigen oder bieten sich andere Möglichkeiten?“

Nach unserer Erfahrung kann die Antwort auf diese Fragen kein einfaches und pauschales Ja oder Nein sein. Die Antwort müsste eigentlich lauten “es kommt immer drauf an…” – und konkret ankommen tut es auf diese Aspekte:

  • Verständnis beim Anwender, dass Desktop-Rechner und Tablets bezüglich Interaktion und Workflow für unterschiedliche Konzepte stehen.
  • Bereitschaft des Anwenders, seinen gewohnten Workflow gegebenenfalls anzupassen und neue Arten der Interaktion auch zu lernen und zu nutzen
  • Individuelles Einsatz-Szenario des Anwenders

Die kurz zusammengefassten Punkte wollen wir in den weiteren Kapiteln näher ausführen.


Quelle: Shutterstock

Vielfalt an Hardware und Plattformen

Führen wir uns zuerst nochmals die wichtigsten Fakten vor Augen: Die Diversifizierung bei der Hardware hat in den letzten Jahren verschiedene Geräte-Typen hervorgebracht. In Verbindung mit dem jeweiligen Betriebssystem ergeben sich nicht einfach nur grössere oder kleinere Geräte, sondern in erster Linie Geräte mit sehr unterschiedlichen Konzepten. Die grössten Unterschiede sind in diesen beiden Bereichen zu finden:

  • Interaktion: Hier reichen die Möglichkeiten von der Eingabe via Tastatur und Maus bis hin zur direkten Bedienung auf dem Touchscreen mit Finger oder Stift.
  • Workflow: Organisation der Dateiablage und Einbindung von externen Speicherorten (Server oder Cloud) haben entscheidenden Einfluss darauf, wie man als Anwender seine Arbeit organisieren kann.

Geräte, sei es ein Notebook oder ein Tablet, sind heute immer Bestandteil einer Plattform: Dazu gehören ausser der Hardware selbst auch das Betriebssystem und cloudbasierte Dienste – also das Öko-System, in welches das Notebook oder Tablet eingebunden ist.

Technologische Veränderungen

Wie wir in unserem Artikel zur Geschichte der Interaktion mit Computern angesprochen haben, sind Betriebssysteme wie iOS und Android, welche direkt für mobile Geräte entwickelt wurden, Auslöser für einige technologische Veränderungen gewesen. Die Verbreitung von Tablets hat einerseits neue Standards geschaffen, aber manche Technologien fehlen auch auf den mobilen Geräten. Das hat auch Auswirkungen auf ihre konkreten Einsatzmöglichkeiten.

Das Ende von Flash

In der Zeit vor Smartphones und Tablets war Adobe Flash eine Standard-Technologie für interaktive Webseiten. Apple hat ab dem allerersten iPhone Flash nie unterstützt, weil es zu viel Strom verbrauchte und eine hohe Rechenleistung forderte. Mit dem Betriebssystem iOS hat Apple damit eine Entwicklung loszutreten, die dazu führte das Flash generell im Web – also auch für den Desktop-Rechner – an Verbreitung verlor und durch neue Standards wie HTML 5 abgelöst wurde. Dies wirkte sich auch positiv auf die Barrierefreiheit aus und sorgte für ein Umdenken bei Webseitenbetreibern und Entwicklern.

Das bedeutete aber auch, dass anfänglich manche Webseiten nicht korrekt oder gar nicht auf mobilen Geräten dargestellt wurden. Für den Anwender wurde die Interaktion erschwert oder verunmöglicht, wenn zum Beispiel die Navigation oder ein interaktives Element wie ein Formular oder ein Konfigurator auf Flash basierte. Google entfernte den Flash Player für Android erst 2012 aus dem Play Store. Auf den Desktop-Betriebssystemen wird Flash im Jahre 2020 endgültig verschwinden, wie Adobe bereits angekündigt hat. Schon jetzt haben die Browser-Entwickler ihre Unterstützung des Plugins zurückgefahren.

Browser ist nicht gleich Browser

Bleiben wir noch einen Moment beim Browser: Bei den mobilen Betriebssystemen gibt es ja beinahe für jede Aufgabe eine spezielle App. Für den Fall, dass es keine gibt, kann immer noch eine Webkonsole, die im Browser läuft, eine Alternative sein. Bei speziellen Aufgaben wie beispielsweise der Administration von Servern kann man aber dann mit einem iOS- oder Android-Tablet an Grenzen stossen. Das liegt in erster Linie daran, dass die Browser zwar die selben Namen tragen wie auf dem Desktop-Rechner, ihr technologischer Unterboden auf dem Tablet jedoch nicht derselbe ist.

Ein ganz konkretes Beispiel: Um den vSphere Hypervisor von VMware zu administrieren, gibt es vom Hersteller keine App. Die Browser-Konsole, die man sonst am Desktop-Rechner verwendet, kann man auf einem iOS- oder Android-Tablet aber auch nicht benutzen, da diese immer noch Flash voraussetzt, und dies auf den Tablets schlicht nicht unterstützt wird. HP hat dies etwas besser gelöst. Um via die so genannte ILO-Schnittstelle auf einen HP-Server zugreifen zu können, hat HP eine eigene App entwickelt.


App für ILO-Schnittstelle von HP. Quelle: itunes.apple.com

Technologische Unterschiede zwischen Mobile- und Desktop-Browser machen sich auch in anderen Bereichen bemerkbar, und zwar in der Kommunikation zwischen Browser und einem Server. Relevant ist dies zum Bespiel, wenn man eine Webseite mit WordPress betreibt: Man kann zwar für Plugins den Update-Vorgang starten, aber die Rückmeldung vom Server, dass das Update abgeschlossen worden ist, wird nie angezeigt. Der Browser auf dem iOS-Tablet kann die Rückmeldung vom Server nicht verarbeiten, weil er nicht den kompletten WebRTC-Standard (Web Real-Time Communication oder zu Deutsch Web-Echtzeitkommunikation) unterstützt. Das kann zur Folge haben, das die Webseite in einem Wartungsmodus stecken bleibt.

Geschlossene Plattformen

Machen wir nun einen Schritt vom Browser als einzelne App zum Betriebssystem als Ganzes. Im Falle von iOS und Android ist es nach dem so genannten “Sandboxing”-Prinzip aufgebaut, welches wir im Artikel zum Thema Funktionsumfang beschrieben hatten. Sandboxing bedeutet, dass jede App in ihrem eigenen „Sandkasten“ läuft, einem Bereich, der vom Gesamtsystem abgekapselt ist.

Dies hat Auswirkungen darauf, wie die Dateiablage organisiert ist. Das Thema Dateiverwaltung wir haben in unserer Serie ebenfalls ausführlich beschrieben. Eine flexible und übergeordnete Dateiverwaltung wie man es vom Desktop-Rechner mit dem Explorer (Windows 10) oder Finder (macOS) kennt, gibt es schlicht nicht. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf den persönlichen Workflow, da jede App ihre Dateien selber verwaltet. Dialogfester wie “Öffnen mit…” sind eine Konzession an eine fehlende Dateiverwaltung, da auf diesem Weg immer eine Kopie der ursprünglichen Datei an eine andere App geschickt wird.

Kommen wir nochmal auf den Bereich Serveradministration zurück: Kommt man in die Situation, dass man eine bestimmte Datei vom Tablet auf den Server laden will, scheitert dies daran, dass man auf dem Tablet keinen direkten Zugriff auf den lokalen Speicher hat. Mit einer Pfadangabe wie “c:\daten\“ kann das Betriebssystem eins Tablets schlicht nichts anfangen, da alle gespeicherten Dateien immer via App verwaltet werden.

Das Sandboxing führt aber auch zur etwas paradoxen Situation, dass nicht direkt möglich ist, Apps für iOS oder Android direkt auf den Tablets selber zu entwickeln, da der geschriebene Code nicht ausgeführt werden kann.

User-Verwaltung und Directory Services

Nicht nur bei der Dateiablage folgen Tablet-Betriebssysteme einem eigenen Konzept. Auch die Bereiche User-Verwaltung oder die Einbindung in eine Active Directory- oder Open Directory-Umgebung sind komplett anders organisiert.

Responsive Webdesign und elektronisches Publizieren

Zu Beginn dieses Kapitel haben wir von technologischen Veränderungen gesprochen, die mit dem Aufkommen von Smartphones und Tablets ihren Anfang nahmen. Neben der Nicht-Unterstützung der Flash-Technologie und dem geschlossenen Konzept der Betriebssysteme, haben sie die Entwicklung neuer Standards beim elektronischen Publizieren hervorgebracht.

Es wurde üblich, Webseiten für die Darstellung auf den kleineren Displays anzupassen. Heute findet sogar mehr als die Hälfte der gesamten Internetnutzung auf mobilen Geräten statt. Webentwickler sprechen vom so genannten „Responsive Design“, wenn sich eine Webseite automatisch der jeweiligen Displaygrösse anpasst. Dies erleichtert für den User die Interaktion mit der Webseite, da – je nach Displaygrösse – manche Elemente einer Webseite weggelassen oder in der Darstellung angepasst werden: So wird zum Beispiel aus der Navigationsleiste der berühmte „Hamburger-Button“. Oder die Anordnung wird verschoben, während auf der Desktop-Version Text und Bild nebeneinander zu sehen sind, wird auf dem Smartphone alles untereinander angeordnet.

Tablets haben auch abgesehen von den technologischen Veränderungen im Hintergrund, die Art und Weise verändert, wie heute digital publiziert werden kann. Es gibt mehr Raum für Bilder, Multimedia-Inhalte können problemlos eingebunden und abgespielt werden und für weiterführende Informationen kann ins gesamte World Wide Web verlinkt werden. Gerade aufwändig produzierten Print-Magazinen haben sich damit neue papierlose und interaktive Möglichkeiten eröffnet.

Neuer Vertriebsweg für Apps

Mit der Einführung der Betriebssysteme iOS und Android wurde auch der Vertriebsweg für Anwendungen verändert. Apps konnte man von Beginn an nur aus den jeweiligen Stores der Plattformbetreiber herunterladen. Die bisher bekannten Dialogboxen beim Installieren (Speicherort, Berechtigung) entfielen – Apps werden nach dem Kauf sofort vollautomatisch im Hintergrund heruntergeladen und installiert. Der Bezahlvorgang wird über den Store abgewickelt.


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Heute ist das Konzept eines Stores auf allen Plattformen anzutreffen. Der Unterschied ist nur, ob es parallel dazu möglich ist, auch unabhängig davon Programme zu installieren. Hier eine kleine Übersicht:

  • Windows 10: Windows Store und freies Herunterladen / Installieren
  • macOS: App Store und freies Herunterladen / Installieren
  • Windows 10 S: nur Windows Store
  • iOS: nur App Store
  • Android: Google Play Store, Stores von anderen Anbietern, freies Herunterladen / Installieren (APK-Dateien)
  • Chrome OS: nur Chrome Web Store

Die Möglichkeit, Software frei herunterzuladen (kostenlos oder Onlinekauf) oder von einem Datenträger aus zu installieren gibt es nur bei den beiden Desktop-Betriebssystemen. Bei Windows 10 S ist es eine Konzeptentscheidung, nur Apps aus dem Windows Store zuzulassen. Je nach Store-Betreiber ist die Möglichkeit, Software vor dem Kauf kostenlos auszuprobieren, unterschiedlich gut umgesetzt.

Stärken von Tablets

Es sind hauptsächlich drei Faktoren, welche die Stärke von Tablets ausmachen:

  • Die direkte Interaktion mit allen anzeigten Inhalten auf dem Touch-Display ist sehr natürlich und intuitiv.
  • Sie sind leicht und extrem mobil, d.h. man kann sie überall hin mitnehmen und immer dabeihaben.
  • Sie eignen sich für spontane Nutzung, weil sie beim Einschalten sofort einsatzbereit sind und Apps schnell starten.

Interaktion

Da die direkte Interaktion auf dem Touch-Display mit Finger oder Stift ein zentraler Teil der Erfahrung „Tablet“ ist, lohnt es sich natürlich besonders sie so zu verwenden, dass dieses Bedienungskonzept auch zum Tragen kommt. Im Kapitel zum Thema Interaktion haben wir auf ein paar Apps hingewiesen, die wir selber verwenden und welche dies auch gut veranschaulichen.


Concepts auf dem iPad Pro. Quelle:

Spontanität

Auch Ultrabooks sind flach und leicht und lassen sich deshalb problemlos überall hin mitnehmen. Will man sie benutzen, dauert es eine Zeit bis sie effektiv einsatzbereit sind: Hochfahren, Login, Starten eines Programms… diese Schritte kennt jeder von uns aus eigener Erfahrung.

Tablets sind da einen rechten Tick schneller: Genauso wie es nicht lange geht, sich Papier und Stift bereitzulegen, ist ein Tablet beinahe sofort einsatzbereit: Spontanität spielt in vielen anderen denkbaren Situationen eine grosse Rolle – sei es schnell ein paar Nachbesserungen in eine Präsentation einfügen oder als Grafiker sofort loszulegen, kreative Ideen digital festhalten und anderen zeigen können.

Spontanität hat aber noch eine andere Dimension: nicht warten zu müssen, bis man zurück am Schreibtisch ist. Es gibt Anwendungen, die genau dies aufgreifen und Desktop und Mobile miteinander vernetzen: Ein gutes Beispiel dafür ist Adobe Lightroom, welches es in einer reinen Desktop-Version (Lightroom Classic CC) und einer neuen Version für Tablet wie auch Desktop-Rechner gibt (Adobe Lightroom CC).


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Die beiden Programme unterschieden sich im Funktionsumfang, aber darauf wollen wir hier nicht eingehen. Wichtiger ist uns das dahinterstehende Konzept. Mit Lightroom CC kann man Bilder – sofern sie in die Creative Cloud von Adobe importiert sind – mit einem Tablet an jedem beliebigen Ort unmittelbar während oder nach dem Fotografieren anschauen und bearbeiten. Man kann beispielsweise eine Sortierung in gelungene und schlechte Aufnahmen vornehmen oder in einer Nachbearbeitung ausprobieren, ob die gelungenen Motive auch wirklich halten was sie auf den ersten versprechen. Sonst muss halt nochmal zur Kamera greifen. Alle Bearbeitungen werden via Synchronisation in den Lightroom Classic CC übernommen, wo man dann in Ruhe vertieft an einzelnen Bildern arbeiten kann. Das Thema Farbechtheit von Tablet-Bildschirmen spielt bei dieser Arbeitsweise natürlich auch eine Rolle, wir werden darauf weiter unten eingehen.

Second Screen und papierloses Konsumieren

Tablets waren von Anfang an als Konsumier-Geräte konzipiert. Das sich ihr Anwendungsbereich seitdem deutlich erweitert hat, haben wir in den verschiedenen Artikeln unter Serie mit Beispielen gezeigt.

Dennoch war und ist der universelle Einsatz als “Second Screen” für uns eine der grössten Stärke von Tablets. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Beim Fernsehen schauen mehr über Schauspieler oder die Produktion wissen wollen
  • Feedback anderer Zuschauer verfolgen und mitdiskutieren bei Live-Sendungen und Ausstrahlungen (nicht zeitversetzt schauen vorausgesetzt).
  • Allgemeine Recherche-Arbeiten im Web, Lesen von PDF-Dateien mit weiterführenden Informationen, Informations-Videos anschauen
  • Eigene Feeds in den verschiedenen Social Networks verfolgen


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Auch abseits vom “Second Screen”-Gedanken eignen sich Tablets hervorragend um Bilder und Videos anzuschauen und anderen zu zeigen, Musik zu hören, Bücher und Magazine zu lesen oder in der Küche Kochrezepte zu konsultieren… auch diese Aufzählung liesse sich ohne Probleme weiter fortsetzen. Ihr Formfaktor – also Grösse und Gewicht – machen sie schlussendlich flexibler und handlicher als jeden Notebook.

Klassisches Office und Digitalisierung

Vom “papierlosen Konsumieren” ist es gedanklich nicht weit zum “papierlosen Büro”, von dem schon seit Jahrzehnten die Rede ist. Tablets sind ein wichtiger Wegbereiter im Prozess der Digitalisierung. Die Idee, dass digitale Informationen auch digital bleiben und nicht irgendwann auf einem Stück Papier landen, um sie weiterzugeben oder zu archivieren, ist eines der Ziele der Digitalisierung. Dies erfordert natürlich noch viel mehr Veränderungen, als nur an jeden Mitarbeitenden oder jeden Schüler ein Tablet zu verteilen.

Aktuell leben wir noch in einer Welt der Medienbrüche, und zwar in beide Richtungen: Digital erstellte Dokumente werden ausgedruckt und weiterverarbeitet – genauso muss man manchmal Dokumente, die nur in Papierform vorliegen, digitalisieren, um sie weiter verwenden zu können. Aber auch das Umwandeln von digitalen Inhalten vom einen Datei-Format in ein anderes (zum Beispiel Word-Dokument in ein PDF umwandeln) gehört dazu. Aktuelle Software nimmt einem als Anwender für solche Arbeiten sehr viel ab, ein PDF lässt sich heute aus vielen Programmen direkt exportieren. Oder um zum Beispiel ein Schul-Diplom zu digitalisieren, braucht man nicht mal mehr einen Scanner. Mit einem Tablet kann man das Diplom abfotografieren und in einer geeigneten App nachbearbeiten.

Digitalisierung ist nicht nur im engen Sinne zu verstehen – also sozusagen Display statt Papier – sondern ist ein laufender Umgestaltungsprozess, der viele Bereiche in der Berufswelt wie im Privatleben radikal umgestaltet. Mobile Working-Geräte mit ihrer Technologie und ihren Möglichkeiten zur Interaktion sind ein Träger dieser ständig vorwärtsstrebenden Entwicklung. Sie können zum Beispiel dafür sorgen, dass Informationen für alle im Unternehmen schneller und gezielter verfügbar sind.

Schwächen von Tablets

In den obigen Kapiteln haben wir von den Stärken von Tablets gesprochen, aber natürlich muss man bei der Nutzung von Tablets auch Kompromisse eingehen. Das Thema Dateiverwaltung und Workflow haben wir bereits im Kapitel Technologische Veränderungen angesprochen. In den folgenden Abschnitten wollen noch auf ein paar weitere Aspekte eingehen, die wir als Schwächen empfunden haben.

Zeitaufwand und Ergonomie

Das direkte Arbeiten auf dem Display ist wie gesagt eine Stärke, hat aber auch seine Schattenseiten. Für Vieles braucht man schlicht mehr Zeit als an einem Desktop-Rechner.

Das Nachbearbeiten eines einzelnen Bildes ist auf einem Tablet ganz gut machbar, auch wenn zum Beispiel das Drüberziehen eines Filters mit dem Finger nicht ganz so präzise geht wie auf dem Desktop. Die ganze Arbeit auf dem Display ist aber auch umständlicher und zeitraubender, weil – wie wir im Kapitel Interaktion beschrieben haben – das User Interface anders aufgebaut ist: Die Funktionalität des Kontextmenüs ist anders gelöst und oft führen erst mehrere Klicks ans gewünschte Ziel. Um beim Beispiel Bildbearbeitung zu bleiben: Ein einzelnes Bild kann man so bearbeiten, aber eine grössere Menge scheitert auch an der Ergonomie, also an der Körperhaltung, die man beim Arbeiten mit dem Tablet einnimmt.

Kommt hinzu, dass Anwendungen auf mobilen Geräten oft einen anderen Funktionsumfang haben, als man es vom Desktop her gewohnt ist: Um gewisse Arbeiten zu erledigen, benötigt man schnell mehr als nur eine App oder eine zusätzlichen Online-Dienst. Diese jeweils zu suchen und auszuprobieren, stellt ebenfalls einen zusätzlichen Zeitaufwand dar.

Platz ist Mangelware

Eine Fortsetzung des Ergonomie-Gedankens betrifft die Grösse des Displays an sich. Auch wenn es heute Tablets mit einer Displaydiagonale von rund 13 Zoll und hoher Auflösung gibt, ist die effektive “Arbeitsfläche” im Vergleich zum externen Bildschirm eines Desktop-Rechners relativ klein.

Und es gibt einfach Arbeiten wie zum Beispiel Webentwicklung, wo am besten mit mehreren Fenstern nebeneinander auf einem grossen Bildschirm oder sogar einem Multimonitor-Setup arbeitet. An so etwas kommt ein Tablet – ohne sie deshalb schlecht zu machen – einfach nicht heran.

Der Splitscreen-Modus, den es unterdessen auf iOS- und auch Android-Tablets gibt, ist keine wirkliche Lösung: Man kann zwar zwei Apps nebeneinander darstellen, aber da das Display eines Tablets eh schon klein ist, wird durch die Teilung die Arbeitsfläche pro App noch kleiner. Kommt hinzu, dass es nicht möglich ist, zwei Fenster derselben App offen zu haben, wie man es von den Desktop-Betriebssystemen her kennt.

Display-Kalibrierung

Oben haben wir von Bildbearbeitung gesprochen. Dabei ist natürlich die Qualität des Displays entscheidend. Es geht jedoch nicht um die Schärfe oder die Höhe der Auflösung, sondern um das Thema Farbechtheit. Displays von iOS- und Android-Geräten lassen sich nicht kalibrieren. Wer also bei der Bildbearbeitung oder dem Erstellen von Grafiken darauf angewiesen ist, ein farbechtes Display zu haben, muss an einem Desktop-Gerät mit Windows 10 oder macOS arbeiten.

Wir haben selber erlebt, wie ein Tablet-Display uns sozusagen einen Streich gespielt hat: Auf dem iPad Pro sah das Blau bei der Nachbearbeitung von einem Bild sehr schön aus, die ganze Farbstimmung sah gut aus. Als wir dasselbe Bild dann später auf einem kalibrierten Desktop-Bildschirm angeschaut haben, war aus dem Blau ein Türkis-Ton geworden und die ganze Stimmung dahin.

Wechselnde Apps

Unabhängig davon, ob man sich für die iOS- oder die Android-Plattform entschieden hat, die Verfügbarkeit von Apps spielt immer eine wichtige Rolle. Beide Hersteller beeindrucken zwar durch eine schier unüberblickbare Menge an Apps in ihren Stores, doch aus Anwendersicht ist schlussendlich nur entscheidend, ob auch genau die Apps zur Verfügung stehen, die man verwenden will oder die man zur Lösung einer bestimmten Aufgabe braucht.

Leider kommt es immer wieder vor, dass gewisse Apps nicht mehr weiterentwickelt oder aus dem Store ausgeschlossen werden, weil sie gewisse technische Anforderungen nicht mehr erfüllen. Dann heisst es für den Anwender, dass man sich auf die Suche nach einer Alternative machen muss. Das kann sehr frustrierend sein und heisst unter Umständen die buchstäbliche Nadel im Heuhaufen zu suchen. Der bekannte Spruch, es gäbe für alles eine App, gilt halt auch nicht immer.

Sonderstellung Windows 10

Als Abschluss des Themas Stärken und Schwächen von Tablets, wollen wir jetzt nochmal auf den “Sonderfall” Windows 10 eingehen, den wir in den Artikeln unserer Serie immer wieder angesprochen haben. Es geht uns hier nicht darum, die einzelnen Plattformen gegeneinander auszuspielen, sondern wir wollen auf das Konzept hinter der Kombination Windows 10 und den Geräten der Surface-Reihe von Microsoft nochmals eingehen.

Die Besonderheit liegt darin, dass Windows 10 als Betriebssystem sowohl die Eingabe mittels Tastatur und Maus, aber auch die Interaktion via Touchscreen unterstützt. Das machen Android oder Chrome OS zu einem gewissen Grad zwar auch, aber es gibt für diese beiden Plattformen kaum Geräte welche so gezielt auf dieses Konzept zugeschnitten sind, wie die Surface-Reihe von Microsoft, und hier im speziellen das Surface Book.


Surface Book. Quelle: Microsoft

Die Vorteile lassen wie folgt zusammenfassen:

  • Maximale Flexibilität durch die Bauweise (Notebook, Tablet)
  • Maximale Flexibilität bei der Interaktion (Tastatur, Trackpad, Touchscreen für Finger und Stift)
  • Immer ein Desktop-Betriebssystem (keine Einschränkungen bei Dateiverwaltung und beim Zugriff auf lokalen Speicher/Server/Cloud, Multiuser-fähig)

Das von uns vorgestellte Chromebook von Acer (Acer Chromebook R11) lässt sich zwar auch Notebook und Tablet nutzen, bietet jedoch nicht den Vorteil eines Desktop-OS.

Beim Surface Book muss man als Anwender aber auch Kompromisse machen. Das User Interface vom Betriebssystem und von einzelnen Anwendungen ist nicht konsequent auf die Bedienung per Finger oder Stift angepasst. Dies schmälert das Anwender-Erlebnis, wenn man das Surface Book als reines Tablet benutzt. Der Begriff “Tablet-Modus” unter Windows 10 kann in diesem Zusammenhang etwas verwirrend sein. Er bedeutet nur, dass alle Anwendung ausschliesslich im Vollbildmodus anzeigt werden.

Die Sache mit den Werbesprechen

Wir haben in diesem Artikel immer versucht sichtbar zu machen, dass hinter der grossen Diversität an Geräten – also vom grossen Desktop-Rechner bis hin zum leichten Tablet – grundlegend verschiedene Konzepte stehen. Deshalb haben wir auch Mühe mit Werbeversprechen, welche suggerieren, mit einem Tablet könne man alles machen, was mit einem Desktop-Computer auch geht.

Bei der Lancierung des iPad Pro versprach Apple nichts geringeres als das Ende des PC-Zeitalters: „The ultimate PC replacement“ – der definitive Ersatz für einen PC (Aufzeichnung auf Youtube ansehen).


Apple Keynote im März 2016. Quelle: Screenshot YouTube

Und auch im aktuellsten iPad Pro-Werbespot wird dieser Anspruch fortgesetzt. Das iPad Pro wird hier als der „einzige Computer“ dargestellt, den man im Alltag braucht. Die junge iPad Pro-Anwenderin im Spot macht mit ihrer Abschlussfrage „What’s a computer?“ sogar klar, dass sie gar keine klassischen Desktop-Rechner mehr kennt.

Der Spot zeigt aber auch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für Tablets im Alltag, und dies auf eine natürliche und völlig ungezwungene Art und Weise. Man kann ihm höchstens mangelnden Realitätsbezug vorwerfen, da es sich beim gezeigten iPad Pro nicht gerade um ein kostengünstiges Gerät für ein Kind handelt.

Hinter solchen Werbeversprechen steckt das Ziel der Hersteller, Tablets vom Image der reinen Konsumations-Geräte zu befreien und ihnen verstärkt den Anstrich von “Produktivität” zu verpassen. Dabei geht es um das Erschliessen neuer Kundensegmente mit anderen Anforderungen und Bedürfnissen, denn die Verkaufszahlen sind im Tablet-Segment seit Jahren rückläufig. Und dazu gehören auch “produktives” Eingabezubehör wie externe Tastaturen und Stifte sowie Produktivitäts-Apps in der Werbung vermehr in den Vordergrund zu stellen.

Wie wir in unserer Artikel-Serie immer wieder gezeigt haben, ist mit Tablets viel mehr möglich als das reine Konsumieren – also dem reinen Anschauen von Inhalten. Das Problem ist nur, dass mit übertriebenen Werbeversprechen wie “PC Ersatz” falsche Erwartungshaltungen geweckt werden, welche die Gerätekategorie der Tablets schlicht nicht erfüllen kann.

Abschlussgedanken

Und damit sind wir bei unseren Schluss-Überlegungen angelangt. Eine spannende Frage ist natürlich auch noch, wohin die Reise mit Mobile Working gehen wird und wie sich einzelnen Plattformen weiterentwickeln. Oder wird es am Schluss eine Plattform geben, die sich durchsetzt?

  • Ist es Google mit Chrome OS, welches alles in Web verlagert und die Möglichkeit bietet, Android-Apps zu installieren?
  • Wird es das zweigleisige System von Apple sein (iOS für Mobilgeräte / macOS für Notebook und Desktop)?
  • Wird es der Hybrid-Gedanke sein, den Microsoft mit Windows 10 verfolgt?

Vielleicht wird es auch etwas ganz anders sein, was wir im Rahmen unser Mobile Working-Serie gar nicht angesprochen haben: Verschiedene Hersteller haben in den vergangenen Jahren Konzepte lanciert, bei denen man Bildschirm, Maus und Tastatur an ein Smartphone anschliessen kann, welches sich dann wie ein Desktop-Rechner bedienen lässt.

Klar ist auf jeden Fall, das bei den einzelnen Plattformen der Service-Gedanke in Zukunft noch mehr im Vordergrund stehen wird. Und auch den klassischen Desktop-Rechner wird es noch eine rechte Zeit geben. Was auch immer die Zukunft bringt, in unserem Alltag nutzen wir Tablets und Desktop-Rechner parallel, der Datenaustausch funktioniert via Cloud oder internem Server. Sich für eine Geräte-Kategorie entscheiden zu müssen, können wir uns nicht vorstellen. Aber das ist ja auch nicht notwendig – die Idee ist, sich immer an den Stärken der jeweiligen Geräte zu orientieren.

Inhaltsverzeichnis über alle Artikel

Mobile Working: Einstieg
Mobile Working: Hardware und Plattformen
Mobile Working: Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Mobile Working: Geschichte der Interaktion
Mobile Working: Wie wir heute interagieren
Mobile Working: Funktionsumfang
Mobile Working: Fazit


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