Das Surface Phone kommt – die Frage ist nur wann. Gerüchte und Spekulationen über die möglicherweise verbaute Hardware halten sich hartnäckig. Nun haben die Gerüchte neue Nahrung erhalten und zugleich eine realistische Perspektive.

Schon im vergangenen Dezember berichtete windowscentral.com gestützt auf interne Quellen, ein „Surface Phone“ sei bei Microsoft in der Planung. Entwickelt werde das Gerät nicht mehr von den Leuten, die für die Lumia Smartphones verantwortlich waren, sondern vom Surface Team.

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Screeenshot windowscentralcom. Quelle: windowscentral.com

Anfangs April 2016 hiess es dann, der Zeitpunkt für eine Markteinführung des „Surface Phone“ sei auf 2017 verschoben worden.

Microsoft’s plans for a Surface phone still appear to be happening, but it may be pushed back until early 2017 with their other new Windows 10 devices. There could also be up to three models of the premium flagship.(Quelle: windowscentral.com)

Dies hängt unter anderem mit den geplanten „Redstone“-Updates für Windows 10 zusammen. Wie man an der vergangenen Build-Konferenz sehen konnte, liegt für dieses Jahr der Schwerpunkt bei Microsoft nicht mehr im Mobile-Segment. Während das erste Redstone-Update für diesen Sommer geplant ist, sollen Redstone 2 und 3 im Jahre 2017 auch viel Neues für Mobile an Bord haben. Aktuell wird spekuliert, neue Surface-Hardware – also ein Surface 5 Pro und ein neues Surface Book – kämen erst im Frühjahr 2017. Das würde auch Sinn machen, den die neuen Intel-Prozessoren mit dem Codenamen „‚Kaby Lake“ werden erst Ende 2016 verfügbar sein. windowscentral.com schreibt dazu: „If my sourcing is correct, we can now add ‚Surface phone‘ in that spring 2017 timeframe as well.“

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Quelle: Shutterstock

Definitiv noch mehr Auftrieb haben die Spekulationen um „Surface Phone“ gestern erhalten, als ein internes E-Mail von Terry Myerson, Executive Vice President of the Windows and Devices Group, an die Öffentlichkeit geriet. Microsoft bekräftigt damit sein Engagement für Windows 10 Mobile in der Zukunft und erteilt Spekulationen um eine Einstellung der Smartphone-Sparte eine klare Absage. Hier ein Auszug aus dem E-Mail:

I understand that you are hearing concerns from certain partners about Microsoft’s commitment to the mobile space.

Let me be very clear: We are committed to deliver Windows 10 on mobile devices with small screen running ARM processors.

We are currently in development of our next generation products and I wanted to reconfirm our commitment to Windows 10 Mobile. We believe in this product’s value to business customers and it is our intention to support the Windows 10 Mobile platform for many years. We have a device roadmap to support that from Microsoft as well as our OEM partners who will also be selling an expanded lineup of phone devices based on this platform. (Quelle: windowscentral.com)

Zugegeben, das tönt ja alles sehr vielversprechend. Ein Smartphone mit der Haptik, Verarbeitungsqualität und Performance wie man sie von den Surface-Geräten her kennt. Wir und viele andere auch, waren von den Lumia 950 und 950 XL-Geräten sehr enttäuscht, auch Windows 10 Mobile machte keine gute Figur. Nicht ohne trug unser Artikel den Titel „Windows Phone ist tot, es lebe Windows 10.“ Microsoft verschenkt momentan sogar Lumia 950-Geräte, wenn man ein 950 XL kauft.

Nun soll es also ein Rebranding der Smartphones richten, Microsoft setzt dafür auf ihre etablierte Marke Surface. Passieren soll das Ganze aber erst im nächsten Frühling 2017. Das scheint zu bedeutet, dass Microsoft seinen Kunden schon wieder eine Durststrecke zumutet. Es dauerte schon anderthalb Jahre vom Lumia 930 bis zur Vorstellung der neuen Lumia 950-Flaggschiffe. Nun soll es schon wieder über ein Jahr gehen, bis die Windows 10 Mobile-Plattform vorzeigbare Hardware bekommt. Wie die Kunden und Enthusiasten, die der Plattform die Stange halten, dies mitmachen, bleibt abzuwarten. Böse gesagt, viel tiefer als jetzt können die Marktanteile ja gar nicht mehr sinken.

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Quelle: Shutterstock

Damit der Plan, ein Surface Phone aus der Lumia-Asche aufsteigen zu lassen, auch funktioniert, muss Microsoft aber noch einiges an Hausaufgaben nachholen: Performance und Stabilität von Windows 10 Mobile müssen verbessert werden, dasselbe gilt für die Situation bei den Apps. Denn das Fehlen vieler Standard-Apps ist immer noch eines der grössten Probleme von Windows 10 Mobile. Dass das Surface-Team tolle Hardware bauen kann, haben sie schon bewiesen. Aber auch hier plagen diverse Probleme die aktuellen Surface Book- und 4 Pro-Geräte. Diese müssen endlich behoben werden. Es kann nicht sein, dass Microsoft die aktuellen „Kinderkrankheiten“ mit in die nächste Generation von Geräten nimmt. Sonst bleibt das Surface Phone genau flügellahm wie die aktuelle Lumia-Generation. Und das wäre doch sehr schade: Erstens braucht es mehr Konkurrenz auf dem Smartphone Markt und zweitens kann Windows 10 dann nicht zeigen, was in der Vernetzung von Geräten über die gesamte Plattform wirklich steckt.

Die Erwartungen an ein „Surface Phone“ sind gross – Prozessor, Arbeitsspeicher und Display müssen top sein. Und schlussendlich muss das Surface Phone nichts geringeres als die Smartphone-Sparte von Microsoft retten und anderen Herstellern sowie App-Entwicklern zeigen, dass es in Zukunft Sinn macht, für Windows 10 Mobile zu entwickeln.


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