Eine dunkle Macht hat sich am Rande der „Final Frontier“ erhoben und bedroht Kreativität, Begeisterung und Hingabe. Sie tritt auf in der Gestalt von Anwälten von CBS und Paramount – könnte aber auch in anderer Verkleidung jederzeit und überall in Erscheinung treten.

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Quelle: Disney

Das Fandom von Star Trek ist in Aufruhr, es um nichts geringeres als die Frage, wer unter dem Label „Star Trek“ Filme und Serien produzieren und veröffentlichen darf. Von Fans produzierte Filme sind längst der hölzern wirkenden Schmuddelecke mit verwackelten und verpixelten Bildern entwachsen. Was da seit Jahren geboten wird, ist ganz grosses Kino – nur nicht eben „offiziell“ vom Filmstudio, das die Rechte besitzt, sondern von Gruppen von Fans die Freude an Dramaturgie, den Star Trek-Charakteren und gemeinsamer kreativer Arbeit haben.

Fanfilme sind nicht auf das Star Trek-Universum beschränkt: Star Wars, Lord of the Rings oder die Power Rangers -in jedem grösseren Fandom gibt es solche Produktionen. Natürlich darf man auch die selber erstellten kunstvollen Grafiken, Romane, Games und Kostüme von Cosplayern nicht vergessen. Diese Aufzählung ist sicher unvollständig, aber es geht darum, dass die Möglichkeiten schier endlos sind, wie man sich als Fan mit seinem Lieblings-Universum beschäftigen kann. Fan einer TV- oder Kino-Serie zu sein, bedeutet halt nicht nur zu konsumieren, sondern auch aktiv selber etwas zu machen und mit einem eigenen Beitrag Geschichten zu erfinden und weiterzuerzählen.

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Quelle: Shutterstock

Wenn wir hier im Blog sonst über Computer oder Smartphones schreiben, sprechen wir oft von Ökosystemen, die den Erfolg einer Plattform oder eines Dienstes ausmachen. Für iOS von Apple programmieren beispielsweise tausende von Entwicklern Apps. Sie leisten damit einen entscheidenden Beitrag für den Erfolg der Plattform und machen die unzähligen Anwendungsmöglichkeit von iPhone und iPad überhaupt erst möglich. Apple verfügt weder über die Manpower noch die Kreativität, all die Ideen der unabhängigen Entwickler selber zu haben und umzusetzen.

Ähnlich verhält es sich auch bei einem Universum wie Star Trek. Es gib ein Studio, welches sozusagen die Leitlinien setzt, eigene Filme und Serien produziert und kommerzielle Lizenzen für Buchreihen, Spiele und Merchandising vergibt. Daneben muss es aber auch Raum geben für engagierte Leute aus dem Fandom, die ihre eigenen Geschichten erzählen wollen und dabei den gesamten bisherigen Kanon als ihre Bühne verstehen. Damit leisten sie einen Beitrag zum gesamten Universum, in dem sie bisher nicht beleuchtete Ereignisse vertiefen oder neue Aspekte hinzufügen. So entsteht aus vielen Teilen ein Gesamtbild, welches sozusagen das „Gesamterlebnis“ Star Trek darstellt. Auch das Studio profitiert wiederum davon.

Die technische Entwicklung der letzten Jahre hat Produktionen ausserhalb der grossen Filmstudios möglich gemacht. Das betrifft Digital-Kameras und Zubehör genauso wie Software für Computeranimationen und Filmnachbearbeitung, für welche die Rechenpower eines gut ausgestatteten PC’s bereits ausreicht. Aber auch im Bereich der Verbreitung stehen heute ganz andere Möglichkeiten offen, als noch vor 10 Jahren. YouTube und andere Streaming-Portale stellen die gesamte Infrastruktur bereit, welche man braucht, um den fertigen Film weltweit zugänglich zu machen. Und was die Finanzierung angeht, setzen viele Fan-Produktionen auf Crowdfunding via Klickstarter und andere Plattformen.

Wie professionell heute Fan-Produktionen sind, zeigt dieses Making-of zum Fanfilm „Darth Maul: Apprentice„, der im März 2016 veröffentlicht wurde und den Deutschen Webvideopreis gewonnen hat. Insgesamt waren rund 70 Leute an der Produktion beteiligt.

Fan-Produktionen müssen sich heute auf keinen Fall verstecken, wie zum Beispiel das Projekt „Star Trek Axanar“ zeigt. Es gibt zwar noch keinen fertigen Film, aber der Clip „Prelude to Axanar“ gibt schon mal einen guten Vorgeschmack davon, auf welch hohen Niveau hier produziert wird. Kommt noch dazu, dass auch nahmhafte Schauspieler mit dabei sind, wie etwa Richard Hatch, Kate Vernon oder J.G. Hertzler, der selber schon in Star Trek-Serien aufgetreten ist. Seine bekannteste Rolle ist der Klingone General Martok aus Star Trek: Deep Space Nine.

Die Macher von Axanar liegen schon länger mit CBS und Paramount, welche die Rechte an Star Trek besitzen, in einem Rechtsstreit. Vor ein paar Wochen schien sich dieser erlegt zu haben, als Regisseur und Produzent J. J. Abrams auf einer Veranstaltung verkündete, das Studio würde die Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen zurück ziehen.

Dem ist jetzt aber nicht so, im Gegenteil: CBS und Paramount haben Regeln publiziert, an die sich Fan-Produktionen in Zukunft halten müssen, wenn sie nicht verklagt werden wollen. Als langjährige Star Trek-Interessierte haben wir das natürlich auch mitbekommen und für uns war dies der Anlass, uns näher mit dem Thema und mit den Star Trek-Fan -Produktionen generell mal näher zu beschäftigen.

Genau das wollen wir im zweiten Teil dieses Artikels tun und auch schauen, wie die einzelnen Fan-Produktionen auf die Regeln reagiert haben und was die Fans dazu sagen. Schlussendlich geht es um die Frage, ob Fans weiterhin ihre Kreativität ausleben dürfen und ob Dinge wie Star Trek Allgemeingut geworden sind oder ob man das Urheberrecht streng auslegen muss.


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