Autor: Archangel

Abend für Abend um 20.00 zelebriert die deutsche ARD ihre Tagesschau. Hier erfährt man was neu, richtig und wichtig ist. Die ARD als Quelle ist gottähnlich, ihre Glaubwürdigkeit extrem hoch und die Nachrichtensprecher sind die Hohepriester der Wahrheit.

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Quelle: Screenshot tagesschau.de

Seit einiger Zeit greifen weltweit so genannte „Fake News“ den Altar der Wahrheitsverkündung an. Politik und Medien reagieren gleichermassen gereizt. Eine einfache Definition des Begriffs ist gar nicht so leicht, ich versuche es hier mal mit „Erfundene Information, mit dem Ziel andere bewusst in die Irre zu führen und zu manipulieren.“ Und das gab es schon in der gesamten Menschheitsgeschichte und nicht erst seit dem Internet. Schon die alten Griechen liessen ihren Gegnern falsche Informationen über Truppenstärke und Angriffsziele zukommen um sich selber einen militärischen Vorteil zu verschaffen. Und die so genannte „Regenbogenpresse“ hat noch nie gross Rücksichtlich darauf genommen, ob ihre Meldungen über Stars und Sternchen wirklich wahr sind oder nicht – Hauptsache die Auflage stimmte.

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Quelle: Shutterstock

Auch früher kam es schon vor, dass etablierte Medientitel Falschmeldungen auf den Leim gingen und diese publizierten und verbreiteten. Zu den berühmtesten „Fake News“ der deutschen Mediengeschichte gehören sicher die Hitler-Tagebücher, welche das Magazin Stern im Frühjahr 1983 veröffentlichte. Wenige Wochen später stellten sie sich als Fälschung heraus.

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Quelle: zvg

Also warum seit einiger Zeit die grosse Aufregung? Die „Fake News“ von heute stehen in einem anderen Zusammenhang, den so damals noch gar nicht gab. Sie greifen in die Verbindung zwischen Politik und den von ihnen gesetzlich abgesicherten öffentlich-rechtlichen Medien ein. Beide sehen ihre jeweilige Machtgrundlage gefährdet, sie wollen die Deutungs-Hoheit über Ereignisse und deren Einordnung in einen grösseren Zusammenhang nicht verlieren. Was früher noch als Publikationen von Verschwörungs-Theoretikern oder als Kampagnen von politischen Extremisten ohne Chance jemals an die Regierung zu kommen, klassifiziert wurde, hat heute eine neue Dimension erreicht. Vieles hat auch mit Vertrauen in die etablierten News-Kanäle zu tun, der Vorwurf der „Lügenpresse“ ist bekannt, welche bewusst Ereignisse verschweigt oder nicht korrekt darstellt. Dann ist es nur ein logischer Schritt, sich alternative Informationsquellen zu suchen. Natürlich muss auch der Nährboden auf Seiten der potentiellen Leser vorhanden, sich mit solchen Quellen auseinanderzusetzen bzw. auch zu Glauben was dort geschrieben ist.

Eine Rolle dabei spielt sicher auch, dass es heute viel einfacher ist, Informationen – unabhängig davon ob sie wahr oder erfunden sind – zu verbreiten. Denn es sind nicht mehr nur die grossen etablierten Medien, welche die Ressourcen haben, die Massen zu erreichen. Auch ohne eigene Medienmarke wie „BBC“ oder „New York Times“ kann man mit der richtigen Strategie über Social Media schnell viele Leute erreichen. Dass dies Politik und Medien nicht in den Kram passt, kann ich schon nachvollziehen, aber die „Fake News“ von heute sind nichts Anderes als uralte Mechanismen, die an neue Verbreitungs-Technologien angepasst wurden.

Und sie eignen sich hervorragend als Prügelknabe, vor allem, wenn politische Entscheidungen von der Bevölkerung nicht so aufgenommen werden, wie es geplant war. Hinter den Plünderungen in Mexiko stehen „Fake News“ wird dann schnell verbreitet – wobei die Regierung vergisst, dass sie mit ihren drastischen Preisehöhungen vielen Menschen die Existenzgrundlage entzieht und dies die eigentliche Ursache der Ereignisse auf den Strassen ist.

„Fake News“ definieren auch einen unbekannten Urheber im Hintergrund, der eigene Interessen verfolgt und nicht der „Anwalt der Unterdrückten“ ist, als der er auftritt. Gezielte Desinformation gehört schon seit Jahrzehnten zum Standard-Werkzeug von Geheimdiensten, um in anderen Ländern verdeckt politisch Einfluss zu nehmen. Heute sind Absichten und Ziele dieselben wie damals, nur die Methoden haben sich geändert.

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Quelle: Shutterstock

„Fake News“ werden von Politkern und Medien auch deshalb so gefürchtet wie der Teufel das Weihwasser, weil sie gezielt ihre Glaubwürdigkeit angreifen und untergraben. Politiker, und da liegt die Verantwortung bei ihnen selbst, haben sich diesbezüglich auch über Jahre selber angreifbar gemacht. Zwischen Ankündigungen, verkündeten Prinzipien und Taten liegen meist Welten. Sie leben in so grosser Distanz zur Realität der Bürger, dass Hinweise auf Missstände halt lieber als „Fake“ abgetan werden, sonst müsste man sich ja noch damit beschäftigen – und das will man als Politiker sicher nicht. Peinlich ist es aber, wenn Politiker selber „Fake News“ auf den Leim gehen, so drohte der pakistanische Verteidigungsminister Israel mit dem Einsatz von Atomwaffen – und alles basierend auf einer „Fake News“, deren Verifikation man in Pakistan offenbar nicht Betracht zog.

Ich denke, etwas gegen „Fake News“ tun kann man nicht. Erstens gab es das Phänomen schon immer und zweitens ist die Verquickung von Politik und Medien ein bedeutender Nährboden, der aber realistisch gegensehen auch nicht so schnell aufgelöst werden wird. Falsch ist es, auf Verbreitungskanäle wie Facebook und Twitter loszugehen. So hat unser anderem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Konzerne wie Facebook aufgefordert, aktiv etwas gegen „Fake News“ zu tun. Das ausgerechnet er mit dem Thema Glaubwürdigkeit argumentiert, ist schon fast etwas absurd. Als Politiker hat er die meisten seiner Versprechen auch nicht eingehalten – womit schon wieder beim Thema Nährboden für „Fake News“ wären. Deutsche Politiker wollen die Verbreitung von „Fake News“ sogar unter Strafe stellen. Sicher ist nicht jede „Fake News“ durch den Grundsatz der Meinungsfreiheit gedeckt, aber jetzt Zensurmassnahmen zu fordern, trifft erstens die Falschen und treibt zweitens die ganze Geschichte nur weiter voran, anstatt sie einzudämmen.


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