Mit dem Betriebssystem Android haben wir bei hitzestau bis jetzt hauptsächlich mit verschiedenen Smartphones Erfahrung gesammelt. Wie sich Android auf einem Tablet bewährt, konnte Archangel aus unserem Team jetzt mit dem HTC Nexus 9 selber testen. Er hat in den vergangenen drei Wochen das Tablet in seinem Alltag benutzt.

Hier ist sein Erfahrungsbericht, aber zuerst stellen wir Euch die Idee hinter der Google Nexus-Reihe vor.

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Quelle: HTC

Nexus-Reihe

Mit der Nexus-Reihe will Google zeigen, was mit der jeweils aktuellsten Version von Android möglich ist. Die Geräte werden von Google immer in Zusammenarbeit mit einem Hersteller wie Asus, HTC, LG oder Samsung entwickelt und hergestellt. Die gesamte Reihe umfasst aktuell sechs Smartphones und vier Tablets. Die Nexus-Geräte zeichnen sich dadurch aus, dass auf ihnen ein „pures“ Android läuft, also ohne Anpassungen durch den Gerätehersteller oder einen Telekom-Anbieter. Im Falle des Nexus 9 heisst das zum Beispiel, dass hier die HTC-eigene Oberfläche „HTC Sense“, wie man sie von den Smartphones des Hersteller kennt, nicht zum Einsatz kommt. Es gibt aber auch keine Hersteller-eigenen Apps. Google ist direkt für die Bereitstellung und Auslieferung der Android-Updates verantwortlich. Die Updates sind in der Regel zügig verfügbar, weil es keine Hersteller- oder Provider-spezifischen Anpassungen gibt.

Das HTC Nexus 9 kam im November 2014 zusammen mit Android 5.0 „Lollipop“ auf den Markt und ist sozusagen das „Schaufenster“ für die aktuellste Android-Version.

HTC Nexus 9 Hardware

Gehäuse und Haptik

Das HTC Nexus 9 ist rein optisch sehr schlicht. Der Metallrahmen umschliesst die Glasabdeckung des Display rundherum sauber und gibt dem Gerät Stabilität. Die Rückseite aus Kunststoff schliesst nahtlos an den Rahmen an und ist leicht gewölbt. Im Rahmen sind der Power-Knopf sowie die Lautstärkeregler unterbracht. Diese stehen nur so leicht hervorstehen, dass man sie manchmal schon fast suchen muss. Links und rechts in der Front sind zudem zwei Lautsprecher integriert. Wie bei HTC üblich, gibt es keinen Home-Button im Gehäuse. In der linken oberen Ecke ist auf der Rückseite ist die Kamera untergebracht.

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Quelle: HTC

Das Tablet ist schön leicht und liegt sehr gut in der Hand, egal man ob es im Hoch- oder im Querformat hält. Die Gewichtsverteilung ist immer gut ausbalanciert. In der Grundhaltung im Querformat sind die Knöpfe oben links , wenn man es im Hochformat hält, sind sie oben rechts. Die Materialen, die beim HTC Nexus 9 Verwendung finden, sind sehr hochwertig und das Gerät überzeugt rundherum mit einer sehr guten Verarbeitung.

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Quelle: HTC

Display

HTC hat beim Nexus 9 ein Display mit 8.9 Zoll Diagonale verbaut, die Auflösung liegt bei 2048 x 1536. Mit dem Displayformat von 4:3 geht HTC keine Experimente ein. Dieses Seitenverhältnis hat sich aus meiner Sicht für Tablets sehr gut bewährt. Das Display selber überzeugt durch ein klares und scharfes Schriftbild und eine gut ausgewogene Farbdarstellung. Auch bei längerem, konzentrierten Lesen machen sich keine Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Im Durchschnitt habe ich das Tablet bei knapp 50 Prozent der maximalen Helligkeit genutzt.

„Auch wenn beim Zugfahren die Sonne direkt zum Fenster hineinscheint, kann man alles sehr gut auf dem Display lesen.“ (Archangel von hitzestau.com)

Die Haptik des Displays, dessen Oberfläche aus Gorilla Glas besteht, ist sehr angenehm. Das Display reagiert zügig auf Berührungen, zum Beispiel um einen Link anzutippen. Besonders praktisch ist, dass man mit zwei Mal Tippen das Tablet aus dem Standby holen kann. Das ist einfacher, als jedesmal den Knopf zu suchen.

Sound

Die beiden Lautsprecher links und rechts vom Display sind nach vorne ausgerichtet. Die Klangqualität reicht aus, um den Ton bei Videos abzuspielen – hier ist für die Entwickler noch viel Spielraum nach oben. Auch wenn man verschiedene Equalizer-Einstellungen in einer App wie Spotify durchprobiert, kann man nicht viel mehr aus den Lautsprechern herausholen. HTC ist mit der „Boom Sound“-Technologie eigentlich für qualitativ hochwertigen Sound bekannt. Darum können wir ehrlich gesagt die geringe Klangqualität beim Nexus 9 nicht verstehen. Ob bei unserem Testgerät ein Mangel vorliegt, können wir nicht beurteilen.

„Die unterdurchschnittliche Klangqualität der Lautsprecher fällt für mich nicht so ins Gewicht, da ich zum Musik hören primär andere Geräte oder Kopfhörer verwende.“ (Archangel von hitzestau.com)

Akku und Energieverbrauch

Wenn immer ich das Tablet benutzt habe, hat mich der Akku des Nexus 9 nie im Stich gelassen. Zum Laden braucht das Gerät recht lange, das es keinen Schnellade-Modus kennt. Der Micro-USB Anschluss geht sehr schwer. So ist man manchmal gar nicht sicher, ob man den Stecker überhaupt richtig herum hält. Es bleibt nur zu hoffen, dass neue Standards wie USB-C hier mal generell Abhilfe schaffen. Dieses Problem betrifft nicht nur das Nexus 9, sondern viele Mobilgeräte von verschiedene Herstellern.

„Wenn man Anwendungen nutzt, welche das WLAN-Modul beanspruchen, wird das Gerät in der linken oberen Ecke recht warm.“ (Archangel von hitzestau.com)

Einen Energiesparmodus, um von Anfang an die Akkulaufzeit zu verlängern gibt es ebenfalls nicht. Der in Android Lollipop integrierte Energiesparmodus ist nur dafür gedacht, bei noch geringer verbliebener Akkuladung die Laufzeit zu verlängern. Das Gerät zeigt dann zwei orange Balken oben und unten im Display an, um deutlich zu machen, dass die Akkulaufzeit ihrem Ende entgegen geht.

System und technische Daten

Der interne Datenspeicher des Nexus 9 beträgt je nach Modell 16 GB oder 32 GB. Ein Slot für eine Speichererweiterung mittels microSD-Karte ist nicht vorhanden, wobei der Speicherplatz trotzdem mehr als ausreichend sein dürfte, da heute viele Daten in der Cloud gespeichert sind oder via Streaming konsumiert werden.

  • Grösse: 228,25 x 153,68 x 7,95 mm
  • Gewicht: 436 Gramm
  • Display: 8,9-Zoll-IPS-LCD / QXGA 1536 x 2048 / 4:3 / 288 ppi / Gorilla Glas 3
  • Arbeitsspeicher: 2 GB
  • Datenspeicher: 16 GB / 32 GB
  • Prozessor: 64-Bit-NVIDIA Tegra K1 Dual Denver mit 2,3 GHz
  • Hauptkamera: 8 MP, Autofokus, BSI-Sensor, f/2,4, 1080p-Videoaufnahme
  • Vordere Kamera: 1,6MP, BSI-Sensor, f/2,4, 720p-Videoaufnahme
  • Netz: 2G / 3G / 4G
  • WLAN: IEEE 802.11 ac, 2 x 2 MIMO
  • Sensoren: Beschleunigung /Umgebungslicht / Gyrosensor / Magnetometer
  • Anschlüsse: 3,5-mm-Stereo-Audio/ NFC / Bluetooth 4.1 / Micro-USB 2.0
  • Akku: 6700 mAh
  • Betriebssystem: Android 5.0 Lollipop

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Quelle: HTC

HTC Nexus 9 Anwendungserfahrung

Bevor ich Euch von meinen Erfahrungen mit dem Tablet berichte, möchte ich zum besseren Verständnis vorher erklären, was für ein Typ von Tablet-User ich eigentlich bin: Ich nutze ein Tablet hauptsächlich für Recherche und Organisatorisches. Dabei sind Apps wie der Browser oder OneNote von Microsoft die wichtigsten Werkzeuge für mich. Spiele sind für mich kein Thema, genau so wenig nutze ich es um Filme oder TV-Episoden zu schauen. Meine Tabletnutzung steckt noch sehr „in den Kinderschuhen“, es fällt mir nicht immer leicht, ein Tablet auf ungezwungenen Art und Weise in meinen Alltag zu integrieren.

Als Browser habe ich den vorinstallierten Google Chrome verwendet. Da ich diesen auch auf meinem Desktop-Rechner verwende, kann ich die Funktion „Zuletzt geöffnete Tabs“ verwenden. Die Tabs aller meiner Chrome-Browser, die mit meinem Google-Account angemeldet sind, werden damit synchronisiert. Wenn ich einen interessanten Artikel auf dem Tablet lese, kann ich den gleichen Link auf mit meinem Desktop-Browser öffnen, ohne den Text neu suchen zu müssen. Das ist sehr praktisch, gerade wenn man viel zwischen den beiden Geräten hin- und herwechselt.

Je nachdem was ich Schreiben will, nutze ich verschiedene Apps. Für kurze Texte und vor allem für Notizen, benutze ich am liebsten OneNote. Das gute an OneNote ist, dass ich das Programm auch auf meinem Desktop-Rechner nutze und generell von überall her Zugriff auf die Notizen habe. Ein klassisches Anwendungsszenario ist, dass wenn wir bei hitzestau neue Blogtexte vorbesprechen, ich die Notizen direkt auf dem Tablet in OneNote mache. Die kompletten Blogposts schreibe ich dann anschliessend aber am Desktop-Rechner. Zum reinen „Runterschreiben von Gedanken“ schätze ich auf dem Tablet ganz einfache Schreibprogramme wie Writeily: Sie bieten einen dunklen Hintergrund und kommen ohne Formatierungs-Menüs dar. Damit sind sie ein ideales Werkzeug, um einfach drauf los zu texten.

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Beim Schreiben stellt sich auch die grundsätzliche Frage, wie man das Tablet halten soll:

„Ich habe mich für das Querformat entschieden, wobei man hier schon merkt, dass die Ränder beim Nexus 9 recht breit geraten sind.“ (Archangel von hitzestau.com)

Für mich persönlich neu hinzugekommen mit dem Nexus 9 ist das Lesen von Romanen als E-Book. Bisher habe ich immer gedruckte Bücher gelesen, aber inspiriert von Monk-Trader aus unserem Team wollte ich das auch mal ausprobieren: Als App habe ich mich für Moon+ Reader Pro entschieden. Diese bietet ein paar mehr Features als die Google-eigene Play Books. Das Lesen auf dem Display ist sehr angenehm, am besten gefällt es mir, wenn der Hintergrund auf dunkel eingestellt ist. Das Schriftbild ist gestochen scharf.

Auf dem Nexus 9 sind alle Google Dienste wie Google Drive oder Google Docs vorinstalliert. Klar versucht Google, die Tablet-Nutzer dazu zu animieren, seine Dienste zu benutzen, wobei man in der Wahl der Apps keinesfalls darauf fixiert ist, die vorinstallierten Google-Dienste zu benutzen.

„Ich benutze die Google-Dienste – mal abgesehen vom Chrome-Browser – eigentlich überhaupt nicht. Sämtliche Anwendungen, die mir wichtig sind, habe ich bereits mit anderen Apps oder Services abgedeckt und kann diese problemlos auf dem Nexus 9 nutzen.“ (Archangel von hitzestau.com)

Tastatur

Ein grösseres Thema – um nicht zu sagen ein Sorgenkind – auf das ich als nächstes eingehen möchte, ist die Display-Tastatur. Dies ist die Android-Original Tastatur im so genannten Material Design von Lollipop:

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Auch nach einigen Tagen Benutzung bin ich nicht wirklich damit zurecht gekommen. Beim Schreiben ergeben sich zu viele Tippfehler, was in Verbindung mit der Autokorrektur zu recht viel Frustration führt. Ich denke, dass hat damit zu tun, dass die einzelnen Tasten optisch nicht klar gegeneinander abgegrenzt sind. Dabei ist die Tastatur ein ganz zentrales Element von einem Tablet: Wenn man mit ihr nicht zurecht kommt, kann es das ganze Nutzungserlebnis beeinträchtigen.

Auf die Empfehlung von Monk-Trader hin haben wir uns auch die Suche nach einer Tastatur-App von einem Drittanbieter gemacht. Nach etwas Recherche und Ausprobieren habe ich mit für die SwiftKey-Tastatur entschieden. Um bei ihr die Autokorrektur auszuschalten, geht man wie folgt vor: In den Tastatur-Einstellungen beim „Leertasten-Vervollständigungsmodus“ die Auswahl „immer ein Leerzeichen einfügen“ aktivieren.

„Die Display-Tastatur gehört zu den Dingen, die mir weniger gut gefallen haben. Hier würde ich auf jeden Fall empfehlen auf eine Drittanbieter-App zu setzen, auch wenn die SwiftKey für mich nicht die optimale Lösung ist.“ (Archangel von hitzestau.com)

SwiftKey als Tastatur ist auch wegen Sicherheitsbedenken nicht ganz unumstritten, aber generell sind Tastaturen von Drittanbietern wohl immer etwas heikel. Wer eine Tastatur mit einem guten Layout empfehlen kann, soll doch bitte in den Kommentaren einen Hinweis hinterlassen.

Auch wenn es nicht ganz zum Thema Tastatur gehört: Die Belegung der beiden Tasten links und rechts vom Homebutton ist sehr verwirrend. Der Taskmanager ist rechts. Die linke Taste fungiert einerseits als Back-Button und dient gleichzeitig dazu, die Tastatur auszublenden. Dies ist die Belegung unter dem Original-Android. Wechselt man beispielsweise auf ein Samsung-Gerät, sind Taskmanager und Back-Button vertauscht. Dies kann zur kompletten Verwirrung führen, wenn man öfters zwischen Geräten verschiedener Hersteller wechselt.

„Es wäre zu wünschen, dass Google hier für mehr Einheitlichkeit bei den verschiedenen Herstellern sorgen würde.“ (Archangel von hitzestau.com)

Android Lollipop

Zum Thema Android Lollipop möchten wir an dieser Stelle nur zwei Punkte herausgreifen, die uns wichtig sind. Alles wissenswerte rund um die aktuellste Android-Version findet Ihr sonst auf der offiziellen Webseite.

Als Pluspunkt hat sich die Möglichkeit erwiesen, auf dem Nexus 9 verschiedene User-Profile anzulegen. Für unseren Test was das natürlich praktisch. Ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen, konnte jeder seine Accounts anmelden oder Einstellungen ausprobieren. Dabei ist zu beachten, dass weitere Nutzer nur von der Person hinzugefügt werden können, welche die Erstinstallation eingerichtet hat. Auch andere Admin-Funktionen, wie etwa das Einspielen von Android-Updates sind dem Hauptuser vorbehalten.

Die Konnektivität mit der heimischen Infrastruktur zum Teilen oder Wiedergeben von Medieninhalten ist bei uns auch immer ein Thema. Hier haben wir uns unterdessen auf Apple AirPlay eingerichtet, wenn es zum Beispiel darum geht, Display-Inhalte von einem Tablet auf den Fernseher zu übertragen. Beim Nexus 9 setzt Google jedoch voll auf sein eigenes Öko-System mit Chromecast. Dies setzt voraus, dass man einen Chromecast-Stick hat. Miracast wäre ein anderer Standard zur Übertragung, den das Nexus 9 jedoch nicht unterstützt. Aber auch das nutzt nur dann etwas, wenn man auch Miracast-taugliche Endgeräte hat.

Fazit

Nach meinem dreiwöchigen Test kann ich eine positive Bilanz von meiner Zeit mit dem HTC Nexus 9 ziehen. Mit dem HTC Nexus 9 konnte ich alles erledigen, was ich wollte – auch wenn das Tablet natürlich viel mehr kann. Es ging mir nicht darum alles aufzuzählen, was mit dem Tablet möglich ist, sondern wie ich es genutzt habe.

HTC hat hier ein rundum tolles Gerät gebaut, Design, Haptik und Verarbeitung gefallen uns – mal abgesehen von den Lautsprechern, aber das kann wie gesagt auch an unserem Testgerät gelegen haben. Vom schlichten Design sollte man sich auf keinen Fall täuschen lassen.

Was die Konnektivität angeht, macht Google ziemlich dicht, und zieht die Mauern gegenüber anderen Öko-Systemen hoch. Das ist nicht positiv und auch nicht im Sinne des Endverbrauchers: Man kann nicht immer wenn man ein neues Tablet kauft, den Rest der Infrastruktur darauf anpassen oder umstellen.

Und wenn man auch noch mit dem Anschaffungspreis argumentieren will, bietet es viel Tablet für relativ wenig Geld.


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