Autor: Archangel

Den Begriff der „Panorama-Freiheit“ habe ich ehrlich gesagt heute zum ersten Mal gehört. Aber er steht für etwas, was aktuell durch die Mühlen der Europäischen Union gedreht wird – nur mit weniger öffentlicher Aufmerksamkeit als die Griechenland-Krise. Aber dennoch von grosser Bedeutung, denn sie betrifft jeden, der schon mal Fotos oder Videos von Gebäuden und Bauwerken gemacht hat: vereinfacht gesagt also jeden von uns.

Die Panoramafreiheit (auch Straßenbildfreiheit) ist eine in vielen Rechtsordnungen der Welt vorgesehene Einschränkung des Urheberrechts, die es jedermann ermöglicht, urheberrechtlich geschützte Werke, beispielsweise Gebäude, Kunst am Bau oder Kunst im öffentlichen Raum, die von öffentlichen Verkehrswegen aus zu sehen sind, bildlich wiederzugeben, ohne dass hierfür der Urheber des Werkes um Erlaubnis ersucht werden muss. Dies betrifft sowohl das bloße Anfertigen etwa einer Fotografie als auch ihre Verwertung. (Quelle: Wikipedia)

Die Panoramafreiheit deckt also Bilder ab, wie auch ich sie gerne mache und veröffentliche. Hier zwei Beispiele von unserem 500px-Profil:


Im Europäischen Parlament läuft zur Zeit die Überarbeitung des Urheberrechts, in dem genau diese Panorama-Freiheit eingeschränkt werden soll. Diese ist vielen Ländern Europas üblich. Sollte der jetzt im Parlament diskutierte Bericht am Schluss ins Gesetz übernommen werden, könnte das weitreichende Konsequenzen haben und in vielen Ländern eine Rechtsunsicherheit schaffen, wie etwa die EU-Parlamentarierin Julia Reda oder der deutsche Blog netzpolitik.org berichten:

…u.A. für viele Fotos die Nutzer auf (kommerziellen) Foto-Sharing-Diensten veröffentlichen. Dokumentarfilmproduktionen müssten den Urheberrechtsstatus jedes Gebäudes, jeder Statue oder sogar jedes Graffitis recherchieren, die in ihren Filmen abgebildet sind, und die Erlaubnis der jeweiligen Rechteinhaber einholen. Das ist schlicht absurd. (Quelle: juliareda.eu)

Selbst wenn Panoramafreiheit für nicht-kommerzielle Zwecke wie private Urlaubsfotos unangetastet bleibt, wären die Konsequenzen weitreichend: das Teilen privater Bilder und Videos auf kommerziellen Plattformen wie Facebook und YouTube wäre damit schwer vereinbar und eben auch offene Projekte wie Wikipedia, deren Lizenz kommerzielle Nutzung erlaubt, blieben außen vor. (Quelle: netzpolitik.org)

Gerade die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook sehen eine Lizenzierung aller hochgeladenen Bilder an Facebook vor, was eben gerade die Panoramafreiheit voraussetzt. Muss diese erst eingeholt werden, wird jedes Urlaubsbild von einer Städtereise zum juristischen Hochseilakt.

Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz zur Nutzung jeglicher IP-Inhalte (alle urheberrechtlich geschützten Inhalte wie Bilder oder Videos), die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest. (Quelle: Facebook)

Nicht ohne Grund setzen sich bereits mehrere Organisationen wie FREELENS (Berufsverband für Fotojournalisten und Fotografen) oder die Autoren der deutschen Wikipedia dagegen ein, die einen offenen Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments verfasst haben.

hitzestau-panoramafreiheit-wikipedia

Auf change.org läuft zudem eine Petition, welche die Grundrechte der Fotografie in Gefahr sieht: „Save the Freedom of Photography!

hitzestau-panoramafreiheit-changeorg-petition

Hier würde sehr wahrscheinlich wiedermal eine Bestimmung geschaffen, die sich in der Alltagspraxis nicht durchsetzen lässt, aber wiederum eine Angriffsfläche für absurde Klagen und Abmahnungen bieten wird. Je früher dem Einhalt geboten wird, desto besser.


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