Autor: Archangel

Datenleck, Diebstahl oder nur clevere Nutzung einer bestehenden Möglichkeit, über die niemand so gerne offen spricht? Die Ansichten zum “Facebook-Cambridge Analytica-US-Wahlkampf-Gate” gehen weit auseinander. Vieles weiss man auch noch gar nicht im Detail.

Ich will Umfang und Auswirkungen nicht herunterspielen – aber gerade zu reflexartig wird jetzt von allen Seiten nach strengen Regulierungen bis hin zu Verboten gerufen – Hyper-Aktivisten springen auf den Zug auf und versuchen sich mit #DeleteFacebook selbst zu inszenieren.


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Den Forderungen nach mehr Regulierung und der Idee, dem Nutzer mehr Kontrolle über die eigenen Daten zu geben, entgegne ich: Den Geist kann man nicht mehr zurück in die Flasche zwingen – immer mehr ganz alltägliche Handlungen und Abläufe sind direkt mit der Preisgabe von Daten verbunden, weil sie digital abgewickelt werden. Und die Digitalisierung – so predigen es dieselben Politiker – sei ein Fundament für die Zukunft unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands.

Daten über sich preiszugeben geschieht heute auf verschiedenen Wegen: Die offensichtlichste Weise ist, wenn man zum Beispiel ein Formular oder eine Umfrage ausfüllt. Aber auch mit dem Surfverhalten oder der Interaktion mit Inhalten auf Social Networks gibt man viel über sich preis. Und auch bei der Nutzung von ganz alltäglichen Dienstleistungen hinterlässt man eine Datenspur: Als Beispiele will ich nur die neuen Smartphone-Apps der Schweizerischen Bundesbahn SBB nennen, welche die Fahrten im öffentlichen Verkehr aufzeichnen und dann das günstige Ticket in Rechnung stellen. Oder die Tatsache, dass man als Kunde gewisse Sparangebote überhaupt nur auf digitalem Weg in Anspruch nehmen kann. Wer per Sparbillet von Basel nach Zürich fahren will, kann das nur noch via SBB-App und Kundenkonto tun. Nach dem gleichen Muster, funktioniert auch die App Helsana+: Wer der Krankenkasse die Aufzeichnungen seiner Fitness-Tracker zukommen lässt, kann bei der Prämie Geld sparen und von Vergünstigungen profitieren.


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Für Unternehmen gibt es also die verschiedensten Möglichkeiten, an Daten von ihren Kunden zu gelangen, manche sind dabei subtiler als andere. Vordergründig wird das Erheben von Daten damit begründet, man brauche diese zur Rechnungsstellung oder zur konkreten Erbringung einer Dienstleitung. Das ist sicher auch nicht verkehrt – nur wirklich spannend wird es danach: Algorithmen analysieren Daten nach verschiedenen Kriterien und kombinieren sie mit anderen Quellen – so lassen sich neue Erkenntnisse gewinnen.

Für die grossen Player ist dieses Data Mining so attraktiv, dass es naiv ist zu glauben, die Unternehmen würden sich hier ernsthafte Ketten anlegen lassen – über ein paar in Watte gepackte Massnahmen, die niemandem weh tun aber das Ansehen des Unternehmens wieder verbessern, wird es nicht hinausgehen.


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Für mich hat es auch immer etwas von “gespaltener Zunge”, wenn die Politik versucht, die Datensammelwut der Unternehmen zu bremsen. Sie selbst treibt die Überwachung im öffentlichen und privaten Raum ja auch mit grossen Schritten voran – und rechtfertigt es mit “Sicherheit” und “Anti-Terror”. Warum sollen Unternehmen dann es nicht “Gewinnmaximierung” rechtfertigen? Es ist doch ihre ureigene Triebfeder, Geld zu verdienen und den Gewinn zu maximieren. Neue technische Möglichkeiten werden zur Erreichung der Geschäftsziele eingesetzt, das ist doch ganz normal, könnte man argumentieren.

Wir leben heute in einer Welt, wo persönliche Daten ein Zahlungsmittel und eine Handelsware geworden sind. Der Gesetzgeber hinkt dabei um Jahre hinterher, und hat Unternehmen damit einen Spielplatz ohne Regeln überlassen, auf dem sie sich ausgetobt haben und den sie nach ihren Bedürfnissen gestaltet haben. Und jetzt meint man, man könne die erwachsen geworden Kinder sozusagen an die Leine legen?

Ich denke nicht, dass das gelingen wird. Forderungen nach mehr Datenschutz, Privatsphäre und Kontrolle über die eigenen Daten kommen halt bei vielen Leuten aktuell gut an, weil im Moment viele Menschen auf dieses Thema sensibilisiert sind. Aber da wir in einer Welt mit einer kurzen medialen Aufmerksamkeitsspanne leben, werden sich Facebook, Google und Co. diesbezüglich nicht ernsthaft Sorgen machen müssen.


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