Es erfüllt uns mit tiefer Trauer, aber wir mussten uns diese Woche von Star Trek verabschieden. Im Herbst dieses Jahres wäre Star Trek 52 Jahre alt geworden. Doch am Schluss waren die Schmerzen nach langer Krankheit einfach zu gross und unerträglich.


Hier ruht Star Trek in Frieden.

Tragischerweise war es Star Trek nicht vergönnt, im engsten Familienkreis und in Begleitung von Freunden von uns zu gehen, sondern vor den Augen von Millionen von Zuschauern vor den Fernsehern und PC-Bildschirmen. Die letzten Herbst gestartete Serie Star Trek: Discovery hat dem Franchise aus unserer Sicht den endgültigen Todesstoss versetzt.

Was für ein krasser Gegensatz zum Jahre 1965, als Star Trek zum allersten Mal das Licht der Welt erblickte: Nur wenige bekamen es damals zu Gesicht – und es waren einige Änderungen notwendig, bevor Star Trek im September 1966 die Chance erhielt, sich vor dem amerikanischen Fernsehpublikum zu bewähren.

Serien-Begründer Gene Roddenberry hatte damals mit seiner positiven Sicht auf die Zukunft und die Menschheit den Grundstein für eines der grössten TV- und Kinofranchises gelegt. Sein Motto war damals „to boldy go where no man has gone before“ – und in der Tat nahmen er und nachfolgende Produzenten die Zuschauer auf eine Reise mit, die noch niemand im Fernsehen in dieser Form je erlebt hatte. Eine der Vorbilder von Roddenberry war die damals erfolgreiche Western-Serie Wagon Train, in der eine Gruppe von Siedlern quer durch den amerikanischen Kontinent nach Westen zieht. Star Trek war seine zweite eigene Fernsehserie, dem Sender soll er sein Konzept als „Wagon Train to the stars“ erklärt haben.

Wir selber haben erst viele Jahre danach unsere persönliche Bekanntschaft mit Star Trek gemacht. Star Trek war über Jahrzehnte wie ein guter Freund von uns, und die guten Erinnerungen an die gemeinsamen Zeiten werden uns weit über den Tod hinaus erhalten bleiben, das ist sicher.

Lassen wir also – auch wenn aus traurigem Anlass – ein paar dieser guten Erinnerungen nochmals aufleben. Eine Auswahl zu treffen, ist gar nicht einfach. Schliesslich umfasst Star Trek bis heute sieben Fernsehserien, 13 Kinofilme, unzählige Roman-Reihen und Fan-Produktionen. Aber auch die Gründe für das tragische Dahinscheiden wollen wir hier nicht ausser Acht lassen.

Where No Man Has Gone Before

Unsere ersten Berührungspunkte mit Star Trek waren wie gesagt die Wiederholungen der Original-Serie. Rückblickend kommen einem da die aus heutiger Sicht haarsträubenden Pappkulissen im Studio für die Planetenoberflächen oder die bunten Knöpfe auf den Konsolen auf der Brücke in den Sinn. Klar, Ausstattung und Spezialeffekte sehen in modernen Serien anders aus, weil der Produktionstechnik heute ganz andere Mittel zur Verfügung stehen.


Die NCC 1701 USS Enterprise. Quelle: imdb.com

Ohne es damals zu wissen, legten die Drehbuchautoren der Originalserie auch die Grundlagen für viele Geschichten, die später in anderen Produktionen wieder aufgegriffen wurden. Wir denken da zum Beispiel an Episoden wie The Trouble with Tribbles, Space Seed oder The Tholian Web. Der Kuss zwischen Captain Kirk und Lt. Uhura gehört heute als erster Kuss zwischen einem Weissen und einer Schwarzen vor der Fernsehkamera zur Fernsehgeschichte. Ein Klassiker der Dramaturgie von damals war auch, wie Kirk des Öfteren einen Supercomputer zu Tode argumentieren musste, um einer ganze Zivilisation die Freiheit wieder zu geben. Und wie keine der nachfolgenden Serien hat es die Originalserie in die Pop-Kultur geschafft. Es dürfte kaum jemanden geben, der Mr. Spock oder die USS Enterprise nicht kennt. Der aufklappbare Communicator aus der Serie hat sogar den Sprung in die Realität geschafft – wer erinnert sich noch an die Klapp-Handies von vor 20 Jahren?

Jeder Star Trek-Fan wird seine persönlichen Lieblingsepisoden haben, deshalb wollen wir hier keine Liste mit Episodentiteln aufzählen. Wie bei jeder Serie gab es jedoch Publikumslieblinge, zu denen unter anderem Episoden wie The City on the Edge of Forever, Balance of Terror oder Arena gehören.

Auch im Kino konnte die Original-Crew glänzen, vor allem der Dreiteiler The Wrath of Khan, The Search for Spock und The Voyage Home sind uns in bester Erinnerung geblieben. Mit dem sechsten Film, The Undiscovered Country aus dem Jahre 1991, gelang nicht nur ein würdevoller Kino-Abschied für die Crew von Captain Kirk, sondern die Produzenten griffen auch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und politische Ereignisse wie den sich ankündigenden Zusammenbruch der UdSSR in ihrer Geschichte für den Film auf.

In der Abschlussszene des Films weigert sich die Crew ins Raumdock zurückzufliegen, um vom aktiven Dienst entlassen zu werden. Kirk zitiert Peter Pan mit seiner Kursangabe „Second star to the right and straight on ‚til morning…“ und macht damit sich und seine Crew in unserer Erinnerung unsterblich. In Tat und Wahrheit hatte – wenigstens im Fernsehen – schon jemand anders auf dem Captain-Sessel der USS Enterprise Platz genommen.


Die Crew in „The Undiscovered Country“. Quelle: imdb.com

Live Fast and Prosper

Bevor wir jedoch an diese Geschichte anknüpfen, wollen wir für dieses Kapitel die Perspektive wechseln. Star Trek hat in den 1960er Jahren nicht nur angefangen Fernsehgeschichte zu schreiben, es begründete auch eine Bewegung, die man heute als „Fandom“ bezeichnet. Schon nach der zweiten Staffel gab es eine organisierte Briefkampagne an den Sender NBC, um die Serie fortzusetzen und auf Sendung zu halten. Eigentlich wollten die Verantwortlichen des Senders der Serie den Stecker ziehen. Die Kampagne wurde von der Amerikanerin Bjo Trimble angeführt und der Erfolg war, dass Star Trek eine dritte Staffel bekam.

In den 1970er Jahren entwickelten sich Star Trek-Conventions, also Veranstaltungen an den Fans zusammenkamen und Schauspieler als Gäste auftraten. Damals war es etwas Neuartiges, sich als Fan einer Fernsehserie zu bekennen, sich entsprechend zu kostümieren und selber in den Lieblings-Charakter zu schlüpfen. Die Convention-Szene ist für Star Trek heute noch lebendig: Auch lange nach dem Ende einer Serie reissen das Interesse der Fans an den Schauspielern und das Bedürfnis einzelne Szenen zu diskutieren nicht ab.


An der deutschen FedCon. Quelle: de.wikipedia.org

Wenn wir uns hier an Star Trek zurückerinnern, darf man nicht vergessen, dass Star Trek viel mehr ist als ein Fernseh- und Kinofranchise. Für viele Menschen war und ist Star Trek der Anlass, sich mit Gleichgesinnten zu treffen, Freundschaften zu schliessen oder eine Karriere als Wissenschaftler, Mediziner oder Ingenieur einzuschlagen. Am Schluss hat sogar die NASA im Jahre 1977 ihr erstes Space Shuttle auf den Namen Enterprise getauft, auch wenn der Prototyp nie ins All fliegen konnte.

Once More unto the Breach

Nun also zurück zum Kommandosessel der USS Enterprise. Dieser Jemand war natürlich niemand anderes als Captain Jean-Luc Picard, dargestellt von Patrick Stewart. Mit der Serie Star Trek: The Next Generation kehrte Star Trek 1987 mit einer neuen Crew und einem neuen Schiff ins Fernsehen zurück. Das war damals ein mutiger Schritt von Star Trek-Begründer Gene Roddenberry und den anderen Produzenten, der von vielen Fans auch entsprechend kritisiert wurde.

Für uns unvergesslich ist der erste Auftritt der USS Enterprise-D. Was war das für ein majestätisches Schiff, das da in Encounter at Farpoint vor unseren Augen über den Bildschirm glitt.


USS Enterprise-D in „Encounter at Farpoint“. Quelle: memory-alpha.wikia.com

Viele Schiffe haben bisher den Namen Enterprise getragen, aber keines war eine solche Augenweide. Auch das Design des Schiffsinneren stellte alles in den Schatten, was man damals bisher gesehen hatte. Und auf den Konsolen auf der Brücke und im Maschinenraum waren die Knöpfe verschwunden, die gesamte Bedienung erfolgte über Touchpanels mit einem grafischen User-Interface – genauso wie Steve Jobs es 20 Jahre mit dem ersten iPhone vorstellen würde. Die Idee der Touchpanel war, dass sich das Userinterface immer der Aufgabe und dem Benutzer anpassen würde.

Neben dem Schiffsdesign und der gezeigten Technik glänzte The Next Generation vor allem mit einem wirklich guten Schauspieler-Ensemble und Geschichten, die sich um die Hauptcharaktere selber drehten. Als Höhepunkt gilt für viele Fans bis heute der Zweiteiler The Best of Both Worlds. Die daran anschliessende Episode Family geht eigentlich noch mehr unter die Haut, weil sie einen Captain Picard zeigt, der unter den Folgen seiner Erlebnisse bei den Borg zusammenbricht – und wenigstens für eine Episode lang einfach nur Mensch sein darf.

Die Serie hat aber auch gezeigt, dass Star Trek auch ohne Captain Kirk und seine Crew funktionierte und ebnete damit den Weg für weitere Serien: Star Trek: Deep Space Nine, Star Trek: Voyager und Star Trek: Enterprise. In den Jahren von 1987 bis 2005, zum Ende von Star Trek Enterprise, wurde soviel Star Trek produziert wie noch niemals zuvor.

Schon während der sechsten Staffel von The Next Generation präsentierten die Produzenten uns mit Deep Space Nine eine ganz andere Seite von Star Trek. Mit einer Raumstation als Handlungsort war das so ziemlich das krasseste Gegenteil zu allem was man bisher gesehen hatte. Die Serie war zu Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, untypisch für Star Trek waren auch das Setting, welches stark von Politik und Religion geprägt war. Rückblickend müssen wir aber auch sagen, dass Deep Space Nine die am besten gealterte Serie aus dem Star Trek-Franchise ist. Auch Deep Space Nine verfügte über einen starken Cast, die Inszenierungen erinnerten allerdings oft an ein Theaterstück, nur war hier die gesamte Raumstation die Bühne. Viel mehr als andere Star Trek-Serien setzte sich Deep Space Nine mit dem Thema Krieg auseinander. Call to Arms war Ende der fünften Staffel der Auftakt zum Krieg der Föderation gegen das Dominion, der erst mit dem Ende der Serie in der siebten Staffel zu Ende ging. Captain Benjamin Sisko war der Mann für’s Grobe, aber auch für die leisen Zwischentöne. In Far Beyond the Stars hatte er eine Vision, die ihn als Schriftsteller auf der Erde in den 1950er Jahre zeigte. Hier sah er sich mit dem damals alltäglichen Rassismus konfrontiert. Und für In The Pale Moonlight begab er sich als Starfleet-Offizier auf sehr dünnes Eis, versuchte er doch, mit einer List, die Romulaner zum Eintritt in den Krieg zu bewegen. Sisko hat sich jedoch sehr schwer damit, er versuchte eine ganze Episode lang, sich vor sich selbst und seinen Überzeugungen zu rechtfertigen und mit seinen Handlungen ins Reine zu kommen.


Captain Benjamin Sisko (Avery Brooks). Quelle: imdb.com

Allerdings war Deep Space Nine auch in einer undankbaren Position, weil nicht mal ein Jahr nach dem Ende von The Next Generation, die USS Voyager in ihrer eigenen Serie zu ihren Abenteuern aufbrach. Sie legte zwar mit ihrem Pilot The Caretaker den stärksten Einstieg aller Serien hin. Star Trek: Voyager war wieder eine Raumschiff-Serie, baute aber darauf, dass die USS Voyager zu Beginn der Serie in der Delta-Quadranten unserer Galaxie geschleudert wurde und eine Heimreise unter normalen Umständen rund 80 Jahre dauern würde. Die USS Voyager schaffte zwar zum Ende der siebten Staffel die Rückkehr zur Erde, ihre ursprüngliche Prämisse mit zwei Konfliktparteien innerhalb der Schiffs-Crew wurde jedoch sehr schnell aufgegeben. Trotzdem ist auch Star Trek: Voyager für ein paar sehr schöne Star Trek-Erinnerungen von uns verantwortlich. Nicht nur hatte der populäre Charakter Q, der den Zuschauern aus The Next Generation bekannt war, mehrere Aufritte. Mit 7of9 wurde im Zweiteiler Scorpion eine Angehörige der Borg zu einem Hauptcharaktere der Serie.


Seven of Nine (Jeri Ryan). Quelle: imdb.com

Von allen drei Serien war es nur The Next Generation, welche auch einen Auftritt im Kino bekam. Mit dem erste Film Generations inszenierte man eine Stabübergabe von Kirk zu Picard, aber sonst gehören die Kinofilme von The Next Generation nicht zu unseren besten Erinnerungen. Zu viel wurde vom Geist der Serie verändert, um sie für die grosse Leinwand passend zu machen.

Strange Bedfellows

Die Star Trek-Serien lebten aber nicht nur von ihren Hauptdarstellern, sondern boten auch zahlreichen Gueststars eine Bühne. Für viele von ihnen war es nur eine einzige Episode, in der sie auftraten. Deep Space Nine erhob das Thema Gueststars zu einer eigenen Kunstform und schuf eine ganze Gruppe von Charakteren, die in manchen Episoden den Hauptdarstellern den Rang abliefen.

Wir wollen hier die Gelegenheit ergreifen, und uns bei allen Schauspielerinnen und Schauspielern bedanken, die jemals in Star Trek mitgespielt haben. Aus Platzgründen können wir an diese Stelle nicht alle mit Namen aufführen. Deshalb beschränken wir uns auf eine Liste von Namen, die uns durch ihren Auftritt in Star Trek besonders in Erinnerung geblieben sind. Viele Namen kennt man auch aus anderen Produktionen, darunter sind auch Oscar-Preisträger und Bond-Bösewichter. Und manche sind sogar in mehreren Star Trek-Produktionen aufgetreten und haben dabei verschiedene Rollen gespielt. Da Star Trek schon mehr als 50 Jahre Produktionsgeschichte hinter sich hat, ist es auch eine traurige Tatsache, dass einige Schauspieler bereits verstorben sind. Mit ihren Rollen werden sie uns allen aber ewig in Erinnerung bleiben.

Diana Muldaur, Mark Lenard, John Colicos, Ricardo Montalban, Clint Howard, Jack Donner, Teri Garr, Charles Napier, Phil Morris, Whoopi Goldberg, Michelle Forbes, John de Lancie, Brian Bonsall, Dwight Schultz, Andreas Katsulas, Marc Alaimo, James Cromwell, Tony Todd, Bob Gunton, David Ogden Stiers, Mark Rolston, Suzie Plakson, Patricia Tallman, Julie Caitlin Brown, Ronny Cox, Daniel Davis, Stephen Root, Thomas Kopache, Ashley Judd, Susanna Thompson, James Horan, Malachi Throne, David Warner, Glenn Morshower, Richard Herd, Stephen Hawking, Billy Campbell, Michele Scarabelli, Olivia d’Abo, Fionnula Flanagan, David Huddleston, Terry O’Quinn, Paul Sorvino, William Morgan Sheppard, John Fleck, Matt Frewer, Spencer Garrett, Richard Riehle, Eric Pierpoint, Penny Johnson Jerald, Vaughn Armstrong, Walter Gotell, Randy Oglesby, Ray Wise, Reiner Schöne, Paul Winfield, Ron Canada, Kelsey Grammer, Liz Vassey, Kirsten Dunst, Robert Knepper, Brenda Strong, Brian Thompson, Theodore Bikel, Mark Margolis, Michael Ensign, Erika Flores, Graham Jarvis, Patricia McPherson, Leon Rippy, Pamela Adlon, Steve Rankin, Saul Rubinek, Kevin Conway, Benito Martinez, Norman Lloyd, Robert Ito, Erick Avari, Teri Hatcher, Scott Grimes, Andrew Robinson, Jeffrey Combs, J.G. Hertzler, Louise Fletcher, Barry Jenner, James Darren, Wallace Shawn, Brock Peters, Paul Dooley, Richard Beymer, Duncan Regehr, William Lucking, F.J. Rio, William Sadler, Joseph Ruskin, Gregory Itzin, Robert Foxworth, Jack Shearer, Martha Hackett, Cliff De Young, Brian Keith, Salli Richardson-Whitfield, Tracy Scoggins, Steven Weber, John Schuck, Brian George, Leslie Hope, Jonathan Banks, Rick Worthy, Marshall R. Teague, Kurtwood Smith, Vanessa Williams, Harris Yulin, Stephen McHattie, Bill Mumy, Iggy Pop, Frank Langella, Anthony De Longis, Raphael Sbarge, Brad Dourif, Rob LaBelle, John Savage, John Rhys-Davies, Titus Welliver, Ed Begley Jr., Thomas Dekker, Gary Graham, John Rubinstein, Alan Scarfe, Willie Garson, Kate Vernon, Jason Alexander, Bruce McGill, Mark Moses, Kevin Tighe, Daniel Dae Kim, Kim Rhodes, Jeff Kober, Dakin Matthews, Kellie Waymire, Patrick Fabian, Frank Welker, Jay Karnes, Tony Amendola, Dwayne Johnson, Mark Sheppard, Wallace Langham, Bruce Davison, Keythe Farley, Larry Drake, Michael McKean, Alice Krige, Steven Culp, James Avery, Seth MacFarlane, Peter Weller, Roger Cross, Clancy Brown, Annie Wersching, Gregg Henry, Keith Carradine, Jeffrey Dean Morgan, Ed O’Ross, Jim Beaver, Dean Stockwell, David Andrews, Stephen Collins, Kirstie Alley, Robin Curtis, Christopher Lloyd, Miguel Ferrer, Branscombe Richmond, Catherine Hicks, Christopher Plummer, Christian Slater, Kim Cattrall, Malcolm McDowell, Alan Ruck, Neal McDonough, Alfre Woodard, Daniel Hugh Kelly, F. Murray Abraham, Michael Welch, Donna Murphy, Dina Meyer, Tom Hardy, Alan Dale, Ron Perlman, Eric Bana, Winona Ryder, Chris Hemsworth, Jennifer Morrison, Faran Tahir, Billy Brown, Bruce Greenwood, Benedict Cumberbatch, Idris Elba, Shohreh Aghdashloo, Jeff Bezos

The Measure of a Man

Wird irgendwo von Star Trek gesprochen, fällt schnell das Wort Toleranz, als das zentrale Konzept der Serie überhaupt. Doch das Science-Fiction-Universum, das Gene Roddenberry in den 1960er Jahre entworfen hat, beinhaltet mehr als das Gewährenlassen von fremden Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Es steht in Kontrast zu unserer realen Welt und zu vielen anderen Science-Fiction-Settings, die ein düsteres Bild der Zukunft und der Menschheit zeigen. Dramaturgisch haben Alien, Blade Runner oder War of the Worlds durchaus auch ihren Reiz, aber Star Trek strahlte einen unverwüstlichen Optimismus aus, war geprägt vom Glauben an das Gute in allen Lebewesen, von Offenheit und vom Drang Neues zu entdecken – in fernen Sonnensystemen genau wie in uns selbst. Die Hauptfiguren besassen einen moralischen Kompass, der unerschütterlich war, egal wie die Umstände waren.

Wenn wir uns in dieser traurigen Stunde nicht an eine einzelne Episode oder einen Charakter erinnern wollen, dann an das, was Gene Roddenberry uns hinterlassen hat: ein Universum, welches geprägt ist vom Bemühen für gegenseitiges Verstehen und friedliche Kommunikation sowie Koexistenz mit andersartigen Lebensformen. Der Respekt vor allen Lebensformen und deren Entwicklung war die Grundvoraussetzung dafür. Und es war der Forscherdrang, der die Menschheit antrieb – und nicht rücksichtslose Gier nach persönlichen Vorteilen.

Da Star Trek eine US-amerikanische Serie war, spürte man in ihr neben den oben erwähnten Werten auch immer das amerikanische „Sendungsbewusstsein“ für übergeordnete und fundamentale Rechte eines jeden einzelnen auf Freiheit, Selbstbestimmung und Unversehrtheit. Manche Episoden beinhalteten auch etwas, was man nur als den „moralischen Zeigefinger“ bezeichnen kann. Es musste etwas „pädagogisch wertvolles“ vermittelt werden, doch Star Trek war immer dann am effektivsten, wenn dies nicht mit der groben Kelle präsentiert wurde, sondern zwischen den Zeilen und verpackt in einen möglichst ausserirdischen Kontext. Es war genau dieser dramaturgische Kniff, der es Gene Roddenberry in den 1960er Jahre erst erlaubte, gewisse gesellschaftskritische Themen in seiner Serie überhaupt anzusprechen.

Author, Author

Die Dramaturgie hat sich über 50 Jahre natürlich verändert, das merkt man sofort wenn man alte Episoden oder Filme schaut. Aber schon in der Original-Serie kam eine der wichtigsten Qualitäten von Star Trek zum Vorschein: Vielfalt und Abwechslung in der Serie entstand durch die sehr unterschiedlichen Charaktere. Jede Figur hatte ihre Besonderheiten und ihre Momente, die sie unvergesslich machten. Im Kern lebte die Original-Serie von ihren drei Hauptcharakteren Kirk, Spock und McCoy, ihren unterschiedlichen Arten Probleme zu lösen und trotz aller Sticheleien zusammen zu arbeiten.


Die Crew der Original-Serie. Quelle: imdb.com

Wie wichtig dabei das Casting ist, haben uns andere Serien vor Augen geführt. Wie es LeVar Burton in Interviews zu sagen pflegte: „They put together an amazing group of people… „. Der vertraute und familiäre Umgang unter den Crewmitgliedern war charakteristisch für The Next Generation und wurde zu einem ihrer Markenzeichen. Die einzelnen Charaktere wie Captain Picard, Data oder Doktor Crusher waren so unterschiedlich angelegt, dass jeder Zuschauer sich mit einem von ihnen identifizieren konnte. Der Cast jeder Serie hatte seine Sympathieträger, wobei spätere Serien wie Star Trek: Enterprise beim Casting eine weniger glückliche Hand hatten, was sehr direkt in jeder einzelnen Episode zu spüren war.

Wir haben im vorangegangenen Kapitel über die Werte von Star Trek gesprochen und den unerschütterlichen moralischen Kompass der Hauptcharaktere. Es war dann die Herausforderungen für die Drehbuchautoren, innerhalb dieser Rahmenbedingungen spannende Geschichten zu erzählen und dabei die Figuren weiterzuentwickeln.


Die Crew von The Next Generation. Quelle: imdb.com

Besonders bei The Next Generation muss das nicht immer einfach gewesen sein, da hier eine der Vorgaben von Gene Roddenberry lautete, es solle keine Konflikte unter Starfleet-Offizieren geben. Dennoch schafften es die Autoren auch hier, den moralischen Kompass der Charaktere immer wieder hart auf die Probe zu stellen, man denke nur daran, wie Picard seine Erlebnisse bei den Borg verarbeitete. In späteren Serien wurde das „Konflikt-Verbot“ gelockert, was den Autoren neue Möglichkeiten eröffnete. In Deep Space Nine beispielsweise kamen die Figuren immer wieder in Situationen, in denen ihr von Starfleet geprägter Moral-Kompass herausgefordert wurde.

Zu den Eigenschaften eines Star Trek-Charakters gehörte auch, dass niemand einfach so von Natur aus „böse“ war, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Der Grund für ein solches Verhalten spielte immer eine Rolle. Er wurde beispielsweise bei Kai Winn und Gul Dukat in Deep Space Nine über viele Episoden hinweg dramaturgisch sehr sorgfältig herausgearbeitet.

Wenn wir uns also heute an Star Trek erinnern, gehören auch die Produzenten und Drehbuchautoren dazu, welche – zusammen mit den Schauspielern – all diese wunderbaren Charaktere geschaffen und vor der Kamera zum Leben erweckt haben. Bei The Next Generation war einer dieser Leute der Executive Producer Michael Piller, welcher der Serie in der dritten Staffel die notwendige Stabilität gab und sie endgültig vom Touch der 60er Jahre befreite. Für Deep Space Nine war es Ira Steven Behr, der einen Mikrokosmos von Geschichten und Charakteren schuf, wie man es seitdem für Star Trek nie mehr gesehen hat. Daneben gab es viele andere Autoren, die ihren Beitrag zu Star Trek lieferten und das Privileg hatten, sich in Gene’s Universum auszutoben und mitzugestalten.

Bei aller Harmonie zwischen den Hauptcharakteren, die gerne vor der Kamera zelebriert wurde, darf man auch nicht vergessen, dass hinter den Kulissen oft ein anderer Umgangston herrschte. Entsprechende Anekdoten gibt es für jede Serie. Doch nicht immer ist es einfach einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen. Wie William Shatner in seiner Dokumentation Chaos on the Bridge aus dem Jahre 2014 für HBO zeigte, muss es in den ersten Jahren der Produktion von The Next Generation alles andere als friedlich zu und her gegangen sein. Viele Mitarbeiter und Autoren wurden gefeuert, weil für sie die Zusammenarbeit mit Gene Roddenberry, der sich hinter Anwälten verschanzt hatte, als unmöglich gestaltete.

The Forgotten

Bisher haben wir viel von Schauspielern, Autoren und Produzenten gesprochen. Um eine Serie oder einen Kinofilm aber zum Leben zu erwecken und den Schauspielern die Bühne zu bereiten, um in einer unvergesslichen Szene vor der Kamera zu glänzen, braucht es die Arbeit von vielen Frauen und Männern hinter den Kulissen. Deren Namen kann man aber höchstens im Vor- oder Abspann lesen.

Und genau diese „Vergessenen“ wollen wir in diesem Kapitel ins Rampenlicht stellen. Wenn wir unsere guten Erinnerungen an Star Trek nochmals aufleben lassen wollen, um uns verabschieden zu können, müssen wir uns bewusst sein, dass es alles nie gegeben hätte ohne diejenigen, die für Ausstattung, Designs, Props, Sets, Modelle, Make-Up, Kostüme, visuelle Spezialeffekte, Musik oder wissenschaftliche Beratung und Catering verantwortlich waren. Ihnen allen gebührt an dieser Stelle unser Dank und unsere Anerkennung für alles, was sie für Star Trek geleistet haben. Und das war eine Menge, denn in all den oben genannten Bereichen haben die Star Trek-Produktionen Massstäbe gesetzt, wobei jede natürlich immer ein Kind ihrer Zeit – und somit der technischen Möglichkeiten – war.

Arbeitsplatz für viele von ihnen war ab der zweiten Staffel der Original-Serie bis hin zum ersten Kinofilm von J.J. Abrams aus der Jahre 2009 das Gelände der Paramount Studios in Los Angeles.


Paramount Studios in Los Angeles. Quelle: Screenshoot Google Maps

Zuallerest denken wir natürlich an Matt Jeffries. Er war für das Design der USS Enterprise in den 1960er Jahren verantwortlich. Später etablierte sich dann offiziell der Begriff “Jeffries Tubes” für Wartungs- und Leitungsschächte an Bord eines Raumschiffs.


Scotty (James Doohan) in der „Jeffries Tube“. Quelle: imdb.com


Modell der USS Enterprise. Quelle: memory-alpha.wikia.com

Auch wenn oft mit einem engen Budget produziert wurde, überraschten die Macher aller Serien und Kinofilme doch immer wieder mit kreativen Designs und ständigen Umbauten von bestehenden Sets. Rick Sternbach prägte mit seinen Entwürfen und Modellen Star Trek über Jahrzehnte, er hatte schon am ersten Kinofilm im Jahre 1979 mitgearbeitet. Michael Okuda war beispielsweise für viele grafische Oberflächen und ausserirdische Schriftzeichen verantwortlich. Er war es auch, der das Benutzer-Interface LCARS entworfen hatte, das zum ersten Mal in The Next Generation zu sehen war. Herman Zimmerman war als Art Director and Production Designer für alle Serien von The Next Generation bis Enterprise verantwortlich und arbeite auch an den Kinofilmen mit. Dasselbe galt auch für Michael Westmore, der für die Make-Ups verantwortlich war. In Zusammenarbeit mit den Schauspielern prägte er das Aussehen von vielen ausserirdischen Rassen wie den Ferengi, Cardassianern, Bajoranern, Trill oder den Hirogen. Musikalisch haben Alexander Courage und Jerry Goldsmith Star Trek entscheidend beeinflusst, leider sind beide unterdessen verstorben. Auch James Horner hat in den Filmen The Wrath of Khan und The Search for Spock Star Trek seinen Stempel aufgedrückt. Für die Serien von The Next Generation bis Enterprise waren Jay Chattaway und Dennis McCarthy die Hof-Komponisten.

Aber auch für die visuellen Effekte und später CGI waren Star Trek-Produktionen immer eine gute Referenz und zwar im Kino wie im Fernsehen. Ab dem zweiten Kinofilm war ILM für die Effekte verantwortlich und produzierte sogar für The Next Generation die Aufnahmen mit den Modellen der USS Enterprise-D. Parallel schufen Leute wie Dan Curry visuelle Effekte für die Serie und arbeiteten dabei eng mit den Personen zusammen, welche die Raumschiffmodelle bauten. Im Bild unten ist ganz rechts Greg Jein zu sehen, der seit dem ersten Kinofilme viele der Star Trek-Modelle gebaut hat.


Für einmal vor der Kamera: (von rechts) Greg Jein, Dan Curry und das Team von Image G. Quelle: memory-alpha.wikia.com


Drei Modelle der Enterprise-D. Quelle: memory-alpha.wikia.com

Journey’s End

Wie bereits am Anfang gesagt, der Leidensweg von Star Trek war hart und verschiedenste Leute haben hierzu ihren Beitrag geleistet. Ganz streng genommen begann es schon mit der Serie Star Trek: Enterprise im Jahre 2001. Hier machten die Produzenten den Fehler, die Serie so zu konzipieren, dass sie rund 114 Jahre vor den ersten Abenteuern von Captain Kirk und seiner Crew angesiedelt war, was man auch Prequel nennt. Sie zeigte, wie die Menschheit ihren Weg ins All fanden und wie sich die Gründung der Föderation anbahnte.

Ein zentrales Motto von Star Trek war immer dorthin zu gehen, wo noch kein Mensch zuvor gewesen war, und das galt auch für die Zeit. Star Trek war immer eine Reise nach vorne, weiter in die Zukunft. Für Enterprise liess sich Star Trek vom „Phantom-Menace“-Syndrom von Star Wars anstecken. Der Film war 1999 ins Kino gekommen. Die Produzenten legten sich ziemlich mutlos ebenfalls auf ein Prequel fest und stiessen damit viele Zuschauer und Fakten in der Star Trek-Zeitlinie vor den Kopf.


Crew von Star Trek: Enterprise. Quelle: memory-alpha.wikia.com

Produzent Rick Berman hatte mit den vorangegangenen Serien grossartige Arbeit geleistet, aber mit Enterprise sind wir nie warm geworden. Bei Politikern oder Sportlern sagt man manchmal, sie hätten den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt verpasst. Im Falle von Star Trek kann man getrost sagen, Enterprise war der eine Schritt zu viel – nach The Next Generation, Deep Space Nine und Voyager hätte Star Trek zumindest ein Timeout gebraucht. Und auch die TV-Landschaft hatte sich verändert. Zeitgleich mit Enterprise liefen Serien wie CSI: Las Vegas (ab 2000), 24 (ab 2001) oder The Sopranos (ab 1999), die einen modernen Erzählstil pflegten. Es schmerzt uns zu sagen, aber Star Trek wirkte zu der Zeit einfach altbacken und nicht innovativ.

Die Serie krankte an allen Ecken und Enden. Angesehen von Widersprüchen in der Zeitlinie, funktionierte das als Prototyp konzipierte Schiff einfach zu problemlos, die Ausstattung wirkte zu modern und man hatte kein gutes Schauspieler-Ensemble zusammengestellt. Enterprise war dramaturgisch oft schwach, der grosse Handlungsbogen mit dem Temporal Cold War, der im Pilotfilm eingeführt wurde, spielte danach nur zu selten in einer Episode eine Rolle. Den Tiefpunkt erreichte man in der vierten Staffel mit Daedalus oder Observer Effect.

Dazu kam, dass Captain Archer kein Sympathieträger war, insgesamt stimmte die Chemie zwischen den Figuren nicht, was schon im Casting begründet war. Die Serie erlebte für die dritte und vierte Staffel viele Änderungen und Kürzungen im Budget, trotzdem schaffte sie mit Demons und Terra Prime und dem Gaststar Peter Weller ein absolutes Star Trek-Highlight. Sie zeigte, dass nicht alle Menschen auf der Erde den Kontakt mit Ausserirdischen befürworteten und sogar mit Gewalt gegen die aus ihrer Sicht drohende Überfremdung vorgingen.

Den Abschluss der Serie bildete dann im Jahre 2005 die Episode These are the Voyages…. Sie war ein absoluter Tiefpunkt und ein Gradmesser, in welchem Gesundheits-Zustand sich Star Trek damals eigentlich befand.

Und für vier Jahre sollte es das mit Star Trek gewesen sein, bevor die USS Enterprise 2005 auf die Kinoleinwand zurückkehrte. Re­gis­seur J.J. Abrams durfte Star Trek seinen eigenen Stempel aufdrücken. Auch sein Film war keine Fortführung in die Zukunft, nein man kehrte zu der Zeit zurück, als Kirk zum ersten Mal das Kommando über die USS Enterprise übernahm.


J.J. Abrams führt Regie. Quelle: imdb.com

Die Studiobosse zeigen hier eine erstaunliche Lernresistenz. Es war also noch schlimmer, als ein reines Prequel, alle Charaktere wurden mit neuen Schauspielern besetzt und Star Trek in ein auf Hochglanz poliertes Action-Abenteuer umgebaut. Die Filme trugen zwar Star Trek im Titel und die Hauptcharaktere die bekannten Namen, aber abgesehen davon zeigten sich nichts, was Star Trek bis anhin ausgemacht hatte. Es war ein kompletter Reboot und spielte sogar in einer alternativen Zeitlinie, der sogenannten „Kelvin Timeline“. Auch Star Trek war nicht immun gegen Trends in Hollywood. Es musste ein Prequel, einen kompletten Reboot und die Einführung des Multiverse-Konzepts über sich ergehen lassen.

Year of Hell

Doch damit nicht genug der Grausamkeiten. Mit der Serie Star Trek: Discovery kehrte das Franchise im vergangenen Herbst auf den Fernsehbildschirm zurück – auch wenn sie nicht mehr im klassischen TV-Programm ausgestrahlt wird. In den USA gehört sie zum Streaming-Dienste CBS all Access. Für den Rest der Welt ist es Netflix, der übrigens unterdessen alle Star Trek-Serien im Katalog hat, die Kinofilme fehlen bis auf Star Trek (2009) komplett.

Die erste Episode haben wir am 24. September 2017, also am Tag ihrer Veröffentlichung gesehen. Die fünfzehnte und letzte Episode der ersten Staffel wurde am 11. Februar 2018 veröffentlicht. Schon die ersten beiden Episoden erfüllten uns mit einer Mischung aus Wut, Trauer und körperlichem Schmerz. Was da mit Star Trek gemacht wurde, war einfach unglaublich schlecht.

Eigentlich hatten wir der neuen Serie mit freudiger Spannung entgegen gesehen, weil sie die zwölfjährige Durststrecke seit dem Ende von Enterprise beenden würde. Aber schon die Nachrichten über Verzögerungen in der Vorprodukten und die personellen Wechsel im Zuge des Weggangs von Bryan Fuller liessen uns etwas skeptisch werden. Was sich dann aber mit The Vulcan Hello und den nachfolgenden Episoden vor unseren Augen präsentierte war um Lichtjahre schlimmer als unsere schlimmsten Albträume.

Mit Star Trek: Discovery haben die Macher 52 Jahre Star Trek-Geschichte durch die Luftschleuse ins All geschossen. Sie haben sich ins gemachte Nest gesetzt ohne den Leistungen der Generationen vor ihnen in irgendeiner Form Rechnung zu tragen. Respekt für das, was Star Trek ausmacht, ist ihnen völlig fremd. Würde die Serie nicht die Worte „Star Trek“ im Titel tragen, wäre sie nur eine schlecht gemachte Mischung aus Science-Fiction und Fantasy und würde im Abfallkübel der Fernsehgeschichte verschwinden, ohne dass jemand ihr eine Träne nachweinen würde. Nicht einmal das transdimensionale Netzwerk aus Pilzsporen könnte da noch etwas auffangen. Da kommt einem unweigerlich die Ferengi Erwerbsregel Nummer 239 in den Sinn: „Never be afraid to mislabel a product.“ Die Serie ist schlicht und ergreifend Betrug am Zuschauer, denn mit Star Trek hat das alles nichts zu tun.

Abgesehen davon fällt Discovery mit massiven dramaturgischen Schwächen negativ auf. Die beiden Showrunner Aaron Harberts und Gretchen J. Berg sind komplett überfordert. Jede Episode ist vollgepackt mit Logiklücken, Inkonsistenzen und absurden Wendungen, die meist nur der Effekthascherei dienen, um schnell noch einen Cliffhanger aus dem Hut zu zaubern, aus Angst die Zuschauer bis zur nächsten Woche zu verlieren. Die Serie hat nicht einmal Trash-Potential, im Gegensatz zu Sharknado schaffen es die Autoren nicht einmal eine richtig schlechte Serie zu machen. Mit Discovery tun sich schwarze Löcher bezüglich Dramaturgie und Charakterentwicklung auf, die problemlos ganz Hollywood verschlingen könnten.

Charaktere waren immer eine Stärke von Star Trek-Serien gewesen. Doch bei Discovery ist davon nichts zu erkennen. Es gibt schlicht keine auch nur annähernd sympathische Figur im gesamten Personal der Serie. Aber auch vom Casting her ist Discovery ein totaler Reinfall. Kommt dazu, dass der Charakter von Michael Burnham schnell als „Mary Sue“ verschrienen wurde.


Michael Burnham (Sonequa Martin-Green). Quelle: imdb.com

Eine Mary Sue gilt nicht nur als Beweis für das Fehlen von schriftstellerischem Talent, sondern ist eine nervige Person die meint, die ganze Welt drehe sich nur um sie und die sich für etwas besonderes hält. Mit Leichtigkeit löst sie alle Probleme, da nur sie sich dazu in der Lage sieht. Die einzelnen Drehbücher sind so aufgebaut, dass schlussendlich immer alles an ihr hängen bleibt oder nur sie auf alle Aussenmissionen gehen kann.

Neben Dramaturgie und Charakteren waren es aber auch reale Schauwerte in Ausstattung, Set-Design und visuellen Spezialeffekten, die Star Trek gross gemacht haben, wie wir im Kapitel weiter oben gesehen haben. Bei Star Trek: Discovery ist davon nicht viel zu sehen, obwohl die Serie angeblich über ein grosses Budget verfügt. Bei den CGI-Effekten hat Star Trek bisher immer Massstäbe gesetzt, wenn man mal von der vierten Season Enterprise absieht. Viele bezeichnen die Effekte bei Discovery als hervorragend. Wir sehen eigentlich nur, dass viel mit Weichzeichnern und Überblendungen kaschiert wird, wenn man das Schiff von aussen sieht. Wohin das angebliche Millionen-Budget geflossen ist, bleibt für uns ein Rätsel.


Die Brücke der USS Discovery. Quelle: imdb.com

Und auch das Setting von Discovery ist mehr als fragwürdig. Was ist so unglaublich interessant rund 10 Jahre vor den Abenteuern von Captain Kirk und seiner Crew? Warum muss man da schon wieder eine Serie reinquetschen? Es wäre doch viel spannender, endlich mal in der Zeit wieder einen Schritt nach vorne zu gehen und zu zeigen, wie sich die Föderation und Starfleet weiterentwickeln. Und warum muss es schon wieder eine Raumschiff-Serie sein? All das zeugt nicht gerade von Mut oder Fantasie der Macher der Serie.

Mit Discovery wurden viele Änderungen am bekannten Star Trek-Universum eingeführt. Die Produzenten versprechen zwar in Interviews immer wieder, alles würde sich in den Kanon einfügen, aber das scheint unterdessen sehr unwahrscheinlich zu sein. Sehr wahrscheinlich sind solche Aussagen nur Hinhalte-Taktiken, denn sie wissen vielleicht selber nicht, wie sie ihre Serie weiter entwickeln wollen. Dass die Serie ein Reboot sein könnte, wird ebenfalls kategorisch verneint. Die Macher haben die Veränderungen und das Nicht-Beachten des Kanon bewusst gemacht. Diese haben auch nichts mehr damit zu tun, Star Trek als Franchise weiterentwickeln. Nein, sie führen eigentlich nur zu einem unglaublich grossen Frust.


Die neuen Klingonen: T’Kuvma (Chris Obi). Quelle: imdb.com

So hinterlässt die erste Staffel nichts als verbrannte Erde: Starfleet hat als Organisation jede Glaubwürdigkeit verloren, das Spiegel-Universum ist genauso unter die Räder gekommen wie die Klingonen und vieles andere. Burnham oder Saru sind Figuren ohne Substanz und Seele, sie reden zwar von den Werten und Prinzipien von Starfleet – und damit auch Star Trek – aber sie verkörpern sie nicht. Ihnen fehlt jede Glaubwürdigkeit.

Und durch das explizite Unvermögen, intellektuell herausfordernde Geschichten mit Substanz zu erzählen, hat Discovery auch in 15 Episoden keinen nennenswerten Beitrag zum Star Trek-Universum geleistet. Als ein Beispiel haben wir oben die Erwerbsregeln der Ferengi zitiert – Discovery hat es nicht geschafft, auf vergleichbare Weise neue Rassen oder kulturelle Errungenschaften einführen und den Zuschauer in fremde Welten zu entführen. Dank der Erzählweise mit einer fortlaufenden Handlung drehte sich immer alles um die gleichen paar Figuren mit der nervigen Michael “Mary Sue” Burnham im Fokus. Der Gipfel der dramaturgischen Hascherei nach Effekten war das Auftauchen der USS Enterprise NCC-1701 in der letzten Episode Will You Take My Hand? Angesichts davon ist mehr als beschämend, dass eine vielversprechende Fan-Produktion wie Axanar sterben musste, um Raum zu haben für Discovery. Kein Wunder, Prelude to Axanar übertrifft Discovery in Dramaturgie und Machart – und es reisst einen als Zuschauer sofort mit.

Und mit der Ausstrahlung von Discovery hat noch eine andere Unsitte angefangen. Als wären die Episoden an sich nicht genug, gibt es auf Netflix noch die Talkshow After Trek, in der Produzenten und Schauspieler auftreten, um die das in den Episoden gesehene zu erklären und zu vertiefen – und um sich selber zu beweihräuchern, was für eine aussergewöhnlich tolle Serie man da macht. Es ist wie der Tanz um das goldene Kalb. Aber wenn man für alles als Zuschauer erst noch eine zusätzliche Erklärung der Autoren braucht, stimmt etwas nicht.


After Trek auf Netflix. Quelle: imdb.com

Und wie kommt das eigentlich alles bei den Fans und Zuschauern an? Generell werden Zuschauer, die mit Discovery neu zu Star Trek kommen, mit den älteren Serien ihr liebe Mühe haben. Die neue Serie hat bei den Fans zu einer Spaltung geführt. Auf metacritic.com hat die Serie einen niedrigen Userscore von 4,7 (Stand vom 12. Februar 2018). Aber quer durchs ganze Web findet man Leute, welche die Serie aufs höchste loben und andere, die ihr rein gar nichts positives abgewinnen können. Dazu kommt, dass wer die Serie als „nicht-Star Trek“ kritisiert einfach als „Hater“ abgestempelt wird.

Im deutschen Sprachraum wird die Serie auf robots-and-dragons.de und serienjunkies.de kontrovers diskutiert. Die Autoren von zukunftia.de glänzen mit locker geschriebenen Reviews zu jeder einzelnen Episode ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder etwas schön zu reden. Das Sehen der Episoden war immer eine Qual – danach die Reviews von zukunftia.de zu lesen, war immer ein Genuss.

All Good Things…

Star Trek: Discovery hinterlässt also nichts als Zerstörung und verbrannte Erde. Das macht uns nicht nur traurig, nein es schmerzt uns, weil hier etwas bewusst kaputt gemacht wurde, was uns und Millionen von anderen Menschen viel bedeutet hat. Aber wir müssen und werden lernen, dass es das Star Trek wie wir es kannten, nie mehr geben wird. Die Verantwortlichen haben bewiesen, dass man unter dem Label „Star Trek“ in Zukunft nichts mehr mit Hirn und Seele erwarten kann.

Mit der Veröffentlichung der letzten Episode der ersten Staffel von Discovery am vergangenen Montag hat Star Trek seinen letzten Atemzug getan. Das ist die traurige und schmerzliche Realität. Alles was uns bleibt, sind die guten Erinnerungen an 52 Jahren Star Trek-Geschichte. Diese werden wir für immer in unseren Herzen tragen und diese kann uns auch niemand mehr nehmen. Das ist so ziemlich das einzige, auf was wir uns in diesen schweren Stunden verlassen können.

Unser tiefer Dank geht deshalb nochmals hinaus an all jene, die in den vergangenen 52 Jahren das Star Trek-Universum mit ihrer Kreativität und dem Glauben an eine bessere Zukunft der Menschheit bereichert haben. Ihr habt nicht nur gewusst welche Zutaten es braucht, um spannende und intelligente Fernseh- oder Kinounterhaltung zu machen, Ihr habt uns gezeigt, dass es da draussen noch Hoffnung gibt – Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf eine gerechtere Welt und dass wir als Menschen in der Lage sein können, ein gutes zu Hause für Alle bauen zu können.


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