Es geht zwar nur um 10 Rappen pro Monat, aber eigentlich geht es ums Prinzip: Die Schweizer Fernsehsender der SRG sowie die deutschen Privatsender RTL, Pro 7 und Sat 1 wollen mehr Geld dafür bekommen, dass die Zuschauer die ausgestrahlte Werbung NICHT sehen.

Genau: Beim zeitversetzen Fernsehen via „Replay“ kann man die Werbung überspringen und das ist den TV-Stationen ein Dorn im Auge, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet. Sie behaupten, dass ihnen damit Einnahmen verloren gehen und sie weniger Geld fürs Programm haben. TV-Provider wie UPC oder Swisscom müssen den TV-Sendern dafür Geld entrichten, dass sie ihren Kunden das komfortable und zeitversetzte Fernsehen anbieten dürfen. Und dieser Betrag soll jetzt erhöht werden.

hitzestau-swisscomtv
Screenshot: Swisscom TV

Denn die Zahl der Replay-Seher wächst, aktuell schauen sich laut der Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF) 20 Prozent der 15- bis 59-jährigen Zuschauer die Sendungen zeitversetzt an. Noch vor drei Jahren lag der Wert bei acht Prozent. Es gibt also immer mehr TV-Konsumenten, die sich ihren Tagesablauf nicht mehr vom TV-Programm diktieren lassen, sondern sie überspringen dabei auch gleich die oft als störend empfundene Werbung. Unerhört, wenn man sich mit mündigen Konsumenten herumschlagen muss, scheint man auf Seiten der TV-Macher zu denken und fordert dabei auch gleich noch technische Möglichkeiten, das Überspringen der Werbung wenigstens teilweise zu verhindern.

hitzestau-watchinglineartv
Quelle: Shutterstock

Schlussendlich geht es um ein krampfhaftes Festhalten an einem Auslaufmodell, dem klassischen linearen Fernsehprogramm. Die grossen Fernsehstationen scheinen nicht bereit ihr Angebot zu überdenken, und von Seiten der Politik gibt es auch keinen Druck dazu. Also wenigstens was die gebührenfinanzierte SRG betrifft, denn weder das erst im Frühling knapp verabschiedete neue Radio- und Fernsehgesetz noch die aktuelle „Service Public“-Debatte zwingen die SRG weg vom linearen Programmablauf. Die Innovationen kommen hier von anderer Seite: TV-Provider wie UPC – und natürlich die entsprechenden Anbieter in anderen Ländern – haben zeitversetztes Sehen und On Demand Video-Dienste für ihre Kunden eingeführt. Streaming-Anbieter wie Netflix kennen gar keinen Programmablauf, ihre Mediathek ist jederzeit komplett verfügbar.

„Die Zukunft des Fernsehens sind Apps“ – ist man bei Apple überzeugt. Und so falsch liegt man damit sicher nicht, ob es nun technisch gesehen Apps auf einem Gerät sind oder eine Mediathek ist, aus der man auswählen kann – wichtig ist: Die Zukunft liegt im zielgerichteten Sehen von Inhalten, die Dauerberieselung wird verschwinden. Aber auch hier braucht es Inhalte und da kommen die heutigen TV-Sender ins Spiel. Ihre Kernkompetenz liegt bei der Erstellung von Inhalten – Information, Unterhaltung, Dokus, Serien. Das wo, wie und wann sollen sie bitte den Kunden überlassen.


Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.